25 Jahre Disneyland Paris : Auf der Suche nach der Maus

Selfie mit Mause-Ohren – für andere Fotos muss man sich im Disneyland Paris anstellen.
Selfie mit Mause-Ohren – für andere Fotos muss man sich im Disneyland Paris anstellen.

Vor 25 Jahren öffnete mit Disneyland Paris der erste europäische Vergnügungspark der Walt Disney Company. Wie steht es heute um den legendären Zauber?

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09. April 2017, 09:00 Uhr

Wo steckt nur Mickey? Ist er ausgegangen? Oder, noch schlimmer: Wurde seine Stelle eingespart? Ebenso wie die von Minnie oder Goofy? Von Balu, dem Bären? Jedenfalls begegne ich keinem der Traumhelden aus meiner Kindheit in Lebensgröße, als ich die Pforten von Disneyland Paris passiere und in diese zuckrig-rosarote Wunderwelt hineinlaufe, die Große für Kleine erdacht haben. In der Tat, es ist Idylle pur: Die Wasserfontänen sprudeln, Elton Johns Stimme hallt durch den Park: „The Circle of life…“

Doch in meiner Hoffnung, Mickey oder einem seiner putzigen Freunde die Hand zu schütteln, werde ich enttäuscht. Um wenigstens einen Blick auf sie zu erhaschen, muss ich auf den Parademarsch warten, der am Nachmittag stattfindet. Wenigstens laufe ich später einem anderen Wunderwesen über den Weg – das heißt, es rauscht an mir vorbei und wirft mich dabei fast um: Der hochgewachsene Dschafar mit seinem harschen Habitus, berühmt-berüchtigt aus den Disney-Filmen „Aladdin“ und „Dschafars Rückkehr“, scheint in Rage gegen Prinzessin Jasmin zu sein, die hektisch ihr hellblaues Kleid zusammenrafft und ihm gerade noch entkommt. Für ein Selfie geht all das viel zu schnell. „Wenn Sie ein Foto machen wollen, stellen Sie sich doch bitte in der Schlange an“, informiert mich eine der gut gelaunten Mitarbeiterinnen. Viele der anderen Besucher fügen sich, schließlich möchten sie sich mit ihren am Eingang gekauften blinkenden Mause-Ohren oder gar in dem rosa Samtpyjama ablichten lassen.

25 Jahre nach seiner Gründung hat sich in dem Vergnügungspark in Marne-la-Vallée gut 30 Kilometer im Westen der französischen Hauptstadt einiges getan. Am 12. April ist Jubiläumstag – es handelt sich um den ersten Vergnügungspark von Walt Disney Parks and Resorts in Europa und den vierten weltweit – nach jenen in Kalifornien, Florida und Tokio. Dem französischen Staat ist das wirtschaftliche Gewicht von Disneyland Paris sehr dienlich, darauf weist der Park gerne hin: Schließlich habe er im vergangenen Vierteljahrhundert 68 Milliarden Euro zur französischen Wirtschaft beigetragen und ist eigenen Angaben zufolge mit über 320 Millionen Besuchern Europas beliebtestes Touristenziel.

Etwa die Hälfte aller Gäste kommt aus Frankreich; von den ausländischen Besuchern besichtigen wiederum 52 Prozent auch Paris selbst. Trotzdem plagen finanzielle Probleme und Schulden den Park seit Jahren. Mehr als 700 Millionen Euro betrug der Verlust 2016.

Auch für die Beschäftigungslage ist Disneyland Paris als Arbeitgeber von Bedeutung: Insgesamt wurden eigenen Angaben zufolge 56  000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in Frankreich geschaffen. Mit 15  000 Mitarbeitern handelt es sich um den größten Arbeitgeber des Landes an einem einzelnen Standort. Sie üben 500 unterschiedliche Jobs aus und haben 100 Nationalitäten – mehr als 100 Mitarbeiter kommen aus Deutschland.

Eine von ihnen ist Pressechefin Martina Stuben: Ihr erster Arbeitstag begann genau vor 25 Jahren, eine Woche vor Öffnung des Parks am 12. April 1992. Was sich seither getan habe? „Im Laufe der Jahre kamen etliche neue Attraktionen zu: Inzwischen zählen wir 69. Auch die Kapazität in den Hotels stieg auf 8500 an“, zählt sie auf. Neben den sieben Disney-Hotels gibt es zwei weitere Partner-Hotels, einen Golfplatz und ein Vergnügungszentrum mit Restaurants, Geschäften und einem Multiplexkino. „Zum zehnjährigen Jubiläum kam der zweite Park Walt Disney Studios hinzu, der einen Blick hinter die Kulissen der Filmemacher erlaubt.“

Eine der jüngeren Entwicklungen sei zudem, dass längst nicht mehr nur die Disney-Klassiker im Park vertreten sind, sondern die „Disney-Familie“ anwuchs mit dem Eintritt weiterer Marken wie Pixar mit Toy Story, Ratatouille und Konsorten sowie Star Wars. Für sie selbst sei Disney ein toller Arbeitgeber, weil die Kollegenschar so international zusammengewürfelt und mit vielen kreativen Köpfen gespickt ist. Anders als bei den US-amerikanischen Disney-Parks wurde in Paris auch Alkohol eingeführt, da für Europäer zu einer Feier und gutem Essen mitunter ein Bier oder ein Glas Wein gehört. „Außerdem gibt es in Paris, dem Land entsprechend, besonders gute Tischrestaurants und eine ausgezeichnete Küche.“

An ihnen stolpere ich während meines Besuches leider vorbei, denn mein jugendlicher Begleiter Roman besteht auf einem Hotdog als Stärkung für die Fahrgeschäfte. Sich durch das komplett abgedunkelte Innere von Robinsons Hütte zu tasten – was mir an Nervenkitzel völlig ausreichend erscheint – ist dem 15-Jährigen einfach zu wenig – für ihn muss es schon mehr wirbeln. Also auf zur Achterbahn „Indiana Jones™ and the Temple of Peril”. Wartezeit: 30 Minuten, heißt es hier. Zwar kann ich mir einen schnellen Durchgangs-Pass holen, wie mir ein weiterer überaus gut gelaunter Mitarbeiter erklärt. Aber das Ergebnis ist doch dasselbe: Bis zur Eintrittszeit dauert es noch eine halbe Stunde. Wir vertreiben uns noch ein wenig die Zeit beim Spazieren durch diese Stadt am Rande der Hauptstadt, in der man – wie bei jeder Metropole – nie alleine ist: Überall warten bereits andere Vergnügungssüchtige in einer Schlange, etwas weniger sind es in den Walt Disney Studios nebenan. Zumindest nutzt mir die Wartezeit, um mich auf das Erlebnis einzustellen – und es übertrifft, was ich mir an Wildheit ausgemalt hatte. Zweieinhalb Minuten können definitiv lange sein, wenn einem mehrfach der Magen umgedreht und durchgewalkt wird. Offenbar bin ich eben kein Kind mehr – schade eigentlich!

Zum 25-jährigen Jubiläum stehen weitere Neuheiten an wie die Achterbahn Star Wars Hyperspace Mountain und díe wiedereröffnete 3D-Attraktion „Star Tours: The Adventures Continue“. Jeden Abend findet ein Spektakel mit Lichteffekten und einem Feuerwerk um das Dornröschenschloss statt, hinzu kommt Festzug mit den Disney-Lieblingen – um ihnen zumindest aus der Ferne zuwinken zu können.

Reiseziel Disneyland Paris

Anreise: Wer mit dem Auto kommt, findet eine Anfahrtsbeschreibung sowie Informationen zu Parkmöglichkeiten unter www.disneylandparis.de/gaesteservice/informationen-anreise-auto.
Wer mit dem Flieger auf einem der Pariser Flughäfen landet, kann einen Shuttle-Bus nutzen.

Reservierungen: www.magicalshuttle.de. Erreichbar ist Marne-la-Vallée auch mit der Schnellbahn RER. Bequem ist aber auch die Anfahrt per Zug: Disneyland hat einen eigenen TGV-Bahnhof.

Unterkunft: Entweder in Paris oder in Marne-la-Vallée, zum Beispiel in einem von sieben Disney-Hotels mit rund 5800 Zimmern.

Attraktionen: Das Disney Village ist eines der größten Unterhaltungszentren in der Pariser Region: Auf 30  000 Quadratmetern reihen sich Restaurants und Geschäfte aneinander, auch ein Multiplexkino steht zur Verfügung.

Eintrittspreise: Ein gewisses Budget sollte man schon einplanen – auch für Getränke, Essen oder Souvenirs. An Wochenenden oder in Ferienzeiten kostet der Besuch mehr, und es kommt darauf an, ob beide Parks besucht werden oder nur einer. Für beide zahlen Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren zwischen 62 und 90 Euro pro Tag, bei Kindern liegen die Preise zwischen 55 und 82 Euro.

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