Neue Show auf Pro7 : „Big Brother“ extrem

Der erste Tag: 45 Frauen und 55 Männer ziehen mit ihrer Kiste in das 116 Quadratmeter große Haus ein.
1 von 2
Der erste Tag: 45 Frauen und 55 Männer ziehen mit ihrer Kiste in das 116 Quadratmeter große Haus ein.

Schlimmer geht immer: Morgen startet „Get the F*ck out of my House“ auf Pro7 mit 100 Kandidaten in einem Haus

svz.de von
03. Januar 2018, 21:00 Uhr

Wer „Big Brother“ mag, wird die neue Serie „Get the F*ck out of my House“ lieben. Wer nicht, wird verständnislos mit dem Kopf schütteln. Morgen Abend werden zur besten Sendezeit 20.15 Uhr auf Pro7 100 Menschen in ein Einfamilienhaus mit nur 116 Quadratmetern einziehen. Das bedeutet: Viel zu wenig Wohnraum, kaum Schlafmöglichkeiten, kein Platz für Lebensmittel und deren Zubereitung sowie zu wenig Waschgelegenheiten. Immer mit dabei sind 34 Überwachungskameras, die das Chaos im Haus für die Zuschauer filmen. Die sind allerdings nicht live dabei, denn aus Kostengründen wurde die Serie bereits im vergangenen Jahr abgedreht.

Und wer braucht das? Wir sprachen mit der Direktorin des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock, Professorin Elizabeth Prommer, über den Nutzwert der neuen Sendereihe. Einfache Antwort der Expertin: „Zuallererst der Sender.“ Von der Kostenseite seien Reality-Shows in diesem Format extrem billig. Sie sind einfach zu produzieren und auch die Ausgaben für die Lizenzen sind vergleichsweise niedrig, so die Rostocker Medienexpertin. UFA Show & Factual („Deutschland sucht den Superstar“) sind Produzent des neuen Reality-Formats im deutschen Fernsehen. Endemol („Big Brother“, „Wer wird Millionär“) steckt ausnahmsweise nicht dahinter.

 

„Auch die Vermarktung ist einfach und vor allem billig“, erklärte Professorin Prommer. Quasi ein Selbstläufer. Schon bei „Big Brother“ wurde Wochen vor der Ausstrahlung im Februar 2000 über Voyeurismus, Perversion und ethische Grenzen bei TV-Sendungen in der Öffentlichkeit heiß diskutiert. Das Format wurde bekannt, weil die Strategie funktionierte. Wer mitreden wollte, schaltete ein. Der Skandal blieb allerdings aus.

Und was hat der Zuschauer davon? Das bildende oder charakterfördernde Element der Serie ist eher gering. „Aber das ist bei Übertragungen der Formel 1 oder der Vierschanzentournee ähnlich“, meinte die Rostocker Professorin. Es geht allein um Unterhaltung. Die Faszination des „Big Brother“-Formats liege darin, dass die Zuschauer die Entwicklung von Persönlichkeiten, deren Reaktionen in bestimmten Situationen und ihre Beziehungen zueinander verfolgen können. Dabei sei den meisten Zuschauern sogar bewusst, dass vieles inszeniert ist.

Bei „Get the F*ck out of my House“ beziehen 45 Frauen und 55 Männer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für einen Monat ein Haus. Eine Castingagentur hat die Mitglieder ausgesucht. Wer die Nase voll hat, darf gehen. Ein sogenannter „Hausboss“, zu Beginn ein 57-jähriger Rentner aus Schleswig, darf jede Woche Kandidaten feuern. Der, der übrig bleibt, gewinnt 100  000 Euro.

Die Herausforderung: Im Schnitt stehen jedem der 19- bis 82-jährigen Kandidaten genau 1,16 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Dazu eine Küche für alle, vier Betten und ein Bad mit nur einer Toilette. Da kann es in der Schlange vor dem Klo schon mal zu Wartezeiten kommen. Konflikte sind programmiert. Es gibt Spiele im Haus, zu denen die Kandidaten gegeneinander antreten und Hausregeln, die sie selbst aufstellen.

Moderatoren sind Thore Schölermann („The Voice Kids“) und Jana Julie Kilka („Verbotene Liebe“) die auch privat ein Paar sind. Sie sind für die 100 Kandidaten der einzige Kontakt zur Außenwelt und leiten im Haus durch Spiele, beobachten und kommentieren das tägliche Geschehen.

Die Rostocker Medienanwältin Gesa Stückmann sieht die Serie kritisch: „Ein wirklich furchtbares Format.“ Unverständlich sei der Anwältin, mit welcher Motivation die Kandidaten ihre Persönlichkeitsrechte freiwillig über Bord werfen, ihr Innerstes nach außen kehren und sich vor einem großen Publikum „zum Affen machen“. Die meisten Insassen würden nicht überblicken, dass nur der Sender mit diesem Format richtig Geld verdient.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen