Linkshändertag : Das mache ich doch mit links!

Jimi Hendrix war Linkshänder.

Jimi Hendrix war Linkshänder.

Am 13. August ist Internationaler Linkshändertag: Wir klären die größten Irrtümer über Linkshänder auf.

von
09. August 2015, 09:00 Uhr

Mit einem Korkenzieher für Linkshänder eine Flasche Wein öffnen? Das ist nicht nur ungewohnt, sondern auch gar nicht so einfach. Genau so aber mühen sich Linkshänder Tag für Tag von Neuem in unserer Rechtshänderwelt ab. Vom Dosenöffner über den Saucenlöffel bis hin zur Nagelschere: Alles ist auf den Gebrauch mit der rechten Hand abgestimmt, mal eben schnell mit links kann man vieles eben gerade nicht machen. Aber nicht nur das, bis zum heutigen Tag haben sich viele Vorurteile bzw. Irrtümer über Linkshänder gehalten. Zeit also, diese aufzuklären.

Linkshänder sollten zu Rechtshändern umgeschult werden: Auf gar keinen Fall. Früher war es üblich, Kindern, die Linkshänder waren, die linke Hand auf dem Rücken fest zu binden, um sie zum Gebrauch der rechten Hand zu zwingen. Heute ist sich die Wissenschaft einig: Es ist sogar schädlich, Linkshänder zu Rechtshändern machen zu wollen. Verschiedenste Beeinträchtigungen können die Folge sein, von Konzentrationsschwäche und Stottern über Legasthenie bis hin zu Minderwertigkeitsgefühlen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich umgeschulte Linkshänder wieder rückschulen lassen. Hier sollte man aber unbedingt den Fachmann befragen, denn auch hier kann es durchaus zu Schwierigkeiten kommen.

Linkshänder sterben früher als Rechtshänder: Dieser Irrtum geht auf den Psychologen Stanley Coren zurück, der mit seinen Forschungen nicht nur in der wissenschaftlichen Welt für reichlich Aufregung gesorgt hat. In einer vielbeachteten Studie hat er die Verwandten kürzlich Verstobener befragt, ob ihr verblichener Angehöriger Links- oder Rechtshänder gewesen sei. Das Ergebnis der Nachforschungen: Linkshänder sterben im Schnitt 9 Jahre jünger als Rechtshänder. Was Coren bei seinen Foschungen allerdings übersah, ist, dass Linkshänder früher noch umerzogen wurden zu Rechtshändern, was heute aber meist nicht mehr der Fall ist. Mit anderen Worten: Unter den älteren Verstorbenen konnten sich also gar nicht viele Linkshänder befinden, da diese in ihrer Jugend ja noch zum Rechtshänder umgeschult worden waren.

Linkshändigkeit findet sich nur beim Menschen, aber nicht in der Tierwelt: Auch das ist wieder ein Irrtum. Es stimmt zwar, dass Schnecken mit linksgängigem Schneckenhaus derart selten sind, dass sie im Volksmund sogar „Schneckenkönig“ genannt werden, mit der generellen Bevorzugung einer bestimmten Seite durch die Natur hat das aber rein gar nichts zu tun. Vielmehr weiß jeder Tierbesitzer, dass sein Mehrbeiner zu Hause eine Lieblingspfote hat und spätestens in der Hundeschule wird klar: bei einigen ist es eine rechte, bei anderen aber auch eine linke. Viele Papageien sind Linksfüßer und eine Reihe von Huftieren, wie Pferde und Zebras ebenfalls. Winkerkrabben, die auf einer Seite eine extrem vergrößerte Schere tragen, weisen dieses Merkmal rechts ebenso wie auch links auf.

