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Sternberg : Ballonpost fliegt 500 Kilometer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vom Karnevalsumzug im Sauerland bis nach Sternberg: Ulrich Wichert entdeckt eingeschweißte Botschaft in einem Baum

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Im ersten Moment hielt er das Bunte, das in einer Eiche hing, für Müll. Überall liege oder fliege welcher in der Gegend herum, hat sich Ulrich Wichert oft genug geärgert. Doch als er näher kam und genauer hinsah, entdeckte der Rentner aus Groß Görnow, dass an drei zusammengebundenen, aber nur noch schlaffen Luftballons „etwas baumelte“. Dieses
Etwas holte er herunter – und war erst ein wenig enttäuscht: Obwohl eingeschweißt, waren die Zettel völlig durchnässt. „Ich habe überlegt, wenn ich die gleich so trockne, kleben die bestimmt zusammen.“

Wichert nahm das kleine Bündel vorsichtig auseinander, doch nur auf einem Schein sei noch was zu lesen gewesen. Jemand habe die Luftballons nach einer Veranstaltung steigen lassen, sei zu entziffern
gewesen. Und: Wer die beigefügte, schon frankierte Postkarte zurückschicke, bekäme garantiert Antwort. Die Karte samt Briefmarke sei nicht mehr zu gebrauchen gewesen, doch aus dem Text habe er die Adresse herausgefunden, erklärt der Groß-Görnower. „Ich habe dann ordentlich nach Menden gesucht.“ Das im
Sauerland, leicht südöstlich von Dortmund, war es.


Brief geschrieben und Landkarten beigelegt


„Sowas kommt nicht allzu oft im Leben vor, und das war so nett gehalten“, erzählt der 74-Jährige. Das sei beinahe wie Flaschenpost, die an einen Meeresstrand gespült werde. Deshalb habe er „aus Jux“
einen Brief geschrieben und Ablichtungen von zwei Land- karten beigelegt, von Deutschland und vom Sternberger Seenland, um die Entfernung darzustellen – „es sind ungefähr 500 Kilometer“ – und zu zeigen, wo Groß Görnow liegt. „Nach acht Tagen hat sich
jemand telefonisch gemeldet, gesagt, dass er sich sehr gefreut hat und erzählt, dass die
Geschichte dort in der Zeitung veröffentlicht worden ist“,
beschreibt Wichert, wie es nach seinem Brief weiterging.

Der Groß-Görnower hat die Daten aufgeschrieben: Am
29. Februar entdeckte er die Luftpost in dem Baum und am 31. März schickte er seinen Brief ab, nachdem alles beisammen war, was er dazu brauchte.

In die Luft gestiegen waren die Ballons bereits am 7. Februar. Nach dem Mendener Karnevalsumzug hätten die Mitglieder des Deutsch-Französischen Partnerschaftsvereins „Gemeinschaft der Freunde Maroeuil“ vier Ballontrauben in den Nationalfarben Deutschlands und Frankreichs von ihrem Wagen losgelassen, teilte Karl-Heinz Krause auf SVZ-Nachfrage mit. Er sei 30 Jahre Vorsitzender des Vereins gewesen, der 1984 nach Besiegelung der
offiziellen Partnerschaft zwischen Menden-Bösperde und der französischen Gemeinde Maroeuil bei Arras gegründet worden ist.

Die von Ulrich Wichert war die einzige Rückmeldung. Dieser hatte zum Schluss geschrieben: „Ich verbleibe mit freundlichem Gruß und Weidmannsheil.“ Letzteres, da er seit genau 54 Jahren Jäger sei.


Besuch und Einladung angekündigt


Der Verein habe ein Päckchen mit Informationen über seine Partnerschaft und die Stadt Menden gepackt. Zudem möchten einige Bösperder im Sommer auf ihrem Weg zum Urlaub an der Ostsee „den freundlichen Jagdgenossen“ gern besuchen, hieß es in
der Westfalenpost. Vielleicht komme er auch einer Einladung nach Bösperde nach, wie sie Karl-Heinz Krause angekündigt hat. Die sieht Wichert durchaus aufgeschlossen. Eine Einladung sollte man doch nicht abschlagen.

 

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