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Feiertage am Wochenende – Pro & Kontra : Den Feiertag nachholen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grünen und Linken fordern, Feiertage in Zukunft unter der Woche nachzuholen

Ausgerechnet der 1. Mai. Der Tag der Arbeit fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag und raubt der arbeitenden Bevölkerung einen freien Tag. Politiker von Grünen und Linken fordern deshalb, solche Feiertage in Zukunft unter der Woche nachzuholen. Betroffen wären neben dem ersten Mai vier Feiertage, die in ganz Deutschland gelten und nicht an einen Wochentag gebunden sind: Neujahr, Tag der Deutschen Einheit und die Weihnachtstage. Klasse Sache oder Schnapsidee?

 

Ja: Super Sache!

Was den deutschen Arbeitnehmern verwehrt wird, ist in anderen Ländern längst üblich. Ob Großbritannien, Belgien oder Spanien: Fallen Feiertage auf ein Wochenende oder einen Sonntag, werden sie nachgeholt - in der Regel am nächsten Montag. Die Briten machen für den „geklauten“ 1. Weihnachtstag (Sonntag), einfach am 27. Dezember frei. Luxemburg erlaubt seinen Unternehmen sogar, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen, sollte einer der zehn gesetzlich garantierten Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Sabine Zimmermann von der Linkspartei findet, dass Deutschland nachziehen sollte. „Es kann nicht sein, dass den Arbeitgebern regelmäßig zusätzliche Arbeitstage geschenkt werden, die eigentlich als bezahlte Feiertage den Beschäftigten zustehen“, sagte sie kürzlich der „Saarbrücker Zeitung“. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, hält vor allem das Nachholen des 1. Mai für wünschenswert: „Das hätte Charme. Dann haben Beschäftigte zum einen Zeit für die Kundgebung am Sonntag und können am freien Montag ihre Zeit der Familie widmen.“ Selbst mancher Wirtschaftsforscher findet die Idee nicht ganz abwegig. „Das ist nichts, was die deutsche Wirtschaft umbringen würde“, sagt Ferdinand Fichtner vom DIW in Berlin. „Natürlich dämpft das die Wirtschaft - aber man bekommt ja auch was dafür: mehr Freizeit.“ Für Fichtner letztendlich eine gesellschaftliche Entscheidung. Statt Feiertage nachzuholen und so alle Beschäftigten zu zwingen, am selben Tag frei zu machen, hält der Forscher aber zusätzliche Urlaubstage für sinnvoller. Die könne sich dann jeder frei einteilen.

Nein: Bloß nicht noch mehr frei!

Jeder Tag, an dem nicht gearbeitet wird, kostet die Wirtschaft richtig Geld. Wirtschaftsforscher Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft (iw) rechnet vor: Mehr als zehn Milliarden Euro beträgt die Wertschöpfung an einem Arbeitstag. Selbst wenn ein großer Teil davon später nachgeholt wird, kommt da schnell 0,1 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung zusammen. Fallen in einem Jahr viele Feiertage, die an ein festes Datum geknüpft sind, auf Arbeitstage, macht sich das deshalb auch in den Prognosen der Forscher zum Wirtschaftswachstum bemerkbar. Beispiel: In ihrer Frühjahrsprognose rechnet die Bundesregierung für 2017 mit 1,5 Prozent Wachstum – 0,3 Punkte weniger als noch im Herbst erwartet. Zur Begründung hatte Wirtschaftsminister Gabriel auch darauf verwiesen, dass 2017 zwei Arbeitstage weniger anfielen, was mit 0,2 Punkten weniger Wachstum zu Buche schlage.

Zudem sind die Deutschen, was Feiertage und Urlaub angeht, ohnehin ziemlich verwöhnt. „Wir haben mit die höchste Summe an Urlaubs- und Feiertagen weltweit“, sagt Schröder. Folglich liege die Gesamtarbeitszeit international betrachtet auf sehr niedrigem Niveau. Jetzt noch Feiertage vom Wochenende nachholen? „Es ist nicht angezeigt, solche Wohltaten zu verteilen.“

Andere stoßen sich vor allem daran, dass der Anlass des Feiertags in Vergessenheit gerät. Traditionell soll etwa der 1. Mai von den Beschäftigten genutzt werden, um Verbesserungen in der Arbeitswelt einzufordern. Die Diskussion um das Nachholen von Feiertagen zeigt für den CDU-Europaparlamentarier Herbert Reul: „Es geht also offenkundig gar nicht mehr um die Sache selbst und um das damit verbundene Anliegen, sondern nur darum, frei zu haben, weniger zu arbeiten.“ Das sei „oberflächlich und überhaupt nicht zeitgemäß.“

 

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