Neu im Kino : Deadpool 2: Ist Ryan Reynolds besser als in Teil 1?

<p>Deadpool 2: Zum zweiten Mal übernimmt Ryan Reynolds die Rolle des selbstironischsten aller Marvel-Superhelden. Foto: Foxfilms</p>

Deadpool 2: Zum zweiten Mal übernimmt Ryan Reynolds die Rolle des selbstironischsten aller Marvel-Superhelden. Foto: Foxfilms

Vor zwei Jahren machte „Deadpool“ Schluss mit dem jugendfreien Humor des Superhelden-Kinos. Hält „Deadpool 2“ das Niveau des ersten Teils?

svz.de von
15. Mai 2018, 19:05 Uhr

Am Donnerstag, 17. Mai, kommt "Deadpool 2" in die Kinos. Ryan Reynolds spielt wieder den Superhelden, der kein Held sein will. Auf dem Regiestuhl dagegen hat es einen Wechsel gegeben - hält der Flim von David Leitch mit dem ersten Teil mit?

„Deadpool“ – nicht jugendfrei, aber erfolgreich

„Dies ist ein Familienfilm.“ Als Deadpool (Ryan Reynolds) das zu Beginn dieser Fortsetzung behauptet, glaubt man noch an einen Witz. Zum einen, weil der unsterbliche Superheld sich gerade erst gesprengt hatte, um uns noch mit dem abgetrennten Arm den Mittelfinger zu zeigen. Zum anderen, weil das Markenzeichen der Reihe gerade darin besteht, nicht familientauglich zu sein. Normalerweise zielen hochbudgetierte Filme auf das große Publikum, was zuallererst eine Jugendfreigabe erfordert. „Deadpool“ (2016) peilte von Anfang an ein „R Rating“ an, bei dem Unter-17-Jährige nur mit den Eltern ins Kino dürfen. Das erlaubte dem Film mehr Gewalt und anstößige Witze und machte ihn zum Sensationserfolg: „Deadpool“ spielte das 13-Fache seiner Produktionskosten ein, ist mit Einnahmen von 780 Millionen Dollar der erfolgreichste Film seiner Altersklasse – und der Beweis dafür: Auch dieses Segment ist blockbustertauglich. (Rampage: Was taugt der Blockbuster mit Dwayne Johnson?)

Warum „Deadpool 2“ wirklich ein Familienfilm ist

Trotzdem ist die These vom Familienfilm nicht ganz falsch, zumindest thematisch: Noch vor dem Vorspann steigt Deadpool mit seiner Freundin Vanessa (Morena Baccarin) in die Familienplanung ein; und als tragische dem Kinderwunsch ein Ende setzen, besteht der Rest des Films darin, dem Helden Ersatzfamilien zu suchen. Seine Integration in das Super-Mutanten-Team der X-Men gehört genauso dazu wie sein Engagement für den Teenager Russell (Julian Dennison) alias Firefist – ein von den eigenen Superkräften gepeinigtes Kind, das Deadpool als eine Art Ziehsohn annimmt. Selbst der Antagonist wird von Vatergefühlen angetrieben: Der Zeitreisende Cable – nach seinem Auftritt als Thanos in „Avengers: Infinity War“ spielt Josh Brolin noch einmal den Schurken– kommt aus der Zukunft, um den Mord an seiner Familie zu verhindern. (Marvel ist unschlagbar: „Avengers: Infinity War“ dominiert die Kino-Charts)

<p>Deadpool 2: Als Cable spielt Josh Brolin den zweiten Marvel-Schurken in Folge. In 'Avengers: Infinity War' ist er derzeit noch als Thanos zu sehen. Foto: Foxfilms</p>

Deadpool 2: Als Cable spielt Josh Brolin den zweiten Marvel-Schurken in Folge. In "Avengers: Infinity War" ist er derzeit noch als Thanos zu sehen. Foto: Foxfilms

Bitte, lasst mich in Slow Motion sterben!

All das klingt, naja, ziemlich alltäglich in der Welt der Marvel-Comics. Familienkrach und Weltuntergang sind hier regelmäßig zwei Seiten einer Medaille. Der Unterschied: Deadpool weiß, dass er eine Filmfigur ist. Vor Action-Szenen kündigt er eine „massive CGI-Schlägerei“ an; wenn er ein Team aufbaut, dann ausdrücklich weil seine Filmreihe sich nur nur so über zwölf Jahre hält. Einen tödlichen Schuss kommentiert er mit dem Satz: „Bitte sagt mit, dass sie das in Slow Motion haben.“ Ein Abend mit Deadpool fühlt sich so an, als würde man den Stars und Autoren dabei zuhören, wie sie an der Bar ihr eigenes Genre veralbern.

Natürlich gibt es deshalb auch diesmal eine Titelsequenz, die alle Mitwirkenden als Klischees vorführt. Dass der Regisseur im ersten Teil noch als „überbezahltes Werkzeug“ avisiert wurde, bekommt nun einen bitteren Beigeschmack: Tim Miller, der mit „Deadpool“ als Debütant zum Regie-Star wurde, ist nämlich tatsächlich ersetzt worden, offenbar gab es Streit mit dem Hauptdarsteller und Ko-Produzenten Ryan Reynolds. Stattdessen wurde der Ex-Stuntman und „John Wick“-Erfinder David Leitch engagiert oder, um es mit dem „Deadpool“-Vorspann zu sagen, einer der Typen, die in „John Wick den Hund getötet haben“. Gipfel der Selbstironie sind permanente Anspielungen auf Hollywoods Gender- und Rassismus-Debatten – sowie ein Running Gag auf Kosten des Disney-Hits „Frozen“ – in dem die Sorge aller Beteiligten mitspielen dürfte, dass der Kinder-Unterhalter gerade dabei ist, den Konzern hinter „Deadpool“ aufzukaufen. Disney-Chef Bob Iger hat aber schon signalisiert, dass auch der nicht jugendfreie Humor unter ihm möglich sein soll.

„Logan“ oder „Deadpool“: Wer nutzt die Freiheit besser?

Dem konsequenten Illusionsbruch entspricht eine Entzauberung der Helden; und hier setzt die Fortsetzung noch einmal Maßstäbe: Am Anfang trägt die Hauptfigur Hausschuhe zum Stretch-Anzug, am Ende wachsen ihm abgetrennte Gliedmaßen als Babybeine nach, auf denen er, wie ein Einjähriger taumelnd, seine ersten Schritte macht. Und die Nebenfigur Peter, ein Superheld ohne Superkräfte, trägt vor dem Kampf Sonnecreme auf, denn: „Der Schurke hat nicht annähernd so viele Leute umgebracht wie Hautkrebs.“ Das alles ist unbestreitbar sehr komisch. Verspielt, oft brillant und gern postpubertär banalisieren Leitch und Reynolds die pompöse Welt der Superhelden – in der Selbstironie allerdings ohnehin kein Alleinstellungsmerkmal ist; komplizenhafter Humor gehört zum Markenkern der Marvel-Welt. Und auch der Verzicht auf die Jugendfreigabe hat inzwischen Schule gemacht: Der Wolverine-Film „Logan“ (2017), ebenfalls ein X-Men-Film außerhalb des Marvel Cinematic Universe, etablierte dabei einen völlig anderen Ton und nutzte seine Freiheiten für einen pessimistischen Blick auf die Gewalt. Im Vergleich ist das – trotz der erfreulichen Fantasie von „Deadpool“ – vielleicht sogar der interessantere Ansatz.

„Deadpool 2“. USA 2018. R: David Leitch. D: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Josh Brolin. 119 Minuten, ab 16 Jahren.

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