Im Kino und bald auf Amazon : „Brittany Runs a Marathon“: Mehr als dick und lustig

Lustig: Jillian Bell in 'Brittany Runs a Marathon'.
Lustig: Jillian Bell in "Brittany Runs a Marathon".

42 Kilometer zum Ich: Die Mutmacher-Komödie „Brittany Runs a Marathon“ startet im Kino und bald auf Amazon.

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23. Oktober 2019, 12:22 Uhr

Berlin | Eigentlich geht Brittany nur zum Arzt, um sich unter einem Vorwand Amphetamine verschreiben zu lassen. Die braucht sie, um sich auf miesen Partys abzuschießen. Der Arzt verweigert das Rezept und rät ihr, erstmal abzunehmen. Brittany kontert mit der Botschaft, dass jeder Körper schön ist – auch ein dicker. Ins Nachdenken kommt sie erst, als die Tiertötungsstation ihr einen Hund verweigert, weil er eingeschläfert immer noch besser dran sei als in ihrem viel zu trägen Leben.


Ob Brittany das nur als Witz behauptet, ist nicht ganz klar. Zu ihren Stärken gehört ein Humor, für den sie zu Recht geliebt wird. Als lustige Dicke ist Brittany sozial bestens etabliert. Und gerade das ist ihr Problem: Rollenzuschreibungen sind eben nicht nur „eng“, wie es immer heißt. In seiner Nische kann man es sich auch auf eine fatale Weise bequem machen. Als Brittany diese Einsicht dämmert, folgt sie dem guten Rat, joggt einmal keuchend um den Block, dann ein zweites Mal – und beschließt, binnen Jahresfrist den New York Marathon zu laufen.

Jillian Bell ist superlustig

„Brittany Runs a Marathon“ erzählt von einer Frau, die selbstgeschaffene Grenzen sprengt. Mit den neuen Zielen kommen neue Menschen in ihre Leben. Die Mitbewohnerin, die Brittany bis dahin für ihre beste Freundin hielt, erweist sich dagegen als Bremsklotz. Die wünscht sich, dass alles bleibt wie es war – auch weil sie selbst sich an der Seite einer Übergewichtigen für was Besseres halten kann. Freunde, die einander im Weg stehen, Dicke, die andere Dicke mobben: Zu den Stärken von Paul Downs Colaizzos Regie-Debüt gehört die Ambivalenz, in der sich Schuldzuweisungen am Ende konsequent gegen die Heldin und ihr eigenes Umfeld selbst richten.

Der Gedanke ist immer noch nah am Bild vom inneren Schweinehund, der in einer Marathon-Geschichte nicht übermäßig originell ist. Wenn der Mutmacher-Film trotzdem über die Plattitüde hinausgeht, liegt es zuallererst am Humor. Mal kommt die Hauptfigur in Erklärungsnot, weil eine Kita-Gruppe sie beim Laufen überholt. (Brittany Entschuldigung: „Wir laufen rückwärts!“) Mal joggt sie im Rhythmus anarchischer Motivationsgesänge: („Hey – it’s Brittany. – She needs – to take – a shittany.“) Es kann sein, dass all die wirklich lustigen Gags von Anfang an im Drehbuch stand, für das Colaizzo sich von einer realen Freundin inspirieren ließ. Man erkennt aber auch die Hauptdarstellerin Jillian Bell darin wieder, die ihre Karriere als „Saturday Night Live“-Autorin begonnen hat. Wenn man bis zum letzten der 42.195 Marathonmeter mit Brittany mitfiebert, liegt es jedenfalls an ihrem unschlagbaren Witz.

„Brittany Runs a Marathon“. USA 2019. R: Paul Downs Colaizzo. D: Jillian Bell, Jennifer Dundas, Utkarsh Ambudkar. 104 Minuten. FSK ab 6 Jahren. Der Film startet am 24. Oktober im Kino. Auf Amazon Prime ist der Film ab dem 14. November verfügbar.

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