zur Navigation springen

Redewendungen und ihre Bedeutung : Bei dir piept es wohl...

vom

Redewendungen wie „Bei dir piept es wohl“ und „Mein Name ist Hase" kennt jeder – doch was bedeuten sie. Wir klären auf

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Bei einer Befragung vor Gericht verpfiff der Heidelberger Student Viktor Hase 1854 einen anderen Studenten nicht, sondern sagte nur: „Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen. Ich weiß von nichts.“ In der Kurzform wurde sein mutiger Ausspruch schnell deutschlandweit bekannt. Noch heute benutzen wir diese Redewendung, wenn wir scherzhaft beteuern, nichts zu wissen.

So wie Hases Ausspruch sind Phrasen und geflügelte Worte ein wichtiger Teil unserer Sprache. Mit ihnen können wir eine Sache auf den Punkt bringen. Umständliche und weitreichende Erklärungen lassen sich so leicht umgehen. Schließlich weiß jeder, was mit der Redewendung gemeint ist.

Im Gegensatz dazu wissen wir heute oft nicht mehr, wo ein bestimmtes Sprichwort seinen Ursprung hat.

Dabei wurde schon in der Antike oft und viel zitiert. Viele unserer heutigen Redewendungen sind auch im Mittelalter entstanden. In diesem dunklen Zeitalter spielten Mythen und Aberglaube noch eine ganz andere Rolle als heute. Auch die damaligen Lebensumstände gaben Anlass für einige Schöpfungen: „Immer der Nase nach“ sagte man beispielsweise zu Händlern und Gauklern, die auf dem Weg zur nächsten Burg waren. Da Fäkalien normalerweise im Burggraben landeten, konnte man Behausungen schon von Weitem riechen. Man musste quasi nur seiner Nase folgen...

Viele unserer heutigen Sprichwörter stammen auch aus dem Buch der Bücher: nämlich der Bibel. Während manche durch Übersetzungsfehler entstanden sind, beruhen andere auf Gleichnissen. „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ oder „Hochmut kommt vor dem Fall“ sind hier nur zwei Beispiele.

 Luthers Übersetzung der Bibel im 16. Jahrhundert prägte und formte die deutsche Sprache maßgeblich. Denn der Reformator vereinte die einst vielen deutschen Dialekte erst zu einem Idiom – und schuf so auch einige Phrasen wie „Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über“.

Neben Luther sind viele Literaten und Vordenker dafür verantwortlich, dass – zumeist regionale – Aussprüche in ganz Deutschland bekannt wurden. Manchmal auch über dessen Grenzen hinaus.

Bereits im 19. Jahrhundert wurden Bücher mit Sprichwörtern herausgegeben. Bekannte Autoren sind Karl Simrock oder auch Karl Friedrich Wander, der mehrere Sprichwort-Sammlungen anlegte. Sein Deutsches-Sprichwort-Lexikon ist mit über 250000 Einträgen bis heute in Deutschland noch das umfangreichste Werk seiner Art.

Etliche Sprichwörter gibt es in ähnlicher Form auch in anderen Ländern. „Schlafende Hunde soll man nicht wecken“, sagen wir zum Beispiel, wenn wir etwas auf sich beruhen lassen wollen. Im Englischen heißt das: „Let sleeping dogs lie“. In den Niederlanden wird aus dem Hund ein Wolf und in Thailand ein Tiger, während in der Türkei von einer Schlange die Rede ist.

Doch bevor wir jedoch vom Hundertsten ins Tausendste kommen: hier einige Redewendungen und ihre Entstehungsgeschichte.

Ein Auge auf jemanden werfen

Diese Redewendung sollte man nicht wörtlich nehmen! Zumal im ursprünglichen Sinne gar nicht das Organ, sondern ein Augenstein gemeint war. Denn im Mittelalter  war es eine gewöhnliche Strafe für einen Fremdgeher, mit schweren Augensteinen gesteinigt zu werden. Später wurde die Bedeutung umgedreht: Wer also mit einem Aug(stein) warf, zeigte großes Interesse an jemanden,

Haare auf den Zähnen haben

Früher stand eine starke Behaarung für große Männlichkeit und viel Kraft. Hat jemand Haare an Stellen, an denen gewöhnlich keine wachsen, so sind diese Eigenschaften besonders ausgeprägt.So wie beispielsweise die (sprichwörtlichen) Haare auf den Zähnen.

