Suche nach sieben möglichen Opfern : "Zyperns erster Serienmörder": Polizei findet Koffer mit Leiche

Auf der Touristeninsel Zypern soll ein Serienmörder mehrere Frauen umgebracht und sie in den Schächten einer verlassenen Erzgrube und in anderen Regionen der Touristeninsel verscharrt haben.
Auf der Touristeninsel Zypern soll ein Serienmörder mehrere Frauen umgebracht und sie in den Schächten einer verlassenen Erzgrube und in anderen Regionen der Touristeninsel verscharrt haben.

Er soll über eine Online-Datingseite Jagd auf Frauen gemacht haben – sieben Morde hat ein 35-Jähriger gestanden.

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26. April 2019, 19:40 Uhr

Nikosia | Mit Ausnahme eines Doppelmords 1993 hat es auf Zypern praktisch noch nie eine Mordserie gegeben. Nun erschüttern mehrere Leichenfunde und das Geständnis eines Tatverdächtigen die Mittelmeerinsel: Der 35-jährige Nikos M. soll die Tötung von sieben Menschen eingeräumt haben.

Lokalen Medien zufolge soll es sich bei dem Verdächtigen um einen Offizier der zyprischen Armee handeln. In einem zehnseitigen Geständnis habe der Mann die Morde an fünf Frauen und zwei Kindern zugegeben. Vier von den sieben angeblichen Leichen wurden bislang gefunden.

Der 35-Jährige soll laut "Cyprus Mail" ausgesagt haben, die Töchter von zwei Frauen, die er umgebrachte, ebenfalls getötet zu haben – weil er sie als Zeuginnen für seine Morde fürchtete.

Nach Tipp des Verdächtigen: Suche mit Tauchern

Am Sonntag fand die Polizei bei einer großen Suchaktion südwestlich der Hauptstadt Nikosia eine Frauenleiche in einem Baggersee. Ihre Überreste waren in einen Koffer gestopft und zusammen mit einem Betonblock versenkt worden. Die Leiche wurde zur gerichtsmedizinischen Untersuchung in die Hauptstadt Nikosia gebracht. Eine Roboterkamera hat einen weiteren Koffer im See ausgemacht. Seine Bergung sei bislang aber wegen schlechter Sicht noch nicht gelungen.

Mit einer Kamera suchen Ermittler einen Baggersee ab, wo ein Mann angeblich Leichen in Koffern versenkte. Foto: dpa/Philippos Christou
Mit einer Kamera suchen Ermittler einen Baggersee ab, wo ein Mann angeblich Leichen in Koffern versenkte. Foto: dpa/Philippos Christou

Bei dem Opfer könne es sich um eine 36-jährige Rumänin handeln, die samt ihrer achtjährigen Tochter vermisst wird, schreibt "Cyprus Mail". Der Verdächtige sagte angeblich der Polizei, dass er beide ermordet habe. Das Kind habe er getötet, weil es ihn beim Betreten des Hauses gesehen habe. "Ich wollte nicht, dass sie mich bei der Polizei identifizieren kann."

Außerdem habe er auch die sechsjährige Tochter einer 39-jährigen Philippina umgebracht, weil er nicht riskieren wollte, dass sie ihn sieht, wie er die Leiche ihrer Mutter bei einem verlassenen Minenschacht ablädt.

Deutscher Tourist findet Leiche bei Mine

Mitte April waren dort die Leichen von zwei Frauen gefunden worden. Ein deutscher Tourist entdeckte die erste Leiche, als er Fotos in der Gegend machte. Am Donnerstag hatte der Verdächtige die Ermittler zu einem Brunnen auf einem Schießplatz nahe Nikosia geführt, wo sie die dritte Leiche fanden.

In der Nähe des überfluteten Minenschachts außerhalb des Dorfes Mitsero wurden zwei weibliche Leichen gefunden. Foto: dpa/AP/Petros Karadjias
In der Nähe des überfluteten Minenschachts außerhalb des Dorfes Mitsero wurden zwei weibliche Leichen gefunden. Foto: dpa/AP/Petros Karadjias

Am Freitag hatte der als "erster Serienmörder" Zyperns bezeichnete Mann die Polizei zu den beiden Seen begleitet, um die Einsatzkräfte bei der Bergung der Leichen anzuleiten. Die Seen sind ein beliebtes Ausflugsgebiet. Die trüben Gewässer sind nach anhaltenden Regenfällen angeschwollen, was die Suche zusätzlich erschwert.

Frau nahm Kontakt mit "Orestis" auf

Die Leiche, die auf dem Schießplatz gefunden wurde – sie soll nepalesischer oder indischer Abstammung sein – ist noch nicht identifiziert. Nach Angaben des Gerichts könnte es sich um eine vermisste Nepalesin handeln, die im vergangenen Jahr auf der Online-Dating-Plattform "Badoo" mit "Orestis" in Kontakt stand – dem Alias des Verdächtigen.

Momentan untersucht die Polizei das Verschwinden von fünf Frauen und zwei Mädchen: Identifiziert ist nur die 39-jährige Philippina, die bei der Mine gefunden wurde. Sie und ihre sechsjährige Tochter wurden im Mai vermisst gemeldet. Die Leiche im Koffer könnte die verschwundene 36-jährige Rumänin sein. Ihre achtjährige Tochter wird vermisst. Die zweite Leiche bei der Mine ist womöglich eine vermisste 28-jährige Philippina. Als weiteres Opfer des 35-Jährigen wird eine vermisste 30-Jährige von den Philippinen vermutet.

Zyperns Präsident warnt vor Ausländerressentiments

Zyperns Präsident Nicos Anastasiades teilte mit, er teile den "Abscheu gegenüber diesen Verbrechen uneingeschränkt". Dass sich der Verdächtige offenbar gezielt ausländische Frauen ausgesucht habe, widerspreche der "Tradition und den kulturellen Werten" seines Landes, betonte das Staatsoberhaupt.

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