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Wettlauf im Weltall : „Der Mond ist jetzt ein Ami“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Peenemünde dokumentiert eine Schau den Wettlauf zwischen USA und Sowjetunion um die Vormacht im All

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Keine Schlagzeile schien groß genug: „Der Mond ist jetzt ein Ami“ titelte die „Bild“-Zeitung einen Tag nach der Mondlandung der US-Astronauten am 20. Juli 1969. Das „Neue Deutschland“ überhöhte im April 1961 den ersten Menschenflug ins All durch Juri Gagarin als „beispiellose Tat für den Frieden und den Fortschritt der Menschheit“. Erster Raketenflug oder Mondlandung – die Schritte bei der Eroberung des Weltalls sollten die technologische, ökonomische und auch gesellschaftliche Überlegenheit des jeweiligen Systems dokumentieren und wurden dafür medienwirksam inszeniert. In Peenemünde zeigt die Ausstellung „Russischer Orbit – Amerikanischer Mond?“ bis Mitte Juni, dass die zivile Raumfahrt von Anfang an nicht ideologiefrei, sondern ein politisch hochbrisantes Thema war.

„Die zivile Raumfahrt hatte immer einen militärischen Katalysator“, sagt der Raumfahrtexperte Tassilo Römisch. „Wäre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Druck der amerikanischen Militärbasen auf die Sowjetunion nicht so groß gewesen, hätte Moskau nicht so viel Energie in seine Raketenprogramme gesteckt.“ Von Anfang an seien die sowjetischen Raketen so dimensioniert gewesen, dass sie auch Atombomben tragen konnten. Ab 1957 stand dafür die Trägerrakete R-7 „Semjorka“ bereit. Die Ausstellung, zu der Römisch 207 Objekte beigesteuert hat, zeigt, wie die Raumfahrt als Ausdruck der eigenen Leistungsfähigkeit dem nationalen Prestige diente. Mit rund 100 000 Objekten besitzt Römisch nach eigenen Angaben die weltweit größte private Raumfahrtsammlung.

Gezeigt werden Zeitdokumente, Bordinstrumente, ein Raumfahrtanzug aus dem sowjetischen Interkosmos-Programm, zeitgenössische Werbeartikel sowie Zeitungsberichte.

Für das Technisch-Historische Museum ist die Schau die logische Fortsetzung seiner Ausstellungen über das Rüstungszentrum Peenemünde, an dem ab 1936 an der Entwicklung der V2-Raketenwaffe geforscht worden war, wie der wissenschaftliche Leiter Philipp Aumann sagte. Am 2. Oktober 1942 gelang unter Wernher von Braun in der Heeresversuchsanstalt im Norden der Insel Usedom der weltweit erste Raketenstart ins All. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging von Braun in die USA, wo er später in der Nasa das Saturn-Raketenprogramm verantwortete.

Am 4. Oktober 1957 startete am Weltraumbahnhof Baikonur mit dem Sputnik der erste künstliche Trabant in eine Erdumlaufbahn. Der Satellit mit einem Durchmesser von 58 Zentimetern löste in der westlichen Welt den „Sputnikschock“ aus. Das Titelblatt der amerikanischen Pfadfinder-Zeitschrift „Scouting“ aus dem Folgejahr zeigt, wie der Schatten des Sputniks bedrohlich über einer amerikanischen Großstadt kreiste. Rückschläge und Unfälle seien von der sowjetischen Seite verschwiegen worden, so dass der Eindruck der technologisch überlegenen Russen entstand, sagte Römisch. Der Westen nutzte diesen Eindruck seinerseits, um Bedrohungsängste zu verstärken. Noch 1961 – kurz nach dem Gagarin-Flug – mobilisierte US-Präsident John F. Kennedy die Nation mit seiner Vision von der ersten Mondlandung eines Amerikaners noch in den 1960er-Jahren.

Das Blatt drehte sich tatsächlich erst im Dezember 1968, als mit Apollo 8 die erste bemannte Mondumrundung der Amerikaner gelang. Ein gutes halbes Jahr später betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Ökonomisch waren die Russen den Amerikanern unterlegen. Zudem habe es bis in die 1990er-Jahre hinein keine russische Raumfahrtagentur gegeben, in der die Programme gebündelt wurden, sagt Römisch. Erst der Fall des Eisernen Vorhangs machte den Weg für eine Zusammenarbeit von Russen und Amerikanern frei. Die Ausstellung endet mit der Internationalen Raumstation ISS.

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