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Anekdoten zum Fest : Als ein Dorf Weihnachten vorverlegte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hat Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden? Und was ist vom „Geist der Weihnacht“ noch übrig? Wir haben uns auf die Suche nach Geschichten zum Fest gemacht

Dass Weihnachten auch heute noch von einem Zauber umgeben ist, zeigt die Geschichte des siebenjährigen Evan aus der kanadischen Gemeinde St. George. Der Junge ist an einem unheilbaren Krebstumor erkrankt. Seitdem er etwa zwei Jahre alt ist, leidet er an einem inoperablen Hirntumor. Evan muss lange ins Krankenhaus und viele Behandlungen über sich ergehen lassen. Bis die Ärzte im September dieses Jahres der Familie eine schreckliche Nachricht überbringen müssen: Sie können für Evan nichts mehr tun. Der Junge wird bald sterben.

Die Bewohner seines Heimatortes St. George wollen Evan einen letzten Wunsch erfüllen – er möchte noch ein Weihnachtsfest erleben. Das ganze Dorf findet sich zusammen, um Weihnachten zu feiern – und das im Oktober.

Die Straßen in St. George sind dazu gesäumt mit allerlei Weihnachts-Deko, mit Tannenbäumen, Lichterketten und sogar Kunstschnee – und das bei milden Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Dutzende Bürger verkleiden sich als Weihnachtsmänner. Sogar einen Festumzug gibt es mitten durch das Dorf. An Geschenken und Glückwunschkarten fehlt es nicht.

Die Bilder der Feier haben Millionen Menschen zutiefst berührt, in Kanada aber auch weltweit. Viele taten in sozialen Medien ihre Unterstützung kund. Auf Youtube-Videos ist zu sehen, wie Evan hoch auf einem Kutschenwagen sitzt, im Schoße eines bärtigen Weihnachtsmannes, mit breitem Grinsen und einer herzlichen Fröhlichkeit, die ansteckend ist. Allerlei Geschäfte hatten Schilder in ihre Schaufenster gestellt mit der Aufschrift: „Frohe Weihnachten, Evan.“

Anfang Dezember stirbt Evan in den Armen seiner Mutter, umgeben von seiner Familie. Sein Lächeln und seine Fröhlichkeit werden bleiben – da ist sich seine Mutter sicher.

 

Die Wahrheit über den Weihnachtsmann

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Ein Weihnachtsmythos hält sich seit langem: Der Weihnachtsmann, so glauben viele, ist eine Erfindung von Coca Cola. Ein Irrglaube! Es war ein Deutscher, der das Bild des drolligen Dicken geprägt hat, lange bevor der Apotheker John Pemberton das Zuckergetränk erfand: Der Karikaturist Thomas Nast, Sohn eines preußischen Militärmusikers und Schöpfer des Dollar-Zeichens, skizzierte vor 150 Jahren den Prototyp des globalen Weihnachtsmannes.

Nasts Aufstieg zum Vater des Weihnachtsmannes beginnt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Am 26. September 1840 kommt Thomas Nast als Sohn des Militärmusikers Joseph Thomas Nast und seiner Ehefrau Apollonia Abriß im pfälzischen Landau zur Welt. Der Junge ist das fünfte Kind, drei seiner Geschwister sind bereits gestorben.

Um der Armut zu entfliehen, verlässt die Mutter 1846 mit Thomas und dessen Schwester die Heimat in Richtung Amerika. Mit nichts im Gepäck, außer wenigen Habseligkeiten und dem Traum von einem besseren Leben in der Neuen Welt. Und ohne den Vater: Ein Jahr lang muss der Unteroffizier auf seine Entlassung aus der Armee warten, ehe er seine Familie in New York in die Arme schließen kann.

