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Klaus Störtebeker : Das Ende eines großen Seeräubers

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vieles im Leben Klaus Störtebekers bleibt rätselhaft – und eine ganz besondere Legende rankt sich um seinen Tod. Dem berühmtesten deutschen Piraten auf der Spur

Piratenkapitän Klaus Störtebeker ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Man sagt, er könne Hufeisen mit den bloßen Händen gerade biegen, einen Bierkrug, der ganze vier Liter fasst, in einem einzigen Zug leeren. Seine Trinkfestigkeit bringt ihm auch den Namen ein: „Stürz den Becher“ – „Störtebeker“. Getreu dem Motto „Gottes Freund – Aller Welt Feind“ verbreitet er mit dem Piratenschiff „Roter Teufel“ im gesamten Norden Angst und Schrecken. Im Jahre 1400 dreht sich allerdings der Wind. Seine einflussreichen Freunde kehren ihm den Rücken. Sein ärgster Feind, die Hanse, lässt ihn auf allen Meeren mit einer ganzen Flotte bewaffneter Schiffe jagen – allen voran das neue Superkriegsschiff „Bunte Kuh von Flandern“. Eigentlich haben er und seine Männer keine Chance – eigentlich. In der Vergangenheit hat Störtebeker es aber immer wieder geschafft, seine Feinde gegeneinander auszuspielen und im entscheidenden Moment einen Trumpf aus dem Ärmel zu ziehen.

