Alexander Schalck-Golodkowski : Agentenbrille und Orden

Der Karl-Marx-Orden samt Urkunde von Alexander Schalck-Golodkowski liegt in Hamburg in einem Auktionshaus
Der Karl-Marx-Orden samt Urkunde von Alexander Schalck-Golodkowski liegt in Hamburg in einem Auktionshaus

Teile des Nachlasses von Alexander Schalck-Golodkowski in Hamburg versteigert

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25. Juni 2017, 21:00 Uhr

Vom knallroten ledernen Diplomatenpass mit eingeprägtem Staatswappen der DDR über einen Verdienstorden aus dem Kaiserreich Japan bis hin zu einem goldenen Ehrenzeichen der NSDAP – Teile des persönlichen Nachlasses des einstigen SED-Wirtschaftsfunktionärs Alexander Schalck-Golodkowski sind am Sonnabend in Hamburg unter den Hammer gekommen. Die Gegenstände erinnern an das bewegte Leben einer der schillerndsten Persönlichkeiten der DDR.

Rund 25 Besucher sind in den Salon eines Hotels gekommen, um bei der Versteigerung von Orden, Verleihungsurkunden und Dokumenten mitzubieten. Hinzu kommen Live-Bieter im Internet sowie Telefonbieter. Drei elegant gekleidete junge Frauen telefonieren abwechselnd mit verschiedenen Interessenten aus Deutschland, den USA und Russland und geben für sie im Saal Gebote für die etwa 40 Gegenstände ab. Besonders begehrt ist ein Karl-Marx-Orden, die bedeutendste Auszeichnung der DDR. Er erhält mit 8000 Euro das höchste Gebot. Eine typisch getönte Agentenbrille plus Diplomatenpass des früheren DDR-Devisenhändlers wechseln für 3300 Euro den Besitzer. Auch frühere Auszeichnungen der NSDAP stoßen auf reges Interesse. Im Sekundentakt schnellen Gebotsschilder in dem imposanten Raum mit der stuckverzierten Decke in die Höhe.

Für die angebotenen Gegenstände wird zu Beginn der Auktion eine Summe von etwa 30 000 Euro aufgerufen. Versteigert werden sie dann für insgesamt 70 000 Euro. „Wir sind sehr zufrieden mit der Bilanz“, sagt Auktionator Carsten Zeige. Bei den Bietern handele es sich überwiegend um Sammler, aber auch um einzelne Museen.

Vakhtang Dzhariani ist extra für die Auktion aus Moskau in die Hansestadt gereist. Er lebte nach eigenen Angaben von März 1989 bis zum Fall der Mauer in der DDR und arbeitete dort für das heutige „Russische Haus der Wissenschaft und Kultur“. Ersteigert hat er bei der Auktion nichts: „Ich sammele auch eher Orden und Ehrenabzeichen aus der Stalinzeit.“ Dennoch sei sein Interesse an Schalck-Golodkowski groß.

Während der DDR-Zeit war Schalck-Golodkowski unter anderem Leiter des geheimen Bereichs für „Kommerzielle Koordinierung (KoKo)“. Große Bekanntheit erlangte er durch die Aushandlung eines Milliardenkredits in D-Mark 1983 mit dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß.

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