Kritik zum Filmstart : Allein im Wald: "Leave No Trace" kommt ins Kino

Thomasin Harcourt McKenzie in Debra Graniks Film 'Leave No Trace'.
Thomasin Harcourt McKenzie in Debra Graniks Film "Leave No Trace".

Ein kriegstraumatisierter Vater lebt mit seiner Tochter im Wald: Debra Graniks starker Indie-Film „Leave No Trace“.

svz.de von
11. September 2018, 16:32 Uhr

Berlin | Debra Granik macht Jennifer Lawrence zum Star

Jennifer Lawrence verdankt ihre Karriere nicht zuletzt Debra Graniks „Winter’s Bone“ (2010) – der Geschichte einer 17-Jährigen, die ihren in Missouris Wäldern verschollenen Vater finden muss, damit ihr Haus nicht gepfändet wird. Acht Jahre später bringt die Regisseurin mit „Leave No Trace“ einen neuen Film ins Kino, der ganz ähnliche Motive bedient, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen. Wieder geht es um ein junges Mädchen in der Wildnis, diesmal muss sie ihren Vater allerdings nicht aufspüren, sondern sich von ihm lösen. (Von Schweiger bis Herbig: die Filmstarts im September)



Vater und Tochter allein im Wald

Die ersten Bilder zeigen die 13-jährige Tom (Thomasin McKenzie) und ihren Vater (Ben Foster) beim Feuermachen und Kochen im Wald, wo sie – mit Outdoor-Equipment gut ausgestattet – leben. Und das offenbar schon seit Jahren: In schweigsamen Bildern entwirft der Filme den Alltag eines traumatisierten Veteranen, der sich von der Gesellschaft zurückgezogen und sein Kind in die selbstgewählte Isolation einfach mitgenommen hat. ("Mackie Messer": Wie gut ist Lars Eidinger als Brecht?)

Gesellschaftsanalyse aus der Isolation heraus

Als Wanderer das Kind bemerken, alarmieren sie die Polizei, die das Vater-Kind-Paar zurück in die Zivilisation bringt. Hier lockert sich das symbiotische Verhältnis: Das Mädchen öffnet sich der Welt und versucht den Vater dabei mitzunehmen; der aber verschließt sich und sieht angstvoll zu, wie ihm in seiner Tochter der letzte Kontakt zu einem anderen Menschen abhandenkommt.

Nach Peter Rocks Roman „My Abandonment“ erzählt Debra Granik einmal mehr von extremen Existenzen am Rande der Gesellschaft – und macht gerade damit begreiflich, was das Miteinander von Menschen im Innersten ausmacht. Sehr sehenswert.

„Leave No Trace“. USA 2018. R: Debra Granik. D: Thomasin McKenzie, Ben Foster. 109 Minuten. Ab 6 Jahren.

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