Unwetter in Bayern : Alltag nach der Flut: „Alle helfen zam“

Aufräumen nach der Katastrophe in Simbach
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Aufräumen nach der Katastrophe in Simbach

Nach der Hochwasserkatastrophe im Süden hat das Aufräumen begonnen

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02. Juni 2016, 21:00 Uhr

In Süddeutschland beseitigen die Menschen nach den heftigen Unwettern die Spuren der Verwüstung. Viele Bewohner sind nach dem Hochwasser fassungslos, das Ausmaß der Katastrophe ist mancherorts schwer einzuschätzen.

Simbach am Inn: Das Dröhnen der Rettungshubschrauber und das Heulen der Sirenen sind verstummt, stattdessen brummen Wasserpumpen. Die Helfer räumen am Morgen fort, was die Flut durch die Innenstadt von Simbach am Inn gespült hat: Bäume, Steine, Autos, Hausrat, Schutt und jede Menge Schlamm.

Die Menschen in dem einst beschaulichen Ort Simbach am Inn sind fassungslos. „Krieg“, sagt einer. „Wie im Krieg sieht das aus.“ Autos liegen auf ihren Dächern, Straßenlaternen sind umgeknickt wie Strohhalme, Läden und Wohnhäuser sind nur noch Trümmer.

Triftern: Die Menschen in Triftern können es immer noch nicht fassen: Das Hochwasser, das am Mittwoch durch den Ort im Landkreis Rottal-Inn gerauscht ist, hat Dutzende Häuser verwüstet, Autos zerstört, Existenzen fortgespült. Einen Tag nach der Katastrophe packen die Anwohner an. Mit Schaufeln, Eimern und Schubkarren beseitigen sie den Schlamm, den das Wasser zurückgelassen hat. Die Feuerwehr pumpt Keller aus, ein Reinigungsfahrzeug fährt durch die Straßen.

In all dem Chaos ist aber Aufbruchstimmung zu spüren. Aus den Häusern entlang des Altbaches schleppen die Anwohner Sofas, Regale, Sessel, Stühle. Alles kaputt. Binnen Minuten war der Bach zu einem reißenden Strom angeschwollen. In den Häusern reichte das Wasser beinahe bis in die ersten Etagen.

„Es ist unvorstellbar“, sagt Erwin Wimmer. Der 72 Jahre alte Feuerwehrmann hat bis Mitternacht bei den Arbeiten geholfen. „Da sind Autos rumgeschwommen. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man es nicht glauben.“ Zum Glück sei niemand verletzt worden. Jetzt packt jeder mit an: „Alle helfen zam.“

Braunsbach: Während die Bewohner immer noch Schlamm und Schutt aus ihren Häusern schippen, ziehen Schadensregulierer mit unabhängigen Sachverständigen von Haus zu Haus in dem kleinen Ort in Baden-Württemberg. Eine Schutt- und Gerölllawine hat Braunsbach in der Nacht zum Montag in ein Schlachtfeld verwandelt.

Bei den Besuchen in Braunsbach geht es aber nicht nur ums Geld: „Es geht uns darum, den Leuten ein Gesicht zu geben“, sagt Hartmut Schuster, Abteilungsleiter bei der Sparkassenversicherung. Manche Kunden seien sehr bescheiden, unterschätzten die Kosten.

Braune Schlammlawine: Simbach am Inn (Bayern) wurde völlig überschwemmt.  Fotos: dpa
Braune Schlammlawine: Simbach am Inn (Bayern) wurde völlig überschwemmt. Fotos: dpa
 

Experte: Zahl der Unwetter kann zunehmen

Müssen wir in Deutschland künftig häufiger mit überfluteten Straßen, Kellern und Unterführungen rechnen? „Derzeit steht schon recht lange ein Tief über Deutschland“, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zugleich strömten kühle Luftmassen aus dem Norden und feuchtwarme Luft aus dem Süden ein. „Durch die Vermischung kommt es häufig zu Starkregen und Gewittern.“ Solche Unwetter aufgrund des Klimawandels würden zunehmen, so Hoffmann. „Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, dann fällt mehr Wasser runter, wenn es regnet.“

„Global sieht man eine Zunahme von Extremniederschlägen bereits.“ Für Deutschland allein seien die Datenmengen noch zu gering, um dies zu beweisen. „Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat Hinweise darauf, dass solche Starkniederschläge häufiger werden, aber noch keine Beweise“, sagt DWD-Klimaexperte Andreas Becker. „Nach Klimamodellen soll sich die Zahl solcher Tiefdruckgebiete wie derzeit über Mitteleuropa jedoch bis 2100 um 20 Prozent erhöhen.“

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