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Magische Zahl Warum sind aller guten Dinge Drei?

29.08.2015, 08:00 Uhr

Die Zahl drei spielt in vielen Sprichwörtern, Kulturen und Bräuchen eine wichtige Rolle

Die Drei sei eine „magische Zahl – erkennbar auch an der Heiligen Dreifaltigkeit“, sagt die Sprachwissenschaftlerin Dagmar Schmauks von der Technischen Universität Berlin. Auch geflucht wird allerdings bisweilen noch heute „in Dreiteufelsnamen“, zum Beispiel in Satans, Luzifers und Beelzebubs.

Noch mehr Dreierlei gefällig? Die gute Fee im Märchen verkündet: „Du hast drei Wünsche frei“– fünf davon klängen wohl maßlos, zwei ein wenig knauserig. Selbst wenn wir unser Kind auffordern, einer Behauptung im Schulaufsatz Argumente folgen zu lassen, legen wir ihm nahe: „Hier schreib gleich hin, warum das so ist: erstens, zweitens, drittens!“ Auch unterscheiden wir vermeintlich Dumme von angeblich Klugen dadurch, dass die Erstgenannten nicht oder nur „bis drei zählen“ können. Das rührt wahrscheinlich daher, dass manche Naturvölker lediglich Ausdrücke für die Ziffern Eins und Zwei kennen – andere für Eins bis Drei oder auch für einige wenige Zahlen mehr. Alles darüber hinaus Reichende müssen sie auf andere Weise ausdrücken oder schlicht als „viele“ bezeichnen. Manche Völker demonstrieren eine solche Menge zusätzlich noch durch eine Geste. So fassen sich dem Wiener Mathematiker Rudolf Taschner zufolge brasilianische Bakairi- oder Bororo-Indianer in die – hoffentlich noch zahlreich sprießenden – Haare, um Mengen jenseits der Drei darzustellen. Hochmütige Europäer haben diese Zahlenarmut in früherer Zeit wohl irrtümlich als Hinweis auf mangelnde Intelligenz missverstanden.

Doch warum sind nun aller guten Dinge angeblich drei – und nicht vier oder sechs? Die vernünftigste, wenn auch nicht beweisbare Begründung folgt dieser Linie: Im Englischen heißt das Ding noch heute „thing“. Und so war es auch einmal gemeint, wenn auf dem Thing, der germanischen Gerichtsversammlung im Mittelalter, eine Sache behandelt wurde – nämlich eine Rechtssache, ein Gerichtsding. Dazu musste der Angeklagte erst einmal gefasst, also dingfest gemacht werden. Ganz ähnlich heißt übrigens im Französischen das, was vor dem Richter verhandelt wird, eine chose, nach dem lateinischen Wort causa.

Schon beim Thing spielte die Zahl Drei eine große Rolle: „Dreimal im Jahr wurde Gericht ... gehalten, zu jeder Weisung waren mindestens drei Urteiler nötig, der Gerichtsplatz wurde oft durch drei Bäume gekennzeichnet und danach bezeichnet“, schreibt der verstorbene Sprachwissenschaftler und Volkskundler Lutz Röhrich in seinem bekannten „Lexikon der sprichwörtlichen Redewendungen“. Dreieichen, Dreieich oder auch Dreilinden zum Beispiel sind bis heute in Deutschland noch häufig zu findende Orts-, Flur- oder Wegenamen. Auch um alte Wegekreuze, die an frisch Verstorbene erinnern sollen, findet man bisweilen drei eigens dort gepflanzte Bäume, hier womöglich wegen der Heiligen Dreifaltigkeit: im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Ein solcher Segen konnte einem Toten nicht schaden.