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Ein Foto schreibt Geschichte : Das Napalm-Mädchen von Vietnam

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1972 ging das Bild von Phan Thi Kim Phuc um die Welt und gab dem Schrecken des Krieges ein Gesicht. Laser sollen nun ihre Narben heilen

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Die ganze Welt kennt dieses Foto. Ein kleines Mädchen läuft nach einem Napalm-Angriff in Vietnam nackt und mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Kamera zu. Das Bild wurde zu einem Symbol des Vietnamkriegs. Phan Thi Kim Phuc (52) ist das Mädchen auf dem Foto. Seit 43 Jahren begleiten sie die Verletzungen und Narben von jenem Tag im Juni 1972.

Sie habe erkannt, dass sie diesem Foto niemals entkommen könne, sagt Phuc dem Sender CNN im August. „Also wollte ich mit diesem Foto für den Frieden arbeiten. Das ist meine Entscheidung.“ Als UN-Botschafterin und mit ihrer eigenen Stiftung setzt sie sich für Kinder aus Kriegsgebieten ein.

Auch ihre eigenen Schmerzen sollen nun gelindert werden. Mit einer Laser-Behandlung reduziert eine Spezialistin in Miami die Brandnarben. Erste Erfolge haben sich schon gezeigt, sagt Dr. Jill Waibel vom „Miami Dermatology & Laser Institute. „Wir können das Aussehen der Narben und auch die Beweglichkeit und den Bewegungsradius von Kim verbessern.“ Phuc kann sich wegen ihrer Narben nur eingeschränkt und unter Schmerzen bewegen.

Vereinfacht gesagt, erhitzt der Laser die Haut so stark, dass das Narbengewebe verdampft. Dabei entstehen winzige Wunden in der Haut. Das betroffene Gewebe kann sich so langsam regenerieren, Kollagen wird neu aufgebaut. Medikamente unterstützen dies. Kim habe ihr gesagt, dass sich die Narben schon weicher anfühlten, sagt Dr. Waibel. Die Behandlung soll noch sechs bis neun Monate fortgesetzt werden.

Ihre Patientin sei eine außergewöhnliche Frau, sagt Waibel, die die Behandlung kostenlos vornimmt. „Kim ist wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung jemand Besonderes, sie ist ein lebendes Symbol für den Krieg, und dafür, dass unschuldige Kinder in Zeiten des Krieges verletzt werden.“

Die Südvietnamesische Armee hatte damals fälschlicherweise Phucs Dorf mit Napalm beschossen. Die zähflüssige Brandwaffe klebt am Ziel – auch an menschlicher Haut. Viele Opfer überlebten dies nicht. Phuc, die auf der Hälfte ihres Körpers Verbrennungen dritten Grades erlitt, hat überlebt. 14 Monate lang war sie in einem Krankenhaus in Saigon, in den folgenden Jahren musste sie unzählige Operationen durchstehen. Von den kommunistischen Machthabern Vietnams wurde sie zu Propagandazwecken benutzt, auch sie hatten die Macht dieses eindringlichen Fotos erkannt.

Nick Ut war jener Mann, der damals auf den Auslöser seiner Kamera drückte. „Ich wusste sofort, ich muss dieses Bild der Welt zeigen“, sagt er. „Ich wollte allen zeigen, wie schrecklich Krieg ist.“ Er erinnere sich noch deutlich an jene Momente erzählt Ut. Die Explosion, der Rauch. „Wir dachten, da sei niemand, aber dann sahen wir Menschen durch den Rauch laufen.“ Er konnte es kaum fassen: „Ich erinnere mich, wie furchtbar die Verbrennungen waren und wie schlimm es war, die sterbenden Babys zu sehen.“

Der Fotograf kippte Wasser über das Mädchen und brachte es in ein Krankenhaus. Das Foto brachte ihm den Pulitzer-Preis, aber auch eine bis heute andauernde Verbindung zu Phuc, die seit 1990 in Kanada lebt. Dorthin ist sie mit ihrem Mann geflüchtet.

„Wir blieben über die ganzen Jahre hinweg in Kontakt. Ich bin ein enger Freund und wie ein großer Bruder“, sagt Ut (64), der auch als Sprecher von Phuc fungiert. Gemeinsam sind sie auch für die Stiftung des „Napalm-Mädchens“ aktiv. Kein Kind solle jemals ihr Schicksal erleiden, dafür setzt sich Phuc ein. „Sie beschwert sich niemals, trotz der dauernden Schmerzen. Sie ist ein Engel“, schwärmt Ut.

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