Den Teufel an die Wand malen

Das Malen des Teufels sowie  das Nennen seines Namens, beschwört das Böse herauf, so ein alter Aberglaube. Schon damals  stand  über vielen Eingangstüren  „C+M+B“, der lateinische Segensspruch „Christus mansionem benedicat“. Zu gut Deutsch: Christus segne dieses Haus. Damit wollte man Unheil abwenden. Die Tür wurde im Laufe der Jahre zur Wand. Und noch heute benutzen viele die Redewendung gerne, wenn jemand etwas zu pessimistisch sieht.

Der rote Faden

Die Redewendung ist von einer cleveren Diebstahlsicherung der englischen Marine abgeleitet: Im 18. Jahrhundert ging durch alle Taue der Segelschiffe ein roter Faden hindurch. Er kennzeichnete sie als Eigentum der Marine. Entfernen ließ er sich nur, wenn man die Taue zerstörte.

Johann Wolfgang von Goethe griff den roten Faden 1809 in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ auf. Er verglich ihn dort mit einem Gedanken, der sich durch einen Text zieht.

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Der verrückte Hund in der Pfanne geht wahrscheinlich auf eine Till-Eulenspiegel-Geschichte zurück. Als Geselle eines Bierbrauers in Einbeck sollte er „den Hopfen wohl sieden, auf daß das Bier scharf darvon schmecken würd“. Bedauerlicherweise hatte der Brauer aber einen Hund, der Hopf hieß. Den nahm Eulenspiegel und warf ihn in die Braupfanne. Wer eine unglaubliche Geschichte hört, sagt gerne mal: „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt!“

Einen Bock schießen oder Schwein haben

Bei früheren Schützenfesten gab es häufig neben den Siegprämien auch Spottpreise für die schlechtesten Schützen. Das waren entweder Böcke oder Ferkel. Somit erkannte jeder sofort die Nichtskönner, die einen Bock geschossen hatten. Dass ein schlechter Schütze ein Schwein –  ein begehrtes Nutztier – bekam, führte wiederum zu einer anderen Redensart: „Schwein haben“, wenn man Glück hat.

Die Ohren spitzen

Hunde, Katzen und Pferde richten bei erhöhter Aufmerksamkeit die Ohren auf, die damit spitzer aussehen. Humorvoll oder mahnend übertrug man das in der Redensart auf Menschen.

Einen Bären aufbinden

Um das Entstehen dieser Redewendung ranken sich  einige Mythen. Wahrscheinlich liegt der Ursprung in der germanischen Silbe „bar“, die so viel wie „tragen“ bedeutet. Später wurde aus „bar“ der Bär. Eine andere Geschichte erzählt, dass einige  Jäger die Zeche in einem Wirtshaus nicht bezahlen konnten. Sie feilschten mit dem Gastwirt und versprachen ihm einen Bären.  Nachdem die Jäger das Lokal  verlassen hatten, wurde dem Wirt bewusst, was für einen schlechten Deal er gemacht hatte: Denn was sollte er mit einem lebenden Bären anfangen. Die Jäger hatten ihn getäuscht.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr

Dieses biblische Zitat kam durch einen Übersetzungsfehler zustande. Im aramäischen Urtext ist von „gamta“, einem Tau oder Seil, die Rede. Dieses Wort verwechselte vor mehr als tausend Jahren ein Übersetzer  mit dem Wort „gamla“, der Bezeichnung für „Kamel“. Seitdem steht geschrieben: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Wer den Spruch heute benutzt, möchte sagen, dass etwas unmöglich ist.

Eine Leiche im Keller haben

Theodor Fontanes  Novelle „Unterm Birnbaum“ von 1885 führte zur Verbreitung dieser Redensart: Ein Wirt bringt einen Gast um und verscharrt ihn im Keller. Allerdings wird er bald wahnsinnig und stirbt selbst im Keller. Der Ursprung der Redewendung liegt im Katholizismus: Ungetaufte Kinder, die gestorben waren, durften nicht auf dem Friedhof begraben werden. Stattdessen wurden sie heimlich im Keller ihres Elternhauses beerdigt.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen