Ärztepfusch : Behandlungsfehlern auf der Spur

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Wie Kliniken Risiken für Patienten eindämmen wollen / Oft sind Organisationsmängel Ursache der Probleme

svz.de von
17. September 2015, 21:00 Uhr

Nicht immer sind es tödliche Klinik-Infektionen oder verheerende Schlamperei wie vergessene Tupfer im Bauchraum. Unter den Zehntausenden Behandlungsfehlern finden sich viele kleinere – ein Überblick:

Wie viele Behandlungsfehler gibt es?

Die Schätzungen gehen weit auseinander. Laut Bundesregierung reichen sie von 40 000 bis 170 000 Fehlern in allen Bereichen des Gesundheitssystems jährlich. Am stärksten sind Probleme in den Kliniken im Fokus.

In einem Berichtssystem für unerwünschte Ereignisse im Gesundheitswesen (CIRS) kann man im Internet nachlesen, welche Probleme Ärzte und Pfleger anonym melden.

Was sind typische Fehlerursachen?

Unaufmerksamkeit, zu viel Stress auf der Station, zu wenig Personal – in der Organisation liegen oft die Hauptquellen von Problemen. So auch bei einem Beispiel, das in dem anonymen Meldesystem von einem Arzt angeführt wurde. Ein Mann sollte geröntgt werden, fiel aber einfach vom Tisch und brach sich einen Arm.

Probleme im OP-saal – Was kann passieren?

Ein Beispiel: Bei einem Patienten mit einem komplizierten Knochenbruch sollte das Metall wieder entfernt werden. Das OP-Team verließ sich auf die zur Verfügung stehenden Standardwerkzeuge. Stattdessen war irgendein ein Spezialwerkzeug nötig – das zwar da war, aber nicht steril. Es musste sterilisiert werden, während der Patient mit geöffnetem Körper in der Narkose lag – eine Stunde länger als geplant.

Sind auch schwerere Fälle bekannt?

Ja. Allein Gutachter im Auftrag der Krankenkassen kamen im vergangenen Jahr in 155 Fällen zum Ergebnis, dass Patienten an den Folgen eines Fehlers starben. Nach Schätzungen sollen jedes Jahr Tausende wegen Fehlern und Problemen bei Behandlungen sterben.

Laut Aktionsbündnis Patientensicherheit wird jedes Jahr bis zu 3000-mal Operationsmaterial im Körper vergessen.

Was tun Kliniken gegen die Risiken?

Immer mehr Kliniken installieren die anonymen Fehlermeldesysteme – Ziel: Aus Fehlern lernen. Eine gestern präsentierte Umfrage legt nahe, dass weit mehr als jede zweite Klinik so etwas macht.

Was hat sich in den vergangenen Jahren noch getan?

Neun von zehn Häusern sollen laut der Studie, bei der Kliniken befragt wurden, Patienten systematisch auf gegen Antibiotika resistente Erreger checken. Gegen Verwechslungen von Patienten, von Proben und Befunden helfen zudem verstärkt Standard-Checks, wie die Expertin Tanja Manser sagt.

Wo gibt es Möglichkeiten der Verbesserung?

An vielen Stellen. „Wir sind in Deutschland leider noch immer sehr geneigt, Schuldige zu suchen und nicht Ursachen“, sagt Hedwig François-Kettner, Chefin des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, in dem Ärzte, Kliniken, Kassen und Patientenorganisationen vertreten sind.

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