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Modelabel in der Kritik : „Bumseshirt“ und „Supapimmel“ - ist Naketano frauenfeindlich?

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Eigentlich steht das Essener Modelabel „Naketano“ für gemütliche Streetwear und Pullover mit besonders großen Kragen. Doch derzeit wird nicht über die Mode des Labels diskutiert – sondern über die äußerst ungewöhnlichen Produktnamen.

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erstellt am 31.Jan.2017 | 09:32 Uhr

Haben Sie Ihrem Mann zu Weihnachten einen „Supapimmel“ geschenkt? Und sich selbst vielleicht die „Glitzermuschi II“ in „lecker blau melange“ gegönnt? Dann haben Sie vermutlich sehr unauffällige Hoodies ohne Aufdruck gekauft, in denen Sie niemandem im Büro negativ auffallen werden. Denn die seltsamen Namen der Mode von Naketano fällt nur dem Käufer auf. Und oft nicht einmal dem.

Einige Modeketten hätten sich laut einem Artikel der taz bereits dazu entschieden, die sehr beliebte „vegane Ökomode“ ohne die Artikelbezeichnung zum Verkauf anzubieten. Das ist so allerdings nicht ganz richtig. „In unseren Häusern verzichten wir grundsätzlich auf die Nennung eines Modellnamens auf den Schildern“, heißt es von Peek & Cloppenburg. Mit der Anzüglichkeit der Namen habe dies nichts zu tun.

 

Sprechen generell nicht mit der Presse

Gerne hätten wir gewusst, wer sich Namen wie „Hosenpuper“, „The Supa Schniedels II Opa“, „Wir sind Kanacken, ja“ oder „Spreiz mal mit Gemütlichkeit“ ausgedacht hat. Nach mehreren Versuchen, bei Naketano jemanden zu erreichen und unser Anliegen zu schildern, landen wir bei einer jungen Dame, die uns sagt, dass die Geschäftsführer Jozo Lonac und Sascha Peljhan selbst dafür verantwortlich seien. Ob wir denn schon eine E-Mail an die allgemeine Info-Adresse geschrieben hätten? Haben wir. Mehrfach. „Ja, dann wird sich sicher jemand bei Ihnen melden.“ Von wegen. E-Mails und Anrufe werden ignoriert. Was uns trötstet: Auch mit der taz wollte niemand über die Produktnamen sprechen, „Mit der Presse spreche man generell nicht“, heißt es in dem Artikel.

 

Die einzige Stellungnahme findet sich auf der Homepage: „Es soll sich durch unsere Produktnamen niemand vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit.“

Auf mehreren Ebenen frauenfeindlich

Gerne hätten wir auch gewusst, ob es schon Beschwerden von den Kunden gegeben hat. Im Internet finden die sich nämlich durchaus. In einem Forum wird darüber spekuliert, ob der Shop gehackt wurde, aber es gibt auch Fans. Auf Facebook schwärmen Kunden: „Ich liebe die Namen eurer Produkte und natürlich die Hoodies!“

Birte Vogel betreibt einen Blog über Frauen in Sprache, Medien und Gesellschaft. Als wir sie zu Naketano befragen, findet sie deutliche Worte: „Die Produktbezeichnungen sind auf mehreren Ebenen frauenfeindlich. Zum Beispiel sind die Seiten bei vielen Namen klar verteilt: Die Männerkleidung heißt ‚Supapimmel‘ oder ‚Hengst‘, die Frauenkleidung heißt ‚Blasinstrument‘“, ‚Dreisisch Euro swansisch Minut‘. Männer als Macher, Frauen als die den Männern Dienende und von ihnen Abhängige. Diese spätpubertärpornografische Vorstellung von Machtverteilung zementiert sexistische Ansichten und Handlungen, die bis heute zum Nachteil der Frauen sind. Das Label mag auf einen Provokationseffekt setzen, aber es handelt einfach nur unverantwortlich und -eben – spätpubertär.“

Sexismus in der Mode

Birte Vogel hat sich bereits mehrfach mit dem Thema Sexismus in der Mode auseinandergesetzt. Denn Naketano ist ja nicht das erste Label, das vermeintlich witzig provozieren will. Gegen das „In Mathe bin ich Deko“-T-Shirt erntete der Otto-Versand vor ein paar Jahren einen regelrechten Shitstorm. Auch die französische Modemarke „Boom Bap“ druckte provokante Sprüche auf ihre Produkte und brachte damit die Aktivisten von „Pink Stinks“ gegen sich auf.

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