Ein Angebot des medienhaus nord

Ernährung Essen auf Rädern ist out

Von Birgit Sander | 10.08.2015, 12:00 Uhr

Mobiler Menü-Service klingt besser und ist nach wie vor gefragt

Autos mit der Aufschrift „Essen auf Rädern“ sind selten geworden. „Viele Senioren scheuen sich, vor den Nachbarn zuzugeben, dass sie für das tägliche Leben Hilfe in Anspruch nehmen müssen“, sagte die Leiterin des Mahlzeitendienstes der Volkssolidarität in Schwerin, Elvira Kausch. Wie eine Umfrage ergab, ist die Zahl derjenigen, die sich mittags ein warmes Essen ins Haus bringen lassen, seit Jahren etwa gleich. Die meisten älteren Menschen nehmen das Angebot nach Kauschs Ansicht viel zu spät an. „Das Einstiegsalter liegt im Durchschnitt bei 82 bis 83 Jahren. Da haben manche Menschen schon Erscheinungen von Mangelernährung“, meinte sie.

Die Möglichkeiten für Essen auf Rädern sind vielfältig. Sie reichen von einem feststehenden Gericht täglich bis zur Auswahl unter 200 Menüs, von frisch gekocht bis zum Tiefkühlgericht, das selbst warm zu machen ist. Eines scheint allerdings gleich zu sein: Die Kunden sind zufrieden, berichteten die Anbieter.

Eine, die an ihren Essern ganz dicht dran ist und Kritik aus erster Hand erfährt, ist Andrea Schultz-Jutrowski, Chefin der Gemeindeküche Altenhagen (Mecklenburgische Seenplatte). Vier Teilzeit-Mitarbeiter sind dort beschäftigt. „Wir kommen alle vom Dorf. Wir wissen, was schon unsere Großeltern gerne gegessen haben“, sagte sie. „Die Älteren lieben ihre Eintöpfe, auch mal ein Stück Speck oder Zwiebelfett.“ Für die Kindergärten wird anders gekocht, die Kleinen bekommen weniger Fleisch.

330 Essen liefert die Gemeindeküche, die eine der letzten ihrer Art im Land ist, in der Schulzeit täglich aus. 30 bis 35 Essen sind für Rentner bestimmt. Der Tag beginnt um 5 Uhr mit dem Schälen der Kartoffeln von Hand. Dreimal wöchentlich wird Ware frisch geliefert. Die Preise sind klein: 2,50 bis 3 Euro kostet ein Essen. Das werde so nicht bleiben können, ist sich die Küchenchefin sicher.

Die Kunden der Firma Hanse-Menü Rostock zahlen zwischen 3,60 und 5 Euro pro Essen, so Geschäftsführerin Nadine Herbrich-Lembke. Mit dem Mindestlohn seit dem 1. Januar habe man die Preise erhöht.

Auch in ihrer Küche werden täglich fünf Menüs frisch gekocht. Die Älteren bevorzugten Hausmannskost, „aber der Trend geht zu leichteren, vegetarischen Gerichten“. Essen auf Rädern ließen sich auch viele Geschäftsleute an den Arbeitsplatz bringen.

Bei der Caritas-Sozialstation in Neubrandenburg zahlen die rund 180 Kunden in der Stadt und der Umgebung täglich vier Euro pro Mahlzeit, am Wochenende fünf Euro. Gekocht wird in der Küche des katholischen Altenheimes, so Pflegedienstleiterin Katrin Herrmann. Neben dem Stan-dardessen wird Schonkost angeboten. In der Woche gibt es einmal Eintopf oder Milchreis, freitags Fisch oder Ei. Spätestens 12.30 Uhr sei das Essen bei den Senioren.

Ganz anders läuft es bei der Volkssolidarität in Schwerin. Das Essen für die Kita sowie für rund 140 Senioren in der Landeshauptstadt und Umgebung kommt von einem großen Anbieter von Tiefkühlkost. In Schwerin werden die Menüs gegart und ausgefahren. Die Ersten haben bereits um 9.15 ihr Mittagessen, das im Thermobehälter warm bleibt, versicherte Elvira Kausch. Die Kunden auf dem Lande erhalten einmal wöchentlich Tiefkühl-Menüs. „Das ist der Trend“, sagte Kausch. Die Vorteile: „Das Essen ist kostengünstiger und man muss nicht immer um 12 Uhr zu Hause sein.“ Die Volkssolidarität könne aus Kostengründen unmöglich täglich über das Land fahren.