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Meinung : Brief eines empörten Katers

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Steuer, nur weil im Haushalt ein Stubentiger haust? Lieber nicht!

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Ich sage Ihnen einmal was: Mein Katzenleben, es ist der pure Stress. Wer etwas anderes behauptet, lügt! Oder steckt unter einer Decke mit der Maus. Immer diese fortwährenden Entscheidungen, die sich jeden Tag auftürmen wie Kratzbäume: Wann soll ich essen? Wer spielt mit mir? Welcher Schlafplatz soll es heute sein? Wer lässt mich raus, damit ich in meinem Revier für Recht und Ordnung sorgen kann? Miau. Es ist die Hölle.

Seit ein paar Tagen kann ich nicht mehr schlafen. Ein Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ forderte in einem Kommentar doch wirklich, es wäre an der Zeit, endlich eine Katzensteuer einzuführen, analog zu diesen nervigen Vierbeinern, die immer nur das machen, was ihnen von den Herrchen gesagt wird. Er bezeichnet uns liebevolle Stubentiger als ein Herr von Prädatoren, schätzungsweise 13 Millionen Katzen, die Deutschlands Straßen und Wohnzimmer mit ihrer felligen Diktatur unterjochten, jeder Tag ein einziges, beängstigendes Gemetzel. Dosenfutter würde uns nicht reichen, unser angeborener Trieb wäre unauslöschbar, selbst nach dem leckeren Pastetchen von Sheba. Er ist sich nicht sicher, und ich zitiere ihn, „wie viele Amphibien und Reptilien sonst noch von ihnen massakriert würden“.

Ganz unrecht hat er nicht. Erst letzte Woche schaffte ich es endlich, diesen gottverdammten Laserpointer zur Strecke zu bringen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Warum sollte ich mich wider meine Natur verhalten? Sehe ich bei einem entspannten Auslauf ein kleines und leckeres Mäuschen, dann packe ich zu. Entweder für den Snack zwischendurch oder ich lege es Herrchen vor die Haustür. Mein persönliches Zeichen der Zuneigung. Was kann ich denn dafür, wenn sich die Hundebesitzer schon bei einem nassen Stock freuen? Ich bin halt anders.

Ein bisschen verstehe ich ihn ja: Schätzungsweise zwei Millionen arme Brüder und Schwestern von mir laufen frei herum, ohne ein richtiges Zuhause. Sie sind nicht kastriert oder sterilisiert, so wie ich. Sie vermehren sich, brauchen Fressen, hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck, wie der Redakteur nachvollziehbar schreibt. Die Tierheime sind dadurch überfüllt und überfordert. Keine schönen Zustände.

Aber deshalb eine Katzensteuer, wenn doch schon die Taxe der Hunde von jeder Kommune frei verwendet werden kann? Vor ein paar Tagen sprach ich mit dem Sprecher vom Tierschutzbund. Er meinte: „Eine Erweiterung der Steuern für andere Luxustiere, wie Katzen, wäre nur dann akzeptabel, wenn die Erlöse zur Verbesserung des Tierschutzes eingesetzt würde.“ Ein Vorschlag: Das Paderborner Modell deutschlandweit nutzen. Seit 2008 muss in Paderborn jeder Katzenhalter, der seinem Stubentiger Ausgang gewährt, dafür sorgen, dass er kastriert ist, gechipt oder tätowiert. Tut zwar höllisch weh, ich weiß es, aber immerhin wird damit die unkontrollierte Fortpflanzung gestoppt, zumindest eingedämmt. Für die Sache! Und Tierheime könnten sich besser kümmern, weil wieder mehr Platz bei ihnen ist. Eine Katzensteuer braucht es dafür nicht. Sogar die Grünen, diese Tierfutterpartei, halten es für Humbug.

Und vielleicht kann ich bald endlich wieder schlafen, mich den wichtigen Fragen widmen: denen nach dem Essen, dem Schlafplatz und meinem Revier. Sie wissen schon: Einfach Katze sein. Miau!

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