Vor dem wichtigsten Kampf : „Besessener“ Klitschko will Taten sprechen lassen

Er will den Titel zurück: Wladimir Klitschko.
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Er will den Titel zurück: Wladimir Klitschko.

Am 29. April im Londoner Wembley-Stadion heißt es “Ring frei zur Runde 1“

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07. April 2017, 12:00 Uhr

Vor dem vielleicht wichtigsten Kampf seiner Karriere wirkt Wladimir Klitschko wie ein nervöser Tiger im Käfig. Der muskulöse Körper angespannt, der Blick stechend, die Stimmung gereizt. Klitschko will nur eins: raus – und kämpfen. „Für die nächsten dreieinhalb Wochen bin ich ein kompromissloser Egoist“, sagte Klitschko im Trainingscamp im österreichischen Going: „Wenn ich besessen bin, erledige ich eine Sache immer ganz schnell.“ Das Wort „besessen“ benutzt der Schwergewichtsboxer in der Presserunde vor dem Mega-Kampf am 29. April im Londoner Wembley-Stadion vor 90  000 Zuschauern gegen Weltmeister Anthony Joshua etwa ein Dutzend Mal.

Die Niederlage gegen den mittlerweile tief gefallenen Briten Tyson Fury im November 2015 hat Klitschkos Stolz verletzt. „Weil ich auf mich selbst angepisst bin, dass ich es gegen Fury nicht geschafft habe“, sagt der 41 Jahre alte Ukrainer: „Das dritte Mal Weltmeister, Titel, blablablabla. Alles schön und gut, aber nur ein Nebeneffekt. An erster Stelle geht es um mein eigenes Ego, das angekratzt ist. Das treibt mich an.“

Anderthalb Jahre hat sich der Ärger über seine vierte Niederlage als Profiboxer angestaut. Das merkt man Klitschko an. Der Ex-Champion wirkt längst nicht so souverän wie vor seinen Titelverteidigungen, dafür aber extrem fokussiert. Und hochmotiviert. „Die wichtigste Frage für mich ist: Habe ich das noch drauf? Kann ich das?“, fragt Klitschko in die Runde. Dann antwortet er: „Natürlich kann ich das, denn ich kann alles. Aber Action ist immer lauter als Worte. Der 29. April wird zeigen, wie gut ich drauf bin.“ Natürlich ist die Rolle des hungrigen Herausforderers auch ein Trick, um die Marketing-Maschine am Laufen zu halten. Das englische Wort „obsessed“ für „besessen“ ist auf Klitschkos Trainingskleidung gedruckt und steht in jeder seiner Mitteilungen in den sozialen Netzwerken. Trotzdem kauft man Klitschko ab, dass sein Ehrgeiz im Kampf der Generationen groß ist, denn nicht nur Box-Ikone George Foreman glaubt an einen leichten Vorteil für den 14 Jahre jüngeren IBF-Weltmeister Joshua.

Klitschko weiß, dass er als Herausforderer für die Punktzettel jetzt mehr arbeiten muss als in der Vergangenheit. „Ich muss angreifen“, sagt er: „Einfach rumtanzen und den Kampf gewinnen - das wird nicht passieren.“ Für Klitschko ist nicht der in 18 Profikämpfen unbesiegte Joshua, auch nicht dessen gigantischer Heimvorteil in London die größte Herausforderung – sondern er selbst. „Der gefährlichste Gegner bin ich. Ich möchte mir nicht wieder selbst im Weg stehen“, sagt Klitschko. Und was, wenn das doch wieder passiert? Wäre seine große Karriere dann zu Ende? „Nächste Frage!“, raunzt Klitschko einen Reporter an, der diese offensichtliche Frage als Erster ausspricht. „Die Zeit tickt bei mir bis zum 29. April. Ich möchte nicht über die Zukunft reden“, ergänzt Klitschko. Er wolle nur den nächsten Schritt erledigen, „davon bin ich besessen“.

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