Wissen : Blind wie ein Maulwurf?

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Die Paarungszeit der Maulwürfe beginnt – und mit ihren Haufen wachsen auch die Vorurteile. Fünf Irrtümer über Grabowski.

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03. Februar 2018, 16:00 Uhr

Sie fressen die Wurzeln der Pflanzen an

Maulwürfe sind reine Fleischfresser und vergreifen sich als solche ganz sicher nicht an den Pflanzen oder ihren Wurzeln. Wer angeknabberte Pflanzenwurzeln hat, der hat vielleicht Wühlmäuse, angefressener Salat deutet auf Schnecken oder Kaninchen hin.

Maulwürfe sind kleine Raubtiere, die sich von Würmern, Insekten und deren Larven ernähren, sowie hin und wieder auch schon mal von einer kleinen Maus, sofern sie eine erwischen können. Mit ihren 44 Zähnen verdrücken Europäische Maulwürfe durchaus 20 bis 30 Kilogramm Insekten pro Jahr. Mit bis zu vier km/h laufen sie durch ihr selbstgebuddeltes Gangsystem, um diesen Beutetieren nachzustellen. Lediglich durch Zufall kann es schon mal vorkommen, dass die eine oder andere Wurzel beim Buddeln der Gänge in Mitleidenschaft gezogen wird – aus Versehen sozusagen.

Blind wie ein Maulwurf

Maulwürfe sind keinesfalls blind und taub. Ganz im Gegenteil haben sie ein sehr feines Gehör, mit dem sie winzigste Geräusche wahrnehmen können wie etwa krabbelnde Insekten. Ihre Ohren fallen allerdings kaum auf, da sie keine ausgeprägten Ohrmuscheln haben, die ja aber ohnehin beim Buddeln unter der Erde nur stören würden.

Ihr Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut entwickelt, sowie auch ihr Tastsinn, der von etwa 150 000 Tastsinneszellen (Eimersche Organe) an der Nase und unzähligen Tasthaaren unterstützt wird. Lediglich die zwei kleinen Knopfaugen können wohl nur hell und dunkel unterscheiden, vermuten Biologen. Mehr ist aber auch gar nicht notwendig in dem unterirdischen Gangsystem, in dem die Tiere ihr ganzes Leben verbringen. In der absoluten Dunkelheit könnten sie ohnehin nichts sehen. Ausgeprägte Tast-, Geruchs- und Gehörsinne sind da schon sehr viel besser zu gebrauchen.

Maulwürfe werfen die Erdhaufen mit dem Maul auf

Klar, warum sollte der Maulwurf sonst auch Maulwurf heißen? Doch der Schein trügt. Der erste Bestandteil des Wortes hat nämlich rein gar nichts mit einem Maul zu tun, sondern geht vielmehr auf das mittelhochdeutsche Wort für Staub oder Erde zurück: Molte. Der Maulwurf ist im wörtlichen Sinne also lediglich ein „Erd(haufen)werfer“. Das macht auch durchaus Sinn, denn die Maulwurfshügel, die so manchen Gartenbesitzer in den Wahnsinn treiben, buddelt das Tier nicht etwa mit seinem Maul, sondern mit den enorm großen, schaufelartigen Vorderfüßen. Sie entstehen praktisch als Abfallprodukt beim Graben des unterirdischen Gangsystems, in dem das Tier lebt, denn irgendwo muss die Erde ja schließlich hin.

Eine Röhre von sieben Meter Länge buddelt ein Maulwurf übrigens je nach Bodenbeschaffenheit in nur einer einzigen Stunde – oder sogar noch schneller. Bis zum 24-Fachen seines eigenen Körpergewichtes kann er dabei vor sich her schieben.

Die Maulwurfshaufen sind die Ein- und Ausgänge des unterirdischen Röhrensystems

Maulwürfe verbringen ihr gesamtes Leben unter der Erde. Sie verlassen ihr Gangsystem nur im äußersten Notfall, etwa bei Hochwasser. Aus diesem Grund brauchen sie auch keine Ein- und Ausgänge für ihr Röhrensystem, das bis zu einen Meter tief sein kann und hunderte Meter lang. In der Regel begnügen sich die Tiere allerdings mit einer Tiefe von etwa 20 bis 50 Zentimetern und einer Länge von circa 50 Metern.

Da Maulwürfe Einzelgänger sind und sich nur zur Paarung treffen, kann sich das Revier eines einzelnen Maulwurfs je nach Futterangebot schon mal über eine Fläche von 2000 Quadratmetern erstrecken, auch wenn in der Regel 300 bis 400 Quadratmeter ausreichen.

Ultraschallsummer vertreiben die Tiere zuverlässig

Maulwürfe stehen in Deutschland unter Naturschutz, sie dürfen also nicht getötet werden. Da sich aber nur wenige Gartenbesitzer mit den Maulwurfshaufen in ihren Beeten und auf ihren heißgeliebten Rasenflächen anfreunden können, gibt es ein ganzes Arsenal an Mittelchen und Gerätschaften, die die kleinen Buddler vertreiben sollen. Flaschen werden in den Maulwurfshaufen gesteckt, Ultraschallsummer installiert und jede Menge Pülverchen und Tabletten in die Gangsysteme geschüttet. Doch auf Dauer hilft das alles nicht.

Selbst die ganz Schlauen, die Wühlmausgifte auslegen, scheitern, da Maulwürfe ja nun einmal nur lebendes Futter fressen. Es gibt nur eine einzige relativ zuverlässige Methode, den Tieren beizukommen: Ein feinmaschiges Gitter muss bei der Neuanlage des Gartens unter alle zu schützende Bereichen verlegt werden. An den Rändern ist dieses Gitter zudem mindestens 70 Zentimeter, besser einen Meter tief senkrecht einzugraben. Aber selbst dieser enorme Aufwand ist keine 100-prozentige Garantie: Manchmal verlassen die Maulwürfe nämlich doch ihr Gangsystem und wandern über der Erde in neue Reviere ein. Tja, in so einem Fall sollte man es dann vielleicht besser den Ultraschallsummern gleichtun und einfach locker halblaut vor sich hinpfeifen.

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