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Massentourismus auf Mallorca : Bedrohte Urlauber?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer durch Palma spaziert, entdeckt seit Wochen auch immer wieder Aufkleber oder Zettel mit tourismusfeindlichen Sprüchen.

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Die Aktion machte international Schlagzeilen: Mitte Juli protestierte eine linke Jugendorganisation in einem gut besuchten Restaurant am Hafen von Palma gegen den ausufernden Massentourismus – mit Bengalos, Konfetti und Spruchbändern, auf denen zu lesen war: „Tourism kills Mallorca“. So richtig bekannt wurde der Vorfall aber erst, als die verantwortliche Organisation Arran Wochen später ein Video von der Aktion auf Twitter zeigte. Wer durch Palma spaziert, entdeckt seit Wochen auch immer wieder Aufkleber oder Zettel mit tourismusfeindlichen Sprüchen.

Nun macht ein Schlagwort die Runde, bei dem Urlaubern bange werden könnte: „Tourismusphobie“. Aber die meisten Feriengäste geben sich entspannt. Die Menschen sitzen in Cafés oder ruhen sich auf Bänken im Schatten der Bäume aus.

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Der massive Touristenstrom hat für die Bewohner der Balearen unliebsame Folgen. So wird etwa die große Anzahl an online angebotenen Ferienwohnungen für den Wohnungsmangel und die überteuerten Mietpreise verantwortlich gemacht, speziell in Palma, aber auch auf Ibiza. Dass viele Mitarbeiter des Sektors trotz des Booms wegen ihrer Mini-Löhne am Rand des Existenzminimums leben, sorgt für zusätzlichen Ärger.

Auch die massive Anzahl an Mietwagen und die damit einhergehende Verkehrs- und Umweltbelastung ist vielen Balearenbewohnern ein Dorn im Auge. So machte wenige Tage nach der Protestaktion auch eine andere Gruppe Schlagzeilen. Die Organisation Endavant „verzierte“ 1000 Mietwagen mit Aufklebern: „Dieses Auto ist zu viel“, war darauf zu lesen.

Mittlerweile sah sich die spanische Zentralregierung genötigt, die Proteste zu kommentieren. Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte nach einem Besuch bei König Felipe VI. in dessen mallorquinischer Sommerresidenz Marivent: „Ich weiß nicht, ob man Urlauber mit Plakaten à la ,Willkommen, Señor Turista‘ begrüßen muss, aber es wäre ein Unding, sie mit Füßen zu treten.“ In Spanien sorge der Tourismussektor nicht nur für 13 Prozent der Arbeitsplätze, sondern er mache auch stolze elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

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