Nast junior hasst die Schule. Mit der neuen Sprache mag er sich nicht anfreunden. Aber Thomas malt wie ein Besessener – und findet eine andere Ausdrucksweise: seine Bilder! Als der Vater stirbt, muss Thomas für die Familie sorgen. Er heuert mit 15 Jahren als jüngster Pressezeichner der Welt bei der „Illustrated Weekly Newspaper“ an. Der Durchbruch lässt nicht lange auf sich warten. Bereits mit 20 Jahren ist Nast angesehen und wohlhabend.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tobt der Bürgerkrieg (1861 bis 1865). Die Amerikaner lechzen nach Bildmaterial. Bei „Harper´s Weekly“, der ersten illustrierten Zeitschrift Amerikas, stillt Nast den Bildhunger der Unionisten mit Illustrationen von Kampf- und Feldlagerszenen. Für Präsident Abraham Lincoln ist der eingewanderte Deutsche der „beste Werbeoffizier der Armee“.

1863 skizziert Nast eine weihnachtliche Lichtgestalt. Die bringt allerdings keine Geschenke für Kinder, sondern beschert die Soldaten der Union im Feld vom Schlitten aus: einen birnenförmigen, gutgelaunten Greis mit schneeweißem Rauschebart. Seine Wangen schimmern wie Rosen, die Augen glitzern: Der Weihnachtsmann ist da! Der lachende Alte erinnert an einen fröhlichen Bacchus. Zwischen den Zähnen dampft ein Stummelpfeifchen. Bei der Pelzverbrämung des roten Gewands, Konfektionsgröße XXXL, lässt sich Nast von der Kollektion des New Yorker Pelzhändlers und Hoteliers Astor inspirieren.

Pate für die neue Identifikationsfigur stehen u. a. der holländische „Sinterklaas“, aber vor allem die bleibende Erinnerung an einen rauen Gesellen aus Pfälzer Weihnachts-Kindertagen: der kettenrasselnde „Belzenickel“, der anderswo auch Knecht Ruprecht, Krampus, Hans Trapp oder Klausen heißt.

Auch wenn Nasts Karriere als Karikaturist und Pressezeichner durch Friedenszeiten und neue Reproduktionstechniken ein jähes Ende findet – sein Weihnachtsmann überlebt. 1931 wird seine Weihnachtsfigur endgültig unsterblich: Der führende Hersteller für zuckerhaltige Getränke nimmt dem Weihnachtsmann die Pfeife aus der Hand und ersetzt sie durch eine Brause-Flasche.

Prost, Weihnachtsmann!

 

 

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann

Virginias Brief aus dem Jahr 1897
Virginias Brief aus dem Jahr 1897
 

Auch die kleine Virginia O’Hanlon machte sich ihre Gedanken. Sie kannte die Bilder und Geschichten vom Weihnachtsmann. Doch gibt es ihn wirklich? Eine Zeitung, so glaubte sie, muss die Antwort wissen. Und so setzte sich die Achtjährige im Jahr 1897 hin und schrieb, in kindlichen, krakeligen Buchstaben, nieder, was sie so sehr beschäftigte: „Lieber Redakteur, ich bin acht Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ,Wenn es in der Sun steht, ist es so’. Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?“. Den Brief schickte das Mädchen an die Zeitung New York Sun – und ahnte wohl nicht, dass er ihr Leben verändern würde: Am 21. September 1897 druckte die Zeitung Virginias Zeilen und die Antwort des Redakteurs Francis Pharcellus Church als Leitartikel ab. Die Worte des Redakteurs zeugen vom wahren Geist der Weihnacht:

„Liebe Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, um die ganze Wahrheit und das ganze Wissen zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Und Du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und Deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie düster wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so düster, als wenn es keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Da könntest Du ebenso gut nicht an Elfen glauben! Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, die in alle Kamine blicken, um den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von Ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so, aber das ist noch lange kein Zeichen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Die wirklichsten Dinge bleiben meistens unsichtbar, für Kinder und Erwachsene. Hast Du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen sehen? Natürlich nicht, aber das ist kein Beweis, dass sie nicht dort sind. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen –, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können ihn lüften. Dann werden die übernatürliche Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das denn auch wahr?“ kannst Du fragen. Ach Virginia, nichts auf der Welt ist wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.“

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