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Ausbildungsbericht : Azubi-Mangel als Risiko

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zum Ausbildungsbericht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags

Fast ein Drittel der Unternehmen in Deutschland finden keine Azubis mehr. Bis zu 100 000 Ausbildungsplätze können in diesem Jahr nicht besetzt werden. Der Fachkräftemangel sei „zum Konjunkturrisiko Nummer Eins“ geworden, schlug der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, gestern bei der Vorstellung des DIHK-Ausbildungsberichts Alarm. 10 500 Betriebe haben sich an der Umfrage beteiligt. Fragen und Antworten:

Welche Bestandsaufnahme hat der DIHK vorgelegt?
Von den 190 000 Ausbildungsbetrieben können 31 Prozent ihre Plätze nicht besetzen. Das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Fast jeder zehnte Betrieb (15 500) erhielt im vergangenen Jahr keine einzige Bewerbung, das waren 1500 mehr als 2015. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende letzten Jahres 40 000 Stellen unbesetzt. Der DIHK schätzt die tatsächliche Zahl der offenen Ausbildungsplätze auf 100 000.

Was sind die Gründe für die Krise?
Die Zahl der Bewerber ist binnen zehn Jahren um 200 000 eingebrochen. Das liegt zum einen daran, dass wegen der geburtenschwächeren Jahrgänge die Zahl der Schulabgänger um 150 000 zurückgegangen ist. Zugleich hält der Run auf die Hochschulen an – 2016 haben mehr als eine halbe Million junger Menschen ein Studium begonnen, die Zahl der Studierenden stieg um zwei Prozent gegenüber 2015 an.

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Welche Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt es?
Der DIHK wirbt massiv um Schulabgänger, um sie für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Die wichtigsten Argumente: Sichere Jobs – die Arbeitslosigkeit bei Facharbeitern und höher qualifizierten Fachkräften liegt bei 1,8 Prozent – und gute Bezahlung, oft höher als für Akademiker.

Wie sinnvoll es für viele Abiturienten ist, den Ausbildungsberuf ernsthaft in Betracht zu ziehen, zeigt die enorm hohe Zahl von Studienabbrechern – 160 000 im Jahr 2016. Und 43 Prozent von ihnen entschieden sich im ersten halben Jahr nach der Exmatrikulation für eine betriebliche Ausbildung.

Welche Forderungen gibt es an die Politik?
Von der Regierung und den Ländern fordert der DIHK, die Berufsorientierung an Schulen – insbesondere an Gymnasien – zu verbessern, damit sich die Abiturienten für eine Ausbildung entscheiden.
 

Kommentar des Autors: Kein Patentrezept

Was tun gegen den grassierenden Fachkräftemangel? Ein Patentrezept gibt es nicht, doch kann deutlich mehr getan werden: Da ist zunächst die Frage, wie Abiturienten die berufliche Ausbildung schmackhafter gemacht werden kann.  Auch viele Eltern wären gut beraten, mit ihrem Nachwuchs zu besprechen, ob es unbedingt ein Studium sein muss oder nicht doch eine Fachausbildung.

Selbst die ehrgeizigsten Maßnahmen werden aber den Mangel an jungen Menschen, der sich durch den Geburtenrückgang ergibt, ausgleichen können. Dass die Ausländerbehörden vielerorts Flüchtlinge aus den laufenden Ausbildungen holen und in ihre Heimat zurückschieben, obwohl Azubis eigentlich Abschiebeschutz genießen, frustriert die Unternehmer zu Recht.

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