Nach Germanwings-Absturz : Das große Warum

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Nach dem Germanwings-Absturz sollen die Angehörigen der Opfer mit ihrem Schmerz nicht allein gelassen werden. Dazu gehört es auch, so schnell wie möglich zu klären: Wie konnte es passieren? Und: Kann es sich wiederholen?

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25. März 2015, 21:10 Uhr

Warum genau ist das Flugzeug abgestürzt? Es kursieren Spekulationen über ein eingerissenes Cockpit-Fenster. Die Piloten könnten dadurch möglicherweise erfroren oder erstickt sein, heißt es. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) betont: „Bisher verbietet es sich, Spekulationen anzustellen.“ Die Wrackteile der Maschine seien über eine breite Fläche in einer Gebirgsfalte verteilt, berichtet Dobrindt. „Das größte Teil, was identifizierbar war, war ein Bordwandteil, das den Umfang von drei Flugzeugfenstern umfasst“, schilderte er seine Eindrücke. „Es ist ein erschreckendes Bild.“

In Paris werten Experten den Stimmenrekorder aus dem Cockpit aus. Er ist stark beschädigt, aber wohl brauchbar. Die französische Untersuchungsbehörde BEA hat auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber sicherstellen können, hieß es gestern Abend. Es sei aber noch nicht möglich, die geringste Erklärung für den Absturz zu geben.

In ihrem letzten Kontakt hätten die Piloten des Airbus 320 eine Routine-Mitteilung gemacht. Vorrang habe neben der weiteren Auswertung jetzt, dass der zweite Flugschreiber gefunden werde, erklärte BEA. Er sei in dem schwer zugänglichen Gelände noch nicht lokalisiert worden.


„Wir sind hier im Hochgebirge“


Sicher ist bisher nur: In den letzten Minuten vor dem Zerschellen verlor das Flugzeug dramatisch an Höhe – fast 10  000 Meter sank der Airbus A320 in wenigen Minuten in die Tiefe. Mitarbeiter der französischen Flugüberwachung bemühten sich vergeblich um Funkkontakt. Anwohner haben den rapiden Sinkflug gesehen. Einer sagt im Fernsehen: „Ich wusste gleich, dass das nicht gutgehen kann bei den hohen Bergen!“

Der Zugang zum Absturzort ist extrem schwierig. Das Gelände ist unwegsam. „Wir sind hier im Hochgebirge“, sagt Polizeichef David Galtier. Er koordiniert die mehr als 500 Einsatzkräfte. In der Nacht hat es geschneit. Das dürfte die Suche zusätzlich erschweren. Am Unfallort gab es am Vorabend noch rauchende Trümmerteile. „Man muss mit äußerster Vorsicht vorgehen“, sagt Galtier. „Das Wichtigste ist, das Gebiet abzusichern und die Leichen zu bergen.“

Am Dienstagabend waren rund 50 Spezialkräfte zu Fuß von Seyne gestartet, um zur Unglücksstelle vorzudringen. Von der Siedlung Vernet aus ist das selbst für geübte Bergwanderer ein Weg von vier Stunden. Über Nacht biwakierten sie im Freien – bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt.

„Spekulationen und Mutmaßungen zu möglichen Unfallursachen sollten unterbleiben“, mahnte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Es gebe keine belastbaren Hinweise darauf, „dass die Ursache des Absturzes absichtlich durch Dritte gesetzt wurde“, erklärt der CDU-Politiker, so dass man weiter nicht von einem Terroranschlag ausgehe.

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