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Flexi-Rente : Anreize für längeres Arbeiten

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was bringt die Flexi-Rente? Hintergründe zu den Koalitionsplänen für gleitende Übergänge vom Job in den Ruhestand

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erstellt am 11.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Länger arbeiten im Alter – Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat jetzt den Gesetzentwurf zur so genannten Flexi-Rente fertiggestellt, der unserer Redaktion vorliegt. Nach den Plänen der Regierung sollen Rentner ab 2017 variabler in den Ruhestand gehen können, längeres Arbeiten wird belohnt. Was bringt die Flexi-Rente? Andreas Herholz beantwortet die wichtigsten Fragen zur geplanten Reform:

Was ist das Ziel der Koalition?

Union und SPD wollen mit dem „Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung der Leistungen zur Teilhabe“, wie es offiziell heißt, Anreize für längeres Arbeiten setzen.

„Die Möglichkeit, vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Teilzeitarbeit durch eine Teilrente zu ergänzen, soll verbessert werden“, heißt es im Entwurf. Teilrente und Hinzuverdienst sollen flexibel und individuell miteinander kombinierbar, der Hinzuverdienst stufenlos bei der Rente berücksichtigt werden. Mehr als 50 Prozent der heute 60- bis 64-Jährigen sind berufstätig.

Ziel ist es, dass diese Gruppe möglichst lange im Erwerbsleben bleibt.

Wie soll dies erreicht werden?


Wer über die Regelaltersgrenze hinaus im Job bleibt, soll eine höhere Rente erhalten. Für Beschäftigte, die bereits früher aussteigen oder kürzer treten wollen, wird die Kombination von Beschäftigung mit reduzierter Stundenzahl und Teilrente erleichtert. Einerseits wird die Teilzeitarbeit vor der Rente gefördert, andererseits sollen die Ruheständler von ihren Zusatzeinkünften mehr Netto behalten. Mit der Flexi-Rente will die Bundesregierung erreichen, dass mehr qualifizierte und erfahrene Fachkräfte länger im Job bleiben und auch weiter Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, weiter Entgeltpunkte erwerben und ihren Rentenanspruch so noch erhöhen können.

Was ändert sich bei der Teilrente?

Die Teilrente bietet die Möglichkeit, einen Teil der Rente bereits vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Anspruch zu nehmen – allerdings mit einem Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat des früheren Rentenbezugs. Bisher gibt es ein relativ starres, dreistufiges System für die Teilrente – mit entweder einer halben, einer Zwei-Drittel- oder einer Ein-Drittel-Teilrente. Künftig entfallen diese Stufen ab dem 63. Lebensjahr. „Damit kann jeder selbst darüber bestimmen, zu welchem Anteil die berufliche Tätigkeit fortgesetzt und zu welchem Anteil mit dem Teilrentenbezug ein schrittweiser Ausstieg aus dem Beruf eingeleitet wird“, heißt es im Kompromisspapier. Bisher wird die Teilrente kaum genutzt. Zuletzt waren es gut 2000 Fälle im Jahr.

Gibt es Änderungen bei Hinzuverdienstgrenzen?

Ja. Grundsätzlich hält die Koalition aber am System der Hinzuverdienstgrenzen fest. Das heißt: Auch in Zukunft wird ein Teil des Lohns von Rentnern, die arbeiten, auf die Rente angerechnet.

Bis zu 450 Euro monatlich bleiben anrechnungsfrei. Von jedem Euro, der darüber hinaus verdient wird, bleiben 60 Cent. Die Anrechnung erfolgt nicht rückwirkend, sondern bei der Rente des Folgejahres. Ab einer Obergrenze in Höhe des vorherigen Bruttogehalts wird das zusätzliche Einkommen von Rentnern voll angerechnet.

Was ist mit den Sozialbeiträgen von Rentnern, die nebenbei arbeiten?

Wer Abschläge durch früheren Rentenbezug verkleinern oder vermeiden will, kann künftig bereits im Alter von 50 Jahren beginnen, freiwillig mehr in die Rentenkasse einzuzahlen. Bisher ist dies erst ab 55 Jahren möglich. Arbeiten nach Erreichen der Regelaltersgrenze wird durch Erleichterungen bei den Sozialbeiträgen attraktiver gemacht.

Bisher zahlen Arbeitgeber ihren Anteil am Rentenbeitrag ein, ohne dass der Rentenanspruch gestiegen wäre. Künftig soll auch der Beschäftigte einzahlen können – beide Beitragsteile würden dann den Rentenanspruch vergrößern.

Die Unternehmen müssen für Beschäftigte, die über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, keine Beiträge mehr zur Arbeitslosenversicherung zahlen.

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