Einige Historiker gehen davon aus, dass sein Name als „Nicolao Stortebeker“ erstmals 1380 im „Verfestungsbuch“ der Stadt Wismar im Zusammenhang mit einer Schlägerei auftaucht. Andere Forscher sind der Ansicht, „Nicolao“ und „Klaus“ seien zwei verschiedene Personen. Wie dem auch sei: Die Spur dieses Nicolao verliert sich gleich wieder im Dunkel der Geschichte. In den Jahren 1389 bis 1392 taucht der Name „Störtebeker“ dann erneut auf. Um die Thronnachfolge des dänischen Königs Waldemars IV. ist ein blutiger Krieg entbrannt. Der schwedische König Albrecht von Mecklenburg und sein Sohn Erik geraten in Gefangenschaft. Ganz Schweden ist von dänischen und verbündeten Truppen besetzt. Nur Stockholm leistet noch erbitterten Widerstand. Dänische Schiffe haben eine eiserne Seeblockade errichtet und schneiden die belagerte Stadt so von der Lebensmittelversorgung ab. Wenn Stockholm schon nicht gestürmt werden kann, so soll es doch verhungern. Die Verwandten König Albrechts, die Herzöge von Mecklenburg in Rostock und Wismar, heuern nun allerorts besonders mutige Seeleute an, die die Blockade durchbrechen sollen und Stockholm weiter mit Lebensmittel versorgen. Diese verwegenen Männer nennen sich „Vitalienbrüder“ („Viktualien“ sind nicht anderes als „Lebensmittel“), unter ihnen Klaus Störtebeker. Aber nicht nur die Seeblockade ist Ziel der Vitalienbrüder, auch die Schiffe des mit Dänemark befreundeten Lübecks stehen im wahrsten Sinne des Wortes mit auf der Abschussliste. In den 1390er Jahren werden die Vitalienbrüder so mehr und mehr zu Seeräubern. Ab 1392 errichten sie ihre Operationsbasis auf der Insel Gotland, die sie, immer zahlreicher werdend, 1394 ganz übernehmen. Nun sind sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt und setzen dem Seehandel im Norden schwer zu. Aber das Blatt wendet sich: 1398 müssen sie vor der Armada des Deutschen Ordens, die aus 84 Schiffen und 4000 Mann besteht, von Gotland fliehen. Die meisten Hansestädte und Dänemark erklären ihnen den Krieg. Viele Vitalienbrüder fliehen in alle Himmelsrichtungen. Nur ein harter Kern bleibt übrig, der sich fortan „Likedeeler“ nennt, was soviel bedeutet wie „Gleichteiler“, denn die Beute teilen die Piraten gleichberechtigt untereinander auf. Sie überfallen englische, dänische, schwedische und deutsche Schiffe, erbeuten große Reichtümer. Unterschlupf finden sie beim Friesenhäuptling Keno II. tom Brok, dessen Tochter Klaus Störtebeker heiratet. Ihr Hauptstützpunkt ist von nun an die Kirche St. Marien in Marienhafe im Brookmerland, das zu dieser Zeit einen direkten Zugang zum Meer hat. Das Versteck ist gut gewählt. Die Kirche hat meterdicke Mauern und der befestigte Kirchvorplatz ist direkt mit dem Schiff erreichbar. Bei Niedrigwasser ist Marienhafe von See aus uneinnehmbar – für Uneingeweihte. Die Piraten aber wissen: Das Dach des fast 80 Meter hohen Kirchturms und alle Dächer der drei Kirchenschiffe sind auf der Nordseite mit Kupfer beschlagen und auf der Südseite mit Schiefer. Weiß man dies, so lassen sich Schiffe exakt durch die verbliebenen sehr engen, aber ausreichend wasserführenden Priele navigieren. Sollte es feindlichen Soldaten aber doch einmal gelingen, die Kirche zu erreichen, so will Störtebeker mehrere schwere Steinkugeln mit einem Durchmesser von ca. fünfzig Zentimetern die steile, sehr enge Treppe des hohen Turms herabrollen lassen. So trickreich die Likedeeler aber auch sind, sie haben sich mit der Hanse einen mächtigen Feind geschaffen. Am 23. Mai des Jahres 1400 wird Keno II. tom Brok gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, den Likedeelern keinen Unterschlupf mehr zu gewähren. Die Piraten flüchten nun zu Herzog Albrecht I. von Holland, der am 15. 8. 1400 beurkundet, dass er 114 Likedeeler, unter ihnen acht Hauptleute, u.a. Störtebeker, unter seinen Schutz stellt. Aber es hilft alles nichts: Einige Monate später kommt es vor Helgoland zum alles entscheidenden Seegefecht zwischen Störtebekers schnellem, aber relativ kleinen „Roten Teufel“ und einer ganzen Flotte bewaffneter Schiffe, allen voran die hochgerüstete „Bunte Kuh von Flandern“. Glaubt man der Legende, so hat ein hinterhältiger Verräter flüssiges Blei in die Ruderanlage Störtebekers „Roten Teufels“ gekippt und das Schiff so manövrierunfähig gemacht. Historische Belege gibt es dafür nicht. Die unterlegenen Piraten verlieren das Gefecht, werden gefangen genommen und nach Hamburg gebracht. Kurze Zeit später trifft das gleiche Los den damals sehr bekannten Piratenanführer Godeke Michels. Der Legende nach verspricht Störtebeker dem Rat der Stadt Hamburg eine goldene Kette für seine Freilassung, die so lang ist, dass sie die gesamte Stadt umspannen kann. Der Rat lehnt aber ab und lässt Klaus Störtebeker zusammen mit mehreren Dutzend seiner Männern Ende Oktober 1401 auf dem Grasbrook enthaupten. Die Legende will es so, dass Störtebeker jetzt noch einen letzten großen Coup landet: Mit abgeschlagenem Kopf will er an seinen Männern vorbeilaufen, und diejenige, die er so noch erreichen könne, sollen begnadigt werden. Der Bürgermeister der Stadt Hamburg willigt ein. Erst der Henker kann Störtebekers Lauf stoppen, indem er dem Geköpften den Richtblock vor die Füße wirft und dieser stolpert. So die Legende. Historische Belege gibt es auch hier nicht.

Lediglich die Rechnung für die Hinrichtungskosten findet sich in den Archiven noch. Neben dieser Legende hat vor allem die Suche nach dem Schatz des Störtebekers die Zeit überdauert. Ist er vielleicht im Turm der Kirche St. Marien in Marienhafe versteckt oder doch eher auf Gotland, Helgoland oder Rügen?

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