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Video: Sturm über Schwerin Schwere Unwetter mit Tornado - Mindestens ein Toter

Von Eva Krafczyk und Michael Evers | 22.06.2017, 14:10 Uhr

Schäden durch heftige Unwetter im Nordosten legen den Fern- und Regionalverkehr der Bahn lahm. Weitere Gewitter, orkanartige Böen und Starkregen erwartet.

in schweres Unwetter hat am Donnerstag mit orkanartigen Sturmböen, Gewittern, Hagel und einem Tornado über dem Norden und Osten Deutschlands gewütet. Mindestens ein Mensch kam dabei ums Leben, der 50-Jährige wurde in der Nähe von Uelzen in Niedersachsen in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen.

In den betroffenen Regionen kam der Zugverkehr teilweise zum Erliegen, in Magdeburg gab es nach Angaben der städtischen Werke eine Reihe von Stromausfällen. Am frühen Abend zogen Sturm und Gewitter nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vom Norden Deutschlands Richtung Osten, vor allem Sachsen-Anhalt und Brandenburg waren demnach betroffen.

Der DWD berichtete, Meteorologen der Luftfahrtberatung hätten in Hamburg den typischen „Luftschlauch“ eines Wirbelsturms gesichtet. Der DWD-Tornado-Beauftragte Andreas Friedrich sagte, es habe sich um einen schwachen und nur kurzlebigen Wirbel von wenigen Minuten mit wenig „Bodenkontakt“ gehandelt.

 Auch eines der größten Musikfestivals Deutschlands war vom Unwetter betroffen: Besucher beim „Hurricane“ in Scheeßel bei Bremen flohen kurzzeitig in ihre Autos. Nach dem kurzen heftigen Unwetter warnte der DWD für den Abend vor weiteren Gewittern. Der Veranstalter bat anreisende Gäste, möglichst erst am Freitag zu kommen. „Am Abend und in der Nacht drohen im Norden weiterhin Gewitter mit Hagel und Starkregen“, sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert.

Wegen des Unwetters ging für viele Bahnreisende in den betroffenen Gebieten nichts mehr: Umgestürzte Bäume legten beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahm. Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin wurden unterbrochen. Und auch auf Autobahnen gab es Probleme: Auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume. Ein umgestürzter Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen aus.

Im Süden und Südwesten dagegen schwitzten die Menschen bei rekordverdächtiger Hitze und Tropen-Feeling. In einigen Orten Baden-Württembergs wurden um 15.30 Uhr Temperaturen um die 35 Grad gemessen. Doch für den späteren Abend rechneten die Meteorologen auch dort mit Unwettern. Es könne Starkregen und Wind mit Orkanböen geben.

Das gelte weiterhin auch für viele andere Teile Deutschlands, vor allem den Norden und Osten. „Das wird uns auch noch abends und in der Nacht beschäftigen“, sagte Meteorologe Ruppert. Erst in den frühen Morgenstunden werde das Unwetter voraussichtlich abklingen.

MV weniger hart getroffen

In Mecklenburg-Vorpommern hat die Unwetterfront im Westen des Landes kaum Schäden angerichtet. Allerdings standen zwei Stunden lang die Telefone in der für die Region zuständigen Leitstelle Schwerin nicht still. Meist seien abgerissene Äste und umgestürzte Bäume gemeldet worden, sagte eine Sprecherin. Verletzte und Brände habe es nicht gegeben.

In Karst bei Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) schlug der Blitz in ein Haus ein und beschädigte die Elektroanlage, wie die Polizeiinspektion Ludwigslust mitteilte. Ein Feuer sei aber nicht ausgebrochen. Die Kulissen des Piraten Open-Airs in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) überstanden das Unwetter nach Worten einer Mitarbeiterin unbeschadet. Die öffentliche Generalprobe am Abend sollte planmäßig über die Bühne gehen. Am Freitag soll die Premiere stattfinden.

Für den Norden und Osten Deutschlands müsse am Donnerstag mit der Möglichkeit von vereinzelten Tornados gerechnet werden, sagte Friedrich. Die „sehr explosiven Voraussetzungen“ für das in Deutschland seltene Unwetterereignis lägen durchaus vor.

Wer die typischen Luftwirbel eines Tornados sichtet, sollte das Naturspektakel keineswegs am Fenster beobachten, warnte Friedrich.„Am besten ist es, in den Keller zu gehen und auf jeden Fall nicht vor Türen und Fenstern zu stehen“, sagte er. Wer im Auto unterwegs sei, solle dort nicht sitzen bleiben: „Das Auto kann zur tödlichen Falle werden“.

Unabhängig vom Tornado-Risiko warnte der DWD am Donnerstag in weiten Teilen Norddeutschlands vor schweren Gewittern, orkanartigen Böen und Starkregen.