Linkshändigkeit ist ein Merkmal der Degeneration: Das findet der italienische Kriminologe Cesare Lombroso im 19. Jahrhundert und sogar noch Mitte des 20. Jahrhunderts sind Psychologen wie Abram Blau der Ansicht: „Linkshändigkeit wird verursacht durch angeborenes Gebrechen, durch falsche Erziehung und emotionalen Negativismus. Sie ist ein neurotisches Symptom und ein Zeichen einer infantilen Psychoneurose.“ Beide stehen mit ihrer Meinung durchaus in einer langen Tradition, nichtsdestotrotz ist das Ganze natürlich Quatsch. Neben dem gesunden Menschenverstand bestätigt dies eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien zu dem Thema. So verwundert es natürlich auch nicht weiter, dass unter den Menschen, die Herausragendes geleistet haben, viele Linkshänder sind, so wie Isaac Newton, Leonardo da Vinci, Mark Twain, Jimi Hendrix (Foto) und Monika Seles.

Linkshänder haben heutzutage doch keinerlei Nachteile mehr: Das ist leider falsch. Viele Gebrauchsgegenstände des alltäglichen Lebens sind auf Rechtshänder abgestimmt und erschweren Linkshändern die Verwendung oft deutlich. Von der Schere bis zur Armbanduhr gibt es sehr wohl auch heute noch viele Hürden. Mittlerweile gibt es spezielle Linkshändergeschäfte, in denen sich Menschen mit einer dominanten linken Hand mit den passenden Utensilien eindecken können. Aber auch die Sprache ist nicht wirklich objektiv. So sind es ja vor allem die einfachen, anspruchslosen Dinge, die man „mal eben mit links macht“. Gelingt etwas nicht, so hat man „zwei linke Hände“ oder ist mit dem „linken Fuß zuerst aufgestanden“. Manche Leute sind auch „linkisch“ oder gar ein „ganz linker Vogel“. Diese lässt man dann besser „links liegen“.

Um auf all diese Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, hat Dean R. Campbell den 13. August zum Internationalen Linkshändertag ausgerufen. Seit 1976 finden an diesem Tag nun regelmäßig Informationsveranstaltungen, wie auch Linkshändersportturniere statt.

Linkshänder zu sein hat nur Nachteile: Ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Vor allem im Sport sind viele Linkshänder im Vorteil, weil ihr Gegenüber ganz einfach nicht damit rechnet, dass der Ball nun plötzlich mit der linken Hand geworfen wird. Aber auch linkshändige Boxer, Baseball- und Tennisspieler sind oftmals gefürchtet. Vorteile kann die bevorzugte Benutzung der linken Hand auch beim Tippen an der Computertastatur bringen, befinden sich doch besonders häufige Buchstaben E, S, R, A, D, T auf der linken Seite der Tastatur. Oft fällt Linkshändern auch das Lesen und Schreiben von Spiegelschrift leichter, wobei sich der Nutzwert hier nicht unbedingt aufdrängt.

Anders war es früher einmal: Linkshänder hatten nämlich einen großen Vorteil, wenn es darum ging, Burgen einzunehmen. Da die Verteidiger wie die meisten Menschen in der Regel Rechtshänder waren, ließen sie in die Burgtürme Wendeltreppen einbauen, deren Stufen sich im Uhrzeigersinn in die Höhe schraubten. Der Vorteil dabei: Die schwertführende Hand des verteidigenden Burherren, also die Rechte, hatte ausreichend Bewegungsspielraum in dem sehr engen Treppengang. Der Angreifer hingegen, der ja meist ebenfalls Rechtshänder war, wurde durch den zentralen Stützpfeiler, um den sich die Treppe dreht, stark behindert. Die Burgtürme ließen sich so besser verteidigen als angreifen – es sei denn, der Angreifer war Linkshänder. Was aber, wenn der Burgherr selbst Linkshänder war? Im schottischen Ferniehurst Castle, dem Sitz des Clans der Kerrs, wendeln sich die Treppen genau aus dem Grund entgegen dem Uhrzeigersinn. Bis zum heutigen Tage hat sich im englischen Sprachraum für „linkshändig“ der Begriff „kerr-handed“ erhalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen