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Januar 1987 : Als die DDR beinahe einfror

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Vor 30 Jahren hatte „General Winter“ das Land fest im Griff. Tausende Arbeiter wurden abgeordnet mit einer Aufgabe: Schnee schippen.

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Tief „Egon“ macht in Deutschland mit eisigen Sturmböen derzeit Schlagzeilen. Zweistellige Minusgrade werden erwartet. Das Wetter weckt im Osten Erinnerungen an den Januar 1987. Nach einem Temperatursturz innerhalb weniger Tage auf minus 30 Grad stand die DDR nicht nur politisch am Abgrund. Einige Szenen aus jenem Rekordwinter vor 30 Jahren:

Ausgangspunkt: Das Jahr 1987 startete mit starkem Regen. Im Thüringer Wald fielen innerhalb von 24 Stunden 60 Liter, im Harz 30. Die Pegelstände stiegen. Dann schneite es ab 4. Januar. Und die Temperaturen sanken auf Werte, die seitdem nicht wieder erreicht wurden, wie Thomas Hein vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig sagt.

In Gardelegen bei Magdeburg wurden minus 28,1 Grad gemessen, in Görlitz minus 27,5 Grad und in Erfurt minus 24,4 Grad. Bereits gute zehn Jahre früher – im Winter 1978/79 – herrschten schon einmal Temperaturen um minus 20 Grad. Trotz der Erfahrungen kam es erneut zu einer Energiekrise.

Kleine Baumeister: Auf dem Großen Dreesch in Schwerin spielen Kinder an einer Schneehütte.

Kleine Baumeister: Auf dem Großen Dreesch in Schwerin spielen Kinder an einer Schneehütte.

Foto: Archiv (SVZ)
 

Alltag: In den Bezirken Schwerin, Potsdam und Magdeburg war die Energieversorgung gestört. Tausende Haushalte hatten zeitweise keinen Strom, Wohnungen in Plattenbauten blieben kalt. Mieter mit Ofenheizung hatten Glück.

Überall wurden Vorkehrungen getroffen, um Kinder und ältere Menschen zu versorgen. Auch damals noch zum Stadtbild gehörende freistehende Münzfernsprecher waren gestört.

Bahn: Vereiste Schienen und Bahnweichen, zu tonnenschweren Blöcken zusammengefrorene Braunkohle: Die Energieversorgung in der DDR brach zusammen. Waggons mit Braunkohle zur Versorgung der Kraftwerke blieben auf der Strecke. Signalanlagen funktionierten nicht. Auch im Bahn-Transitverkehr Richtung Westen kam es zu Verspätungen.

Betriebe: Bänder standen still; die Stromversorgung musste gedrosselt werden. Ein Beispiel von vielen aus einem Potsdamer Chemiebetrieb: Dort fror ein Reglerventil ein. Der Produktionsausfall lag bei rund 440 000 DDR-Mark.

Eisspaziergang auf dem Schweriner See

Eisspaziergang auf dem Schweriner See

Foto: Archiv (SVZ)
 

Kohle: Die Arbeiter in der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode südöstlich von Hoyerswerda hatten mit festgefrorener Kohle zu kämpfen. Der wenige Brennstoff, der noch aus den Tagebauen ankam, fror in den Waggons fest. „Wir haben die Kohle lose gesprengt“, erinnert sich Frank Arnold. Mit der Kohle wurde dafür gesorgt, dass zumindest wichtige Maschinen nicht einfroren. Die Produktion allerdings war stillgelegt.

In die Braunkohletagebaue waren auch Soldaten der DDR-Volksarmee, Polizisten, Stasi-Mitarbeiter und Studenten abkommandiert. Kohle wurde mit dem Presslufthammer von den Bandanlagen gehackt.

Strassenverkehr: Bei Neuschnee von bis zu 40 Zentimer und Schneeverwehungen waren beispielsweise mehrere Fernstraßen im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt unpassierbar. 20 Landstraßen mussten im Bezirk Erfurt gesperrt werden.

Schifffahrt: Hafenkapitän Gisbert Ruhnke erinnert sich genau: Das Eis war bis zu 15 Zentimeter dick im Becken des Überseehafens. „Aber wir haben Schlepper eingesetzt und das Eis gebrochen“, sagt er. Denn die Ostsee war im Gegensatz zu 1978/79 noch frei.

Sozialismus: Der Humor blieb trotz Schnee und Kälte nicht auf der Strecke. Ein alter DDR-Witz machte auch in diesen Zeiten die Runde: „Die vier größten Feinde des Sozialismus: Frühling, Sommer, Herbst und Winter“ –  egal wie das Wetter war,  ein Schuldiger für die Misere in der Wirtschaft und Landwirtschaft war so immer schnell gefun- den. Gudrun Janicke

 

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