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Zwei Jahre nach Germanwings-Absturz : Airlines: Piloten dürfen wieder allein im Cockpit sein

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Ein psychisch kranker Copilot sperrt den Kapitän aus und lässt das Flugzeug abstürzen - seit der Germanwings-Katastrophe müssen deshalb immer zwei Personen im Cockpit sein. Doch das soll sich ändern.

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erstellt am 28.Apr.2017 | 08:30 Uhr

Zwei Jahre nach der Germanwings-Katastrophe nehmen die großen deutschen Fluggesellschaften eine nach dem Absturz eingeführte Sicherheitsvorgabe zurück. Demnach darf sich ab spätestens Juni ein Pilot wieder allein im Cockpit aufhalten. „Die Evaluierung hat gezeigt, dass die Zwei-Personen-Regelung keinen Sicherheitsgewinn bringt“, begründete der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) die Entscheidung am Freitag in Berlin. Durch das häufigere Öffnen der Pilotenkanzel entstünden vielmehr zusätzliche Risiken, dass Unbefugte hineinkommen.

Der Absturz der Maschine in Frankreich hatte weltweit Entsetzen ausgelöst - und die Debatte über Sicherheit in Flugzeugen neu angefacht. Auch die Terror-Anschläge tragen dazu bei, sich immer wieder neu mit der Sicherheit an Bord zu beschäftigen.

Die Fluggesellschaften sichern aber zu, dass Ärzte bei Untersuchungen von Piloten stärker auf psychologische und psychiatrische Aspekte achten. Zugesagt werden auch stabile Beschäftigungsverhältnisse, Zugang zu Berufsunfähigkeitsversicherungen, psychologischen Beratungsprogrammen und eine intensivere Mitarbeiterbetreuung.

Der psychisch kranke Copilot Andreas Lubitz hatte den Ermittlungen zufolge im März 2015 die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen bewusst abstürzen lassen. 150 Menschen starben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Copilot den Flugkapitän aus dem Cockpit gesperrt hatte. Die Airlines führten als Sofortmaßnahme die Zwei-Personen-Regel ein.

Auswertungen des BDL haben jedoch ergeben, „dass die Gefahr eines Angriffs von außen durch terroristische beziehungsweise kriminelle Handlungen nach wie vor höher eingeschätzt werden muss“, wie es am Freitag hieß. Seit 1931 habe es nur etwa vier vergleichbare Suizidfälle gegeben, davon zwei, in denen der Täter allein im Cockpit gewesen sei. Demgegenüber stünden 1074 Entführungen.

Um die Zwei-Personen-Regel einzuhalten, werde die Cockpit-Tür häufiger und vorhersehbarer geöffnet. Es wachse auch der Kreis derer, die die Flugkanzel überhaupt betreten dürfen. Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern hatten den Nutzen der Regelung schon früh bezweifelt. Sie beruht auf einer Empfehlung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit, die inzwischen gelockert wurde.

Der BDL teilte mit, die neue Sicherheitsregelung werde dem Luftfahrt-Bundesamt angezeigt und spätestens zum 1. Juni umgesetzt.

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