Barmer-Chef: Neues Impfsystem würde für weniger Corona-Tote sorgen

Barmer-Chef: Neues Impfsystem würde für weniger Corona-Tote sorgen

Die Zahl von Corona‐Toten in Deutschland könnte um bis zu 45 Prozent sinken, wenn die Reihenfolge beim Impfen mit einem neuen Modell der Barmer „optimiert “ wird. Das sagt der Vorstandsvorsitzende der Krankenversicherung, Professor Christoph Straub, bei „19 – die DUB Chefvisite“. Das wissenschaftliche Institut der Barmer habe das Risiko für schwere Corona‐Verläufe bei bestimmten Vorerkrankungen auf Basis von Versichertendaten ermittelt. Die Analyse habe zum Beispiel ergeben, dass „psychische Erkrankungen ein hohes Risiko“ darstellten. Diese seien aber bei der Impf‐Priorisierung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) und den Ethikrat gar nicht berücksichtigt worden, so Straub. Zudem habe sich gezeigt, dass Menschen mit mehreren Vorerkrankungen, die in Kombination das Risiko verstärken, maximal gefährdet seien. Diese müssten möglichst sofort priorisiert und geimpft werden, um die Belastung des Gesundheitssystems zu senken. Weil zunächst die am stärksten gefährdeten Hochbetagten geimpft werden, sei es „noch nicht zu spät“, die Ergebnisse der Barmer‐Analyse zu berücksichtigen, betont Straub. Die neue Identifizierung von Risikopatienten durch Datenanalyse könne jetzt greifen, wenn Vorerkrankte an die Reihe kommen. „Dann kann es einen relevanten Zugewinn an Sicherheit geben“, sagt Straub. Vor allem würden durch eine Verringerung schwerer Krankheitsverläufe Kliniken entlastet, denen wegen der Mutationen des Coronavirus eine neue Welle von Covid‐Patienten droht. Das neue Barmer‐Impfsystem eröffnet so die Chance, schneller aus dem Lockdown zu kommen. Letztlich werde auch die Fairness bei der Vergabe von Impfterminen gesteigert, sagt Straub: „Das ist für den Zusammenhalt in den nächsten Monaten extrem wichtig.“ _____________________________________________ Bei „19 – die DUB Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Am Montag, den 22. Februar, als Talk-Gäste dabei: Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesfinanzministerium, und Dr. Noushin Irani, DWS‐Fondsmanagerin und Biotech‐Expertin.