Phosphat-Streit : Der Döner ist vorerst gerettet!

In Brüssel eskalierte der Streit um Phosphat in Lebensmitteln

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30. November 2017, 21:00 Uhr

Aus einem Streit um Phosphat-Zusätze in tiefgefrorenen Lebensmitteln entwickelte sich gestern ein Krach um die Zukunft des Döner Kebab in Europa. Die gute Nachricht lautet: Der Drehspieß wird nicht abgeschafft – vorerst.

Ob der Wortwitz über den Döner, der angeblich schöner macht, demnächst um die Anmerkung „und krank“ ergänzt werden muss, ist noch nicht raus. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes hat jedenfalls erhebliche Zweifel. Denn tatsächlich enthalten die tiefgefrorenen Spieße, von denen jeden Tag rund 500 Tonnen in den EU-Mitgliedstaaten vertilgt werden, Phosphat, damit das Fleisch Wasser bindet und saftiger wird. Ohne diese Zusatzbehandlung würde der Döner beim Grillen am Spieß zerfallen und vor allem nicht gleichmäßig garen. Doch Phosphat steht im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beschleunigen. Deshalb hat die EU-Kommission schon vor langer Zeit Grenzwerte eingeführt, die allerdings nur für frisches (Döner-)Fleisch gelten, aber auch für Kasseler.

Es war also eine Rechtslücke, die die Brüsseler EU-Behörde schließen und auf tiefgefrorene Ware ausdehnen wollte. Doch im Umweltausschuss legten sich Sozialdemokraten und Grüne quer. „Wir wollen wissenschaftlich abgesichert sehen, dass keine Gefahr von diesen Zusatzstoffen ausgeht“, hieß es gestern von der Grünen-Europa-Fraktion. SPD-Fachfrau Susanne Melior lobte den Einsatz ihrer Fraktion, weil „Lebensmittelzusätze in tiefgefrorenem Fleisch nicht zugelassen werden dürfen, bevor die Ergebnisse aktuell laufender Studien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen vorliegen“.

Der Ausschuss beauftragte also die Europäische Lebensmittelaufsicht damit, bis Ende 2018 die bisher vorliegenden Untersuchungen zur Gesundheitsgefahr von Phosphat-Zusätzen in tiefgefrorenen Produkten zu sichten. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird sich Mitte Dezember mit dem Thema beschäftigen.
Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) von der christdemokratischen EVP-Mehrheitsfraktion verstand dagegen die ganze Aufregung nicht: „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft die Aufnahme von bis zu 4200 Milligramm Phosphat pro Tag als unbedenklich ein“, erklärte sie. „Eine Portion Döner enthält aber gerade mal 134 Milligramm.“ Zum Vergleich: Ein Glas Cola (0,3 Liter) kommt mit bis zu 210 Milligramm des Bindemittels daher. Der Döner ist also offenbar nur zu einem Symbol für die Frage geworden, ob dem Verbraucher auch künftig so viel Phosphat wie bisher zugemutet werden soll.

Die Dönerbranche bangt um ihren guten Ruf. Kenan Koyuncu, Vorsitzender des Bundesverbandes der Döner- und Drehspießhersteller Deutschland, erklärte jedenfalls: „Sofern sich der Einspruch des Europäischen Parlamentes durchsetzt, wäre dies das Todesurteil für die gesamte Döner-Industrie in Europa.“

Detlef Drewes berichtet für unsere Zeitung aus Brüssel



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