Aktion Spürhund : Auf der Lauer an der Autobahn

Auch ein Hubschrauber der Bundespolizei kam bei der Aktion „Spürhund“ zum Einsatz. Fotos: Carsten Rehder
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Auch ein Hubschrauber der Bundespolizei kam bei der Aktion „Spürhund“ zum Einsatz. Fotos: Carsten Rehder

Länderübergreifende Aktion „Spürhund“. Wie die Bundespolizei gegen Schleuser und ihr Hintermänner kämpft

svz.de von
07. April 2017, 20:45 Uhr

Jan L. und Michael S. kämpfen in Turnschuhen und Jeans gegen Menschenschmuggel. Die beiden Zivilfahnder haben sich in ihrem schwarzen Mercedes an einer Raststätte an der A7 nahe Schleswig auf die Lauer gelegt. Binnen Sekunden müssen die 49- und 50-jährigen Bundespolizisten entscheiden, ob sie einen der vorbeibrausenden Wagen für verdächtig halten. Ein älterer grauer Peugeot, abgedunkelte Scheiben, fährt vorbei. Michael S. gibt Gas.

Zivilfahnder setzen bei ihren Einsätzen vor allem auf Erfahrung.
Foto: Rehder
Zivilfahnder setzen bei ihren Einsätzen vor allem auf Erfahrung.

Die Zivilstreife ist Teil einer groß angelegten Kontrolle der Bundespolizei: 160 Beamte in Autos, auf Schiffen und mit einem Hubschrauber haben am Mittwoch und Donnerstag beim Einsatz „Spürhund“ zwei Tage lang in Schleswig-Holstein und im Westen Mecklenburg-Vorpommerns nach Schleusern gesucht. Rund 600 Autos und Lkw, 38 Fernbusse, 49 Züge und 21 Schiffe haben sie überprüft. Statt auf große Kontrollpunkte setzten sie dabei auf dezentrale Überwachung. „Auch um die kleinen Grenzübergänge in den Blick zu nehmen“, sagte Bundespolizeisprecher Matthias Menge.

Zwar kommen längst nicht mehr so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie 2015 und 2016. „Wir haben es aber weiterhin mit illegaler Migration zu tun, trotz Grenzkontrollen“, so Menge. Um sie zu umgehen, vertrauen Menschen ohne Papiere oft auf Schleuser. „Der Einsatz war notwendig, um das Dunkelfeld im Bereich der illegalen Migration aufzuhellen“, sagte Bodo Kaping, Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt zu der Aktion. Es geht um Bewegungen, Routen und Taktik der Schleuser.

Die Kelle zum Anhalten hat Oberkommissar L. fest im Griff. Einen Abgleich des dänischen Kennzeichens an dem Peugeot haben sie bei ihren Kollegen angefordert. „Negativ“, knarzt es aus dem Funkgerät. So wie das Fazit der beiden Beamten, als sie den Wagen überholen. Offenbar ein älteres dänisches Paar auf dem Weg in den Urlaub, urteilt S. – und lässt sich mit dem Wagen zwischen zwei Lkw im Verkehr treiben. Wonach der gebürtige Flensburger auswählt? Kennzeichen, Autotyp, auf ein Raster lässt er sich nicht festlegen.

Erfahrung, sagt er, sei das Wichtigste. 2015 kümmerten er und seine Kollegen sich um Flüchtlinge am Flensburger Bahnhof. S. und L. wurden beide jeweils auch für ein paar Wochen nach Rosenheim abkommandiert, als noch stündlich Dutzende mit Zügen aus Österreich ankamen. „Dieses Elend zu sehen, die Menschen aus den Kriegsgebieten, das hat schon bewegt“, erinnert sich S. Doch auch in Schleswig-Holstein habe er bereits eine etwa 20-köpfige Gruppe aus einem Transporter befreit: „Der Schweiß tropfte von der Decke, die Menschen japsten nach Luft. Uriniert hatten sie in Einwegflaschen.“ Solche krassen Fälle illegaler Migration haben die Bundespolizisten bei der Aktion „Spürhund“ nicht aufgedeckt. Unter den rund 2600 insgesamt kontrollierten Menschen, registrierten sie in den Inspektionen Flensburg, Kiel und Rostock mehr als 20 Verdachtsfälle auf illegale Einreise, sechs Menschen wurden festgenommen. Mehr als sonst unter der Woche, sagt Sprecher Menge. Aber auch: „Nur eine Momentaufnahme.“ Die Menschen ohne Papiere, vor allem aus Afghanistan und dem Irak, sollten nun näher befragt werden – um mehr über Routen und Muster der Migration zu erfahren. Künftig solle es auch weitere Fahndungen geben. Über das Schicksal der Menschen entscheiden wiederum die Ausländerbehörden.

Jan L. und Michael S. entdeckten bei ihrer Kontrolle entlang der A7 diesmal keine Schleuser oder Menschen ohne Papiere – bloß litauische Handwerker auf dem Heimweg oder eine Familie aus Nigeria.

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