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Neue Gewalttat verhindert? : Amok-Verdacht: Polizei nimmt Schüler in Ludwigsburg fest

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Ein privater Tippgeber bringt die Ermittler auf die Spur eines Jugendlichen, der möglicherweise einen todbringenden Plan schmiedete.

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2016 | 18:23 Uhr

Messer, Dolche, Patronen und Material für eine Bombe - gerade nach dem Amoklauf von München schockieren die Funde bei einem 15-jährigen in Baden-Württemberg. Auf einen möglichen Amoklauf an seiner Schule deuten bei ihm entdeckte Fluchtpläne des Gebäudes hin. In der Nacht zum Dienstag griff die Polizei ein, nahm den Teenager fest. Eine regelrechte Gänsehaut erzeugt die Information, dass ein Internet-Kontakt zwischen ihm und dem Amokläufer von München bestand, der am vergangenen Freitag neun Menschen erschossen und dann sich selbst getötet hatte.

Da beruhigt es nur wenig, dass der junge Mann sich bereits im Januar dieses Jahres von den Amokplänen distanziert haben will. Die gefährlichen Waffen hatte er aber offensichtlich noch nicht entsorgt.

Auf den Zusammenhang zwischen dem 15-Jährigen aus Schwaben und dem 18-jährigen Amokläufer aus Bayern war ein Privatmann aus Ostdeutschland über ein Forum für Spieler von Gewaltspielen gestoßen.

Dieser hatte sich an die Internetwache des Landeskriminalamtes in Stuttgart gewandt und damit die Polizei auf die Spur des Jungen gebracht. Der junge Mann aus der Region Ludwigsburg hatte Fotos und Zeichnungen von Bomben und Waffen veröffentlicht, die auf eine mögliche Amoktat hindeuteten. Diese seien aber erst vor kurzem gelöscht worden. Auch die Münchner Beamten gehen den Hinweisen nach.

Warum kam ein Bürger auf den Zusammenhang und nicht die Ermittler? Den Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft verwundert das nicht.

Denn die Münchner Polizei müsse einer Vielzahl von Hinweisen nachgehen, die sie nur nach und nach abarbeiten könnten.

Aus Sicht der Anklagebehörde kommen bei dem 15-Jährigen die „klassischen Dinge“ für einen Amoktäter zusammen: Mobbing, schulische Probleme und das Empfinden, ein Außenseiter zu sein. Dies räumte der Junge auch gegenüber den Beamten ein. Die Konstellation erinnert fatal an Tim K., der im März 2009 an seiner ehemaligen Schulen in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen hatte.

Mit ihm verbindet den jungen Mann aus der Gegend um Ludwigsburg auch die Vorliebe für gewalttätige Computer-Spiele. Der 15-Jährige, der nicht mit einem Haftbefehl rechnen muss, befindet sich derzeit freiwillig in einer psychiatrischen Anstalt im Kreis Heilbronn; möglicherweise ist es dieselbe, in der auch Tim K. wegen psychischer Probleme behandelt wurde. Und noch eine weitere Querverbindung: Der Amokläufer von München soll sich vor seiner Bluttat an den Tatorten in Winnenden informiert haben.

„Bin ich froh, dass nichts passiert ist“, sagte der fassungslose Landesvorsitzende des Lehrerverbands VBE, Gerhard Brand. Dass „dieses Kind“ allein wegen Mobbings Rachepläne gehegt haben mag, hält er nicht für realistisch. „Sonst hätten wir an jeder Schule 20 Amokläufer.“ Die Ermittler geben zum Umfeld des Jugendlichen wenig preis. Er komme aus einer „ganz normalen Familie“, sagte der Polizeisprecher. Überdies hätten die Eltern keine Ahnung gehabt, welche Waffen ihr Sohn in der Wohnung hortete.

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