Geschenke zum Muttertag : Bloß keine Blumen!

Viele Mütter hätten lieber ein entspanntes Bad, statt Blumen oder Basteleien.
Viele Mütter hätten lieber ein entspanntes Bad, statt Blumen oder Basteleien.

Alle Jahre wieder gibt es die gleichen Geschenke zum Muttertag – was Mütter aber wirklich wollen, ist Aufmerksamkeit.

svz.de von
14. Mai 2017, 08:40 Uhr

Annette Loers möchte nicht. Sie möchte keinen Gutschein für Maniküre, auch keine selbstgebastelten Batikherzen. Zum Muttertag braucht die Mutter zweier Kinder all diese Dinge nicht. „Als Alleinerziehende ist mein Wellnessprogramm, wenn ich dusche. Oder wenn ich mal essen kann, was ich möchte.“ Die 46-jährige Stuttgarterin bloggt über das Leben als Alleinerziehende – und vom Muttertag hält sie recht wenig.

Deshalb hat sie sich im vergangenen Jahr mit anderen Bloggerinnen und Bloggern zusammengetan und den Hashtag #Muttertagswunsch ins Leben gerufen. Sie fluteten die sozialen Netzwerke - und schrieben, was sie sich tatsächlich zum Muttertag wünschen. Denn so, wie der Muttertag heute begangen wird, können viele Mütter wenig damit anfangen.

Kritik am Muttertag ist nichts Neues. Da ist einerseits die Blumenindustrie, die mit dem Tag ordentlich Geld verdienen will. Dann natürlich der geschichtliche Hintergrund: Im Nationalsozialismus wurde er als „Ehrentag“ der kinderreichen Mutter missbraucht. Und nicht zuletzt: Wer will schon einmal im Jahr Wertschätzung, und sich die restlichen 364 für Job, Haushalt, Familie aufreiben?

Was wollen Loers und Co. stattdessen? Aufmerksamkeit – dafür, was Familien und Mütter wirklich brauchen. „Schenk mir keine Blumen, schenk mir eine Lobby“, formuliert es Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter, der sich ebenfalls am #Muttertagswunsch beteiligt. Flexible, finanzierbare Kinderbetreuung, eine Kindergrundsicherung, Lohngerechtigkeit, die Abschaffung des Ehegattensplittings und Einführung einer Individualbesteuerung – eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, nennt Spachtholz einige Beispiele für ihre Wünsche. So gesehen geht es darum, den Muttertag neu zu interpretieren. „Ein bisschen mehr so wie der Internationale Frauentag“, sagt Spachtholz.

„Ich finde, das ist ein guter und wichtiger Tag“, sagt auch Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Nur in der Ausgestaltung sei der Muttertag sehr eindimensional. Er vermittle ein Rollenbild, das nicht der Realität entspreche. „Wir haben eine Realität, in der Frauen mit beiden Beinen im Leben stehen“, sagt sie. Sie beobachtet, dass Frauen an vielen Stellen – im Job, als Mutter, in der Ehe und als Freundin, gefordert sind. Das kollidiere häufig mit der Realität – denn es fehle an Unterstützung. „Frauen haben einen wahnsinnigen Druck, sie fühlen sich zerrissen“, kritisiert Schilling. Und oftmals werde ihnen das Gefühl vermittelt: Die Mutterrolle sei die allerwichtigste - ein überholtes Mutterbild.

Anders sieht das die durchaus umstrittene Konservative Birgit Kelle. „Es wird immer künstlich so getan, als wären das überholte Geschlechterklischees“, kritisiert sie. Die Frau, die Kinder großziehe – das sei die Realität in Deutschland. „Die stille Leistung von Müttern wird nicht honoriert, sie bekommen einmal im Jahr einen Blumenstrauß“, sagt auch sie. Die Autorin des Buches „Gendergaga“ setzt allerdings eher auf ein traditionelles Familienbild. Den Muttertag feiert sie mit ihren Kindern auch nicht, über Selbstgebasteltes freut sie sich allerdings dennoch.

Die Alleinerziehende und Bloggerin Loers hingegen ist genervt – von unpassenden Bastelein aus der Schule und der konservativen Ausrichtung des Tages. „Die Mütter kriegen Frühstück zum Muttertag und zum Vatertag gehen die Männer einen heben“, sagt sie.

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