Frankfurt (Main) : Bombe treibt 60 000 aus dem Haus

Bei Bauarbeiten entdeckt: ein britische Luftmine aus dem 2. Weltkrieg
Foto:
1 von 16

Bei Bauarbeiten entdeckt: ein britische Luftmine aus dem 2. Weltkrieg

Frankfurt erlebte die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Evakuierung gestaltete sich schwierig.

svz.de von
03. September 2017, 20:30 Uhr

Das Wort „LE-E-R“ und das Bild einer Bombe hängen in den Fenstern eines Hauses in der Glauburgstraße in Frankfurt. Das Gebäude liegt in der 1,5 Kilometer großen Sperrzone um den Fundort einer gefährlichen Luftmine, die am Sonntag entschärft wurde. Mehr als 60 000 Menschen mussten zwischen 6.00 und 8.00 Uhr ihre Wohnungen mitten in der Stadt verlassen - bei der größten Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Viele sind schon am Samstag weggefahren. Einige wenige verursachen eine stundenlange Verzögerung – weil sie ihre Wohnungen nicht räumen wollen.

Zeit, die die Kampfmittelbeseitiger später am Tag gut hätten gebrauchen können, um mit ihrer gefährlichen Arbeit im Plan zu bleiben. Denn am späten Nachmittag zeigt sich: Die Entschärfung der englischen Luftmine ist komplizierter als angenommen. Die drei Zünder lassen sich wie geplant entfernen, aber von zweien können die Sprengladungen beim Ausbau nicht auf Anhieb gelöst werden. Die Kapseln müssen gesondert ausgebaut werden. Erst kurz vor 19 Uhr können die Experten Entwarnung geben: Bombe entschärft.

Feuerwehr-Chef Reinhard Ries rechnete am frühen Abend damit, dass die Mehrzahl der Menschen erst um Mitternacht zu Hause sein werde. „Durch diese Querulanten haben wir gut zwei Stunden verloren“, sagte er verärgert.

Eine Geduldsprobe für alle Anwohner, die am frühen Morgen das Sperrgebiet wie vorgesehen hinter sich gelassen haben. Rund 500 Menschen wurden mit Spezialtransporten in Sicherheit gebracht, 600 waren es bereits am Samstag. Auch Altenheime und zwei Krankenhäuser wurden evakuiert. Weil bis zum Mittag immer neue Bitten um Hilfe bei der Feuerwehr eingingen, dauerten die Transporte länger als geplant. Ob die Zone wirklich menschenleer ist, kontrollieren am Morgen und Vormittag mehrere Tausend Polizisten.

Schon am Mittag gerät der Zeitplan ins Wanken. Einige Anwohner hatten tatsächlich bis zum Sonntagmorgen nichts von der Räumung mitbekommen, etwa wegen Sprachproblemen. Es gibt aber auch Uneinsichtige, die sich fast bis zuletzt weigern, das Sperrgebiet zu verlassen. In einem Fall nimmt die Polizei einen Anwohner in Gewahrsam – auch die Geduld der Beamten ist endlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen