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DAK-Gesundheitsbericht : Der Krankenschein-Rekord

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Fehlzeiten der Deutschen und der Streit über die möglichen Gründe für den Anstieg

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 21:00 Uhr

Neuer Höchststand bei den Krankenmeldungen in Deutschland: Eine Auswertung von Daten der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt jetzt, dass sich die Zahl der Fehltage im ersten Halbjahr 2016 erneut erhöht hat – unter anderem, weil es immer mehr psychisch bedingte Krankschreibungen gibt. Aber auch bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen gibt es einen deutlichen Anstieg. Angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt wird allerdings auch die Frage gestellt, ob sich die Zunahme der Krankenscheine auch anders erklären lässt. Bereits in der Vergangenheit haben Arbeitgeber die Erfahrung gemacht, dass Krankschreibungen in wirtschaftlich guten Zeiten zunehmen. Ein Überblick zur Debatte:

Die Zahlen

Die Krankschreibungen in Deutschland haben sich im ersten Halbjahr 2016 auf dem höchsten Wert seit rund 20 Jahren bewegt. Der Krankenstand lag bei 4,4 Prozent – 0,3 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2015. Mehr als jeder dritte Berufstätige wurde mindestens einmal krankgeschrieben. Bei jeder Erkrankung waren es im Schnitt 12,3 Fehltage.
Das ergibt eine Auswertung der Daten von 2,6 Millionen DAK-Versicherten. Zum
Vergleich: Im Jahr 1995 hatte der Krankenstand bei mehr als fünf Prozent gelegen.

Die Diagnosen

Mehr als die Hälfte aller Krankschreibungen gehen auf drei Krankheitsarten zurück. Am häufigsten waren Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Probleme. Jeder fünfte Fehltag geht auf Husten, Schnupfen und Heiserkeit zurück. 16 Prozent der Krankschreibungen, und damit etwas mehr als im Vorjahreszeitraum, waren mit psychischen Leiden begründet worden.

Betroffene Branchen

Besonders hoch war die Zahl der Fehltage nach DAK-Angaben zuletzt im Baugewerbe, in der Logistikbranche, in der Land- und Forstwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie in Teilen der öffentlichen Verwaltung. Im Gesundheitswesen gab es im vergangenen Jahr 18,4 Fehltage bei weiblichen Beschäftigten, bei Männern auf dem Bau waren es 17,1.

Psychische Probleme

Seelische Störungen und Erkrankungen gewinnen an Bedeutung. Arbeitnehmer mit Depressionen oder ähnlichen Diagnosen fehlten im ersten Halbjahr 2016 im Schnitt 35 Tage. Zum Vergleich: Bei Krebserkrankungen waren es 32 Tage. Bereits seit Längerem tobt der Expertenstreit darüber, ob der Anstieg der psychisch bedingten Fehltage durch Rationalisierung und höheren Arbeits- und Leistungsdruck bedingt ist. Die Entwicklung habe in erster Linie mit der „Entstigmatisierung und Enttabuisierung psychischer Störungen“, einem veränderten Patientenverhalten und einem verbesserten Diagnosewissen bei Ärzten zu tun, erklärte ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) gestern.

Ost-West-Unterschied

Beschäftigte in den neuen Bundesländern waren zuletzt häufiger und länger krankgeschrieben. Der Krankenstand im Osten lag bei 5,5 Prozent, im Westen waren es 4,2 Prozent. In den neuen Bundesländern wurden laut DAK 1000 Fehltage pro 100 Versicherte registriert, in den alten Ländern waren es dagegen 758. Ein Grund dürfte sein, dass Beschäftigte im Westen bei Bagatellerkrankungen zuerst einmal ohne Krankenschein zu Hause bleiben – Stichwort Karenztage.

Die Kosten

Die Ausgaben der Arbeitgeber für die Lohnfortzahlung in den ersten sechs Wochen nach der Krankschreibung beliefen sich im vergangenen Jahr auf knapp 45 Milliarden Euro. Die Aufwendungen der Kassen für das Krankengeld, das nach Auslaufen der Lohnfortzahlung fällig wird, betrugen 2015 rund elf Milliarden Euro.

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