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Trauriges Ende einer Suche : „Anne, wir weinen um dich“

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Niederlande trauert um eine junge Frau, deren Tod womöglich hätte verhindert werden können

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 20:50 Uhr

Es war das traurige Ende einer 13 Tage währenden Suche: „Das Schlimmste ist eingetroffen. Unsere geliebte Anne ist nicht mehr da“, sagte Onkel Hans Faber als Vertreter der Familie, die nun den Verlust ihrer 25-jährigen Tochter verkraften muss. Der Leichnam der jungen Frau war am Donnerstagabend in einem Naturschutzgebiet nahe Zeewolde, einem Dörfchen unweit der Studentenstadt Utrecht, gefunden worden.

Der Tatverdächtige selbst hat nach seiner Festnahme der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben. Der 27-Jährige ist ein verurteilter Sexualstraftäter, der noch gar nicht wieder auf freiem Fuß hätte sein dürfen. Durch die Niederlande ging ein Aufschrei.

Eine Mutter dreier Töchter startete unmittelbar nach dem Fund der Leiche eine Petition, die bis gestern Nachmittag mehr als 200  000 Unterschriften erhielt: „Wir, das niederländische Volk, verlangen eine Untersuchung des gescheiterten Rechtssystems“, heißt es darin, und eine Gesetzesänderung im Zusammenhang mit Sexualstraftätern. „Anne, wir weinen um dich, aber wir werden für dein Recht kämpfen. Ruhe in Frieden“.

Seit ihrem Verschwinden am 29. September hatten Medien täglich über den Fall berichtet. Das ganze Land blickte nach Zeewolde: Anne war zu einer Fahrradtour in der Umgebung von Utrecht aufgebrochen und nie mehr zurückgekehrt. Mehr als 2000 Hinweise gingen bei der Polizei ein, unzählige freiwillige Helfer beteiligten sich bei der Suche. Anfang der Woche nehmen die Ermittler den 27-jährigen Tatverdächtigen Michel P. fest, der sich in einer psychiatrischen Einrichtung zur Resozialisierung befand, nur 15 Radminuten von der Fundstelle von Annas Fahrrad entfernt. Noch ist der Tathergang unklar. Auch die Frage, ob Anne Opfer einer Sexualstraftat wurde, war noch offen.

Unterdessen kamen erschreckende Details über die Vorverurteilung des Verdächtigen ans Licht. 2010 war der 27-Jährige zu 16 Jahren Haft (nach Berufungssprozess elf Jahre) wegen Missbrauchs zweier minderjähriger Mädchen verurteilt worden. In seiner Verhandlung zeigte er keine Reue, sprach gar davon, „stolz“ auf seine Tat gewesen zu sein, mit der für ihn ein „Traum in Erfüllung“ gegangen sei. Der Richter ordnete eine psychiatrische Untersuchung an, die es ihm ermöglicht hätte, den Straftäter nach der Haft in eine Sicherheitsverwahrung zu bringen.

Weil sich Michel P. dem Gutachten verweigerte, sah der Richter sich gezwungen, bei der Haftstrafe zu bleiben. Dabei besteht die Option, auch ohne Gutachten die Unterbringung zu veranlassen, wenn eine „geistige Störung“ ersichtlich und von einer „Gefahr für die Öffentlichkeit“ auszugehen ist.

Ein Bericht der niederländischen Boulevardzeitung „De Telegraaf“, die sich auf an den Ermittlungen beteiligte Quellen beruft, stellt die Einrichtung, in der sich Michel P. befand, in kein gutes Licht: Demnach soll der Tatverdächtige eine Beziehung mit seiner Betreuerin unterhalten haben. Darüber hinaus schien die Klinik P. bereits Freigänge zu genehmigen. Dabei war er erst seit diesem Frühjahr dort, nachdem er nur sieben Jahre seiner Haftstrafe abgesessen hatte. Entlassen werden sollte er schon in einem Monat.

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