Bilder der Verwüstung : Zyklon "Idai" zerstört 90 Prozent von Mosambiks zweitgrößter Stadt Beira

In Beira hat Sturm Idai schwerste Verwüstungen hinterlassen und eine noch ungeklärte, vermutlich enorm hohe Zahl von Todesopfern.
In Beira hat Sturm Idai schwerste Verwüstungen hinterlassen und eine noch ungeklärte, vermutlich enorm hohe Zahl von Todesopfern.

Der tropische Wirbelsturm hat Hunderttausende obdachlos gemacht. Derweil steigen die Pegel der Flüsse weiter an.

svz.de von
19. März 2019, 19:21 Uhr

Beira | Nach dem Durchzug des Zyklons "Idai" durch Mosambik und Simbabwe wird das Ausmaß der Katastrophe erst nach und nach deutlich. Allein Mosambiks zweitgrößte Stadt Beira sei zu 90 Prozent beschädigt oder zerstört, berichtete das internationale Netzwerk von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond (IFRC) am Montag. Zahl der Toten in beiden Ländern stieg auf über 300.

Begleitet von heftigem Regen und starken Böen hatte der tropische Wirbelsturm am Donnerstag Mosambik erreicht und war anschließend nach Simbabwe weitergezogen. Er löste Erdrutsche und Sturzfluten aus, entwurzelte Bäume, zerstörte Straßen, Krankenhäuser, Schulen, und Telefonleitungen. Unzählige Häuser und Brücken wurden von den Sturzfluten fortgerissen; viele Gebiete waren auch nach Tagen noch von der Außenwelt abgeschnitten.

In Beira haben die Fluten viele Häuser unbewohnbar gemacht. Es gibt kein Strom und kein Trinkwasser. Foto: Josh Estey/CARE/dpa
In Beira haben die Fluten viele Häuser unbewohnbar gemacht. Es gibt kein Strom und kein Trinkwasser. Foto: Josh Estey/CARE/dpa

Am Sonntag brach ein Damm und zerstörte auch noch die letzte offene Straße nach Beira. Die Lage in der Hafenstadt, in der rund 530.000 Menschen leben, sei "furchtbar", erklärte der IFRC-Katastrophenmanager für Afrika, Jamie LeSueur. "Das Ausmaß der Zerstörung ist gigantisch."

Fast alles ist zerstört. Alle Kommunikationsverbindungen sind gekappt, viele Straßen unpassierbar. Und von dem was wir hören könnte die Situation außerhalb der Stadt noch schlimmer sein. Jamie LeSueur, IFRC-Katastrophenmanager für Afrika

Starke Schäden in Mosambik und Simbabwe

Allein in der Beira wurden bis Montag 55 Tote gezählt, in ganz Mosambik waren es 73 Tote. Nach Angaben des Katastrophenschutz-Instituts wurden knapp 900 Häuser von den Fluten fortgeschwemmt. 24 Krankenhäuser wurden zerstört, Dutzende Schulen oder Klassen geflutet. Von den Zerstörungen betroffen waren knapp zehntausend Menschen.

In Simbabwe meldeten die Behörden 89 Todesopfer. Doch könnte vor allem dort die Zahl weiter steigen, da die Bergungsteams einige überflutete Gebiete noch nicht erreichen konnten. Teilweise sehe es aus wie nach einem "schweren Krieg", sagte Simbabwes amtierender Verteidigungsminister Perrance Shiri. Verkehrsminister Joel Biggie Matiza sagte, noch nie habe es in seinem Land eine derartige "Zerstörung der Infrastruktur" gegeben.

Die Straße zwischen Beira und Chimoio ist weggebrochen. Foto: AFP/ADRIEN BARBIER
Die Straße zwischen Beira und Chimoio ist weggebrochen. Foto: AFP/ADRIEN BARBIER

Wetter lässt keine Entwarnung zu

In beiden Ländern dürfte sich die Lage angesichts des anhaltenden Regens weiter verschärfen. Mehrere Staudämme in Mosambik seien bereits übergelaufen oder hätten ihr Limit erreicht, berichtete die Oxfam-Vertreterin Emma Beaty. Präsident Filipe Nyusi sprach nach einem Besuch der betroffenen Gebiete von einer "kritischen Situation".

Simbabwes Staatschef Emmerson Mnangagwa brach seinen Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab und kehrte am Montag in aller Eile in seine Heimat zurück. "Unser ganzes Land ist in tiefer Trauer", sagte er. "Und man sagt mir, dass es noch nicht vorüber ist".

Bis zu 1000 Todesopfer befürchtet

Das Ausmaß der Katastrophe sei immer noch unklar, aber es sei sicher, dass die Zahl der Opfer "noch erheblich ansteigen" werde, so Unicef-Sprecher Daniel Timme in Mosambik. Das Rote Kreuz warnte unterdessen, infolge des Zyklons und den heftigen Überschwemmungen seien bis zu 400.000 Menschen zeitweise obdachlos geworden. Präsident Filipe Nyusi hatte am Montag gesagt, es könnte mindestens 1000 Todesopfer geben.

Eine Sprecherin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf sagte, "Idai" habe im Küstenbereich eine Sturmflut von drei bis vier Metern Höhe ausgelöst. Sollten sich die Opferzahlen bewahrheiten, sei vom bislang schlimmsten Zyklon der südlichen Hemisphäre auszugehen.

Helfer der südafrikanischen Armee