Früherer Vatikan-Finanzchef : Berufung abgelehnt: Kardinal Pell bleibt wegen Kindesmissbrauchs in Haft

Der frühere Vatikan-Finanzchef George Pell wurde schuldig gesprochen.
Der frühere Vatikan-Finanzchef George Pell wurde schuldig gesprochen.

Kardinal Pell hatte die Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs immer zurückgewiesen.

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21. August 2019, 08:49 Uhr

Melbourne | Ein australisches Gericht hat die Gefängnisstrafe gegen den Kurienkardinal und früheren Vatikan-Finanzchef George Pell wegen Kindesmissbrauchs bestätigt. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Victoria in Melbourne wies am Mittwoch die Berufungsanträge des 78-Jährigen ab. Die Richter bestätigten damit ein Urteil erster Instanz. "Er wird seine sechsjährige Haftstrafe weiter absitzen", sagte Richterin Anne Ferguson über den Kardinal.

Stellungnahme des Vatikans

Der Vatikan hat das Berufungsurteil gegen den australischen Kardinal George Pell anerkannt. Gleichzeitig erinnere man daran, dass Pell sich während des gesamten bisherigen Verfahrens für unschuldig erklärt habe, heißt es in einer am Mittwochmorgen verbreiteten Erklärung des vatikanischen Pressesprechers Matteo Bruni. Auch habe der Kardinal weiterhin das Recht, beim Obersten Gericht Australiens in Berufung zu gehen.

Ein Geschworenengericht hatte Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblößt, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben. Im folgenden Jahr soll er sich erneut an einem der Jungen vergangen haben.

Einer der mächtigsten Männer im Vatikan

Im März wurde Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Kardinal ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Er galt lange Zeit als einer der mächtigsten Männer im Vatikan – und als Vertrauter von Papst Franziskus.

Pell hat die Vorwürfe gegen sich stets entschieden zurückgewiesen und Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt. Im Berufungsverfahren Anfang Juni argumentierten seine Anwälte, der Geistliche hätte wegen der dünnen Beweislage nicht schuldig gesprochen werden dürfen.

Die Verurteilung basierte überwiegend auf der Aussage eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer. Das zweite mutmaßliche Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäußert.

Zeuge als "äußerst glaubwürdig" eingestuft

Die Richter in Melbourne urteilten nun aber mit einer Mehrheit von zwei zu eins Stimmen, dass der Zeuge als äußert glaubwürdig einzustufen sei. Er sei kein "Lügner" oder "Fantast".

Pells Anwälte hatten auch angebliche Verfahrensfehler angeführt, um die Verurteilung des Kardinals zu kippen. Diese Anträge wurden von den drei Richtern einstimmig zurückgewiesen.

Pell äußerte sich in einer von der katholischen Kirche veröffentlichten Stellungnahme "enttäuscht" über das Urteil. Seine Anwälte wollen nun prüfen, ob sie vor Australiens High Court ziehen. Experten hatten dem Kardinal im Berufungsverfahren gute Chancen eingeräumt.

Australiens Premierminister Scott Morrison erklärte am Mittwoch, die Gerichte hätten "ihre Arbeit" gemacht. Er kündigte an, dem Kardinal solle ein australischer Ehrenorden entzogen werden.

Der Fall Pell hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die katholische Kirche ist einer Reihe von Ländern wegen Kindesmissbrauchs durch Priester und andere Geistliche unter Beschuss geraten.

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