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Spurensuche in Pilsen : Der goldene Gerstensaft feiert Jubiläum

vom
Aus der Onlineredaktion

Im tschechischen Pilsen wird noch Bier gebraut wie vor 175 Jahren

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Tief unter der Erde gärt das Bier. In den dunklen Bottichen aus Holz hat sich eine dicke Schaumschicht gebildet. Ein paar Schritte weiter im Brauereikeller strömt der fast fertige – noch ungefilterte – goldene Saft aus den Fässern. Rund 20 Meter unter dem tschechischen Pilsen (Plzen) wird das Bier noch so gebraut wie vor genau 175 Jahren.

Am 5. Oktober 1842 hatte der aus Vilshofen in Bayern stammende Braumeister Josef Groll in der westböhmischen Stadt den ersten Sud Pils hergestellt. Einer der Nachfolger Grolls ist Vaclav Berka, der Handels-Braumeister bei Plzenský Prazdroj, der Brauerei Pilsner, dem „Geburtsort“ des weltberühmten Bieres. „Es ist keine Kunst, eine Ladung Bier zu brauen, aber eine zweite Ladung zu brauen, die genauso schmeckt wie die erste, das ist eine Kunst“, sagt er.

Berka erzählt, wie es 1842 zum „Bier-Wunder“ von Pilsen kam. Jahrhundertelang hatten die Bürger obergäriges, trübes, dunkles Bier getrunken. Als die Qualität nicht mehr stimmte, schütteten sie das Bier aus, zerschlugen die Fässer und warfen den Brauer in einen Fluss. Einer der Ratsherren bekam den Auftrag, durch Europa zu reisen, um Know-how für Brauer zu sammeln.

In England entdeckte er eine neue Methode, um das Malz heller zu rösten. Aus Bayern brachte er Josef Groll mit, der untergärige Hefen verwendete, die sich in kühlen Kellergewölben am wohlsten fühlten. Hinzu kam das weiche Pilsner Wasser, das bis heute aus Brunnen in einer Tiefe von 100 Metern gewonnen wird. „Und das alles kombinierte Groll mit dem Saazer Hopfen, der ein herrliches Aroma hat“, sagt Berka. Heute machen Biere nach Pilsner Art zwei Drittel der Weltproduktion des Gerstensafts aus.

 

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