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Illegale Knaller : Damit die Silvesterfeier nicht explosiv wird

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn illegale Knaller und Raketen gezündet werden, wird es lebensgefährlich. Experten geben Rat, wie Sie illegale Pyrotechnik erkennen.

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 09:00 Uhr

Silvester ohne Feuerwerk – für viele Menschen ist das ungefähr so prickelnd wie Sekt ohne Kohlensäure. Böller und Raketen gehören zum Jahreswechsel einfach dazu, wie Wunderkerzen und Bleigießen. Krachen soll es, und zwar ordentlich. Und so erwartet die Branche für Feuerwerksartikel auch in diesem Jahr – wie schon 2014 – einen Umsatz von rund 125 Millionen Euro.

Gleichzeitig versetzen erschreckende Meldungen die Feuerwehren und Rettungsdienste in Alarmbereitschaft: Immer wieder kommt es in den letzten Wochen des Jahres zu Unfällen mit Schwerverletzten, sogar Toten – verursacht durch den Umgang mit illegalen Feuerwerkskörpern.


Unberechenbare „Polen-Böller“


Entsprechend eindringlich warnen Experten daher davor, Böller „Marke Eigenbau“ herzustellen oder illegal eingeführte Feuerwerkskörper abzubrennen. „Wir können jedem nur raten, die Finger von illegalen Produkten zu lassen“, sagt Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI). Solche Silvesterknaller, die – meist in Osteuropa oder Asien hergestellt – über die deutsch-polnische Grenze eingeschmuggelt werden, könnten verheerende Wirkung haben. Anders als in Deutschland zugelassene Pyrotechnik enthielten die oft mangelhaft verarbeiteten „Polen-Böller“ statt Schwarzpulvers Metallpulver, mitunter sogar industriellen Sprengstoff.

Die größte Gefahr gehe jedoch von der geringen – oder gar nicht vorhandenen – Verzögerungszeit aus: „Solche Böller können schon in der Hand losgehen“, sagt Gotzen. „Dann kann es sein, dass Sie die Hand hinterher nicht mehr haben.“ Verletzungsgefahr bergen auch die Verschlüsse aus Gipspfropfen, die im schlimmsten Fall wie tödliche Geschosse wirken können.


Auf Gütesiegel achten


Gefahren, denen sich niemand aussetzen müsse, betont der Verbandschef. Wer seine Knaller im Supermarkt oder in Fachmärkten kaufe, sei „100-prozentig auf der sicheren Seite“. Verlässliche Gütesiegel dafür seien das Zeichen der BAM (Bundesanstalt für Materialprüfung) sowie die CE-Kennzeichnung, die garantiert, dass das Produkt den Anforderungen der EU entspricht. Gotzen: „Jeder Feuerwerksartikel, der auf dem deutschen Markt zugelassen ist, trägt eine Prüfnummer der BAM oder das CE-Zeichen plus BAM-Identifikationsnummer.“

Diese Siegel könnten unter Umständen jedoch auch gefälscht sein (siehe Infokasten links). Darum sollten Verbraucher unbedingt auch auf eine deutsche Gebrauchsanweisung in korrekter Rechtschreibung achten, über die illegale Produkte nicht verfügten. Absolut nicht zu empfehlen sei der Kauf im Ausland, bei Straßenhändlern und auf Flohmärkten.


Vorsicht beim Online-Kauf


Auch beim Knaller-Kauf im Internet ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Die Herkunft kann verschleiert, die Zulassung in Deutschland nicht gegeben sein. Neben der Gefahr, sich oder andere zu verletzen, mache sich jeder, der im Besitz illegaler Pyrotechnik sei – und damit gegen das Sprengstoffgesetz verstoße – außerdem strafbar. Bei erheblichen Sachschäden oder schon bei konkreter Gesundheitsgefahr können solche Taten als Verbrechenstatbestand geahndet werden.

Jedes Jahr stellen Zoll und Landeskriminalämter illegale Pyrotechnik und Grundstoffe zur Herstellung von Explosivstoffen im Wert von vielen Zehntausend Euro sicher. Ein Beispiel: Beamte des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder) beschlagnahmten allein im Oktober und November dieses Jahres mehr als 30  000 Knaller und Raketen. Den Feuerwerkskörpern fehlte das in Deutschland erforderliche Prüfkennzeichen. Dabei handelte es sich zumeist um Erzeugnisse, die nur an Fachleute mit besonderer Befugnis, wie Feuerwerker, verkauft werden dürfen. Die Böller stammen aus Polen, wo sie das gesamte Jahr über verkauft werden. Wer mit diesen nicht zugelassenen Waren erwischt wird, muss mit einem Strafverfahren rechnen. Es drohen eine Geldstrafe sowie bei schweren Verstößen bis zu drei Jahre Haft. Und: Der Beschuldigte muss auch die Vernichtung des Schmuggelgutes bezahlen.


Sicher und streitfrei feiern


Auch wenn die Regeln an Silvester etwas lockerer sind, sollte man Rücksicht auf die Mitmenschen – insbesondere Nachbarn – nehmen. Beim Abfeuern von Raketen müssen Fehlschläge immer einkalkuliert werden, sowie die Gefahr, dass Menschen, Außenfassaden oder Nachbarwohnungen getroffen werden. Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Berlin-Mitte dürfen deshalb keine Raketen auf dem Balkon oder der Terrasse angezündet werden. Wichtig für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern: „Es muss ein Platz gewählt werden, von dem aus fehlgehende Raketen aller Voraussicht nach keinen Schaden anrichten können“, sagt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund. Also besser die Raketen auf der Straße abfeuern? An sich eine gute Idee. Doch auch hier gibt es klare Vorgaben: So dürfen pyrotechnische Gegenstände nicht in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern oder Altersheimen gezündet werden. So steht es in der Strengstoff-Verordnung. Auch direkt neben brandempfindlichen Gebäuden wie Reet- und Fachwerkhäusern ist es verboten, sie zu starten (siehe Info-Kasten rechts).

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