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Zum anstehenden 70. Geburtstag Das Grundgesetz gibt es jetzt am Kiosk

Von Markus Pöhlking | 08.12.2018, 05:00 Uhr

Ein Hamburger Journalist bringt die Verfassung als Magazin heraus.

Das Grundgesetz kann, so viel mal vorweg, für 0 Euro bei der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) erworben werden. Zudem steht der komplette Text auch im Internet. Das vom Journalisten Oliver Wurm und dem Grafiker Andreas Volleritsch gestaltete Heft hingegen kostet einen Zehner. Wer den aber investiert, bekommt ein edel gestaltetes Magazin, das in Sachen Optik und Leserfreundlichkeit fraglos ein paar Ligen über der BPB-Editon und dem Web-Text spielt.

Im Mittelpunkt steht hier wie dort ein Gesetzestext, der durch seine klare Sprache besticht, durch auf den Punkt gebrachte Formulierungen und durch ein ganz eigenes, nüchternes Pathos – diese Ansicht vertritt zumindest Wurm. Und tatsächlich, beim Durchblättern des Heftes bleibt das Auge immer wieder mal an Passagen hängen, die – so scheint es – von der ruhigen Entschlossenheit durchzogen sind, in Deutschland unverrückbare demokratische Strukturen zu schaffen.

Layout soll Wert der Grundgesetze hervorheben

Die typografische Gestaltung des Heftes tut ein Übriges, sie dient dem Blick Passagen an wie „Die Freiheit der Person ist unverletzlich“, „Eine Zensur findet nicht statt“ und „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Das klingt heute selbstverständlicher, als es wohl 1949 war. Die zeitgenössischen Hintergründe des Grundgesetzes, findet Wurm, seien ein Quell, aus dem sich die Stärke des Textes speise.

Die Idee für das Magazin kam Wurm im Oktober 2017. Er saß vorm Fernseher, als der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar bei Markus Lanz das Grundgesetz als „sensationellen“ Text lobte. In Wurm, der zuvor auch schon mal das Neue Testament als Heft auf den Markt gebracht hatte, keimte eine neue Geschäftsidee: Zum 70. Geburtstag würde sich das Grundgesetz als Magazin sicher gut in den Kiosken des Landes machen.

Seitdem ist der merkantile Antrieb einer Art missionarischem Eifer gewichen, erklärt Wurm – auch deswegen, weil die im Grundgesetz festgeschriebenen Werte unter Druck geraten. „Nach den Vorfällen in Chemnitz im Sommer war ich dort auf dem ,Wir-sind-mehr-Konzert‘, und irgendwo hing dieses große Plakat mit der Aussage: ,Die Würde des Menschen ist antastbar – Artikel 1 (1) Grundgesetz, Stand 27. August 2018.‘ Das hat mir einmal mehr verdeutlicht, das unser Projekt eigentlich eine Relevanz hat, die weit über das bloße Geldverdienen hinausgehen muss.“

Ziel: Politische Bildung des Volkes

Wurm und Volleritsch zogen den Erscheinungstermin ihres Heftes daraufhin vor. Mit 70 Partnern aus der Wirtschaft und aus Gewerkschaften, mit Stiftungen, Vereinen und Verbänden gingen die Heftemachter eine Art Sponsoring ein: Jeder der Partner nahm für den symbolischen Preis von 1949 Euro eine bestimmte Anzahl der Hefte ab, wodurch das Projekt weitgehend finanziert war. „Mittlerweile will ich damit neben der Kostendeckung kein weiteres Geld mehr verdienen, sondern vor allem Leute dazu bringen, sich mit dem Grundgesetz auseinanderzusetzen“, sagt Wurm und wünscht sich: „Es wäre schön, wenn in Zeiten von rechtslastigen Heimatdiskursen das Grundgesetz einen liberalen und aufgeklärten Blick auf Begriffe wie Nation und Staat ermöglichen würde.“

Neben dem Gesetzestext enthält das Heft Aufnahmen von Deutschland, die der deutsche Astronaut Alexander Gerst aus dem All gemacht hat. Dazu kommt ein kurzer Schlussteil, der verschiedene Kennzahlen der Bundesrepublik sowie die historische Entwicklung Deutschlands in kleinen Grafiken darstellt.Das hinsichtlich seiner Gestaltung und Bindung durchaus hochwertige Magazin ist Ende November mit einer Startauflage von 100 000 auf den Markt gekommen.

Laut Wurm verkauft das Heft sich erstaunlich gut, die zweite Auflage sei bereits in Planung. „Und wer jetzt sagt, der Wurm spinnt, weil er zehn Euro für das Grundgesetz haben will, obwohl es das doch umsonst gibt“, sagt Wurm, „der soll es sich halt umsonst holen. Hauptsache, er holt es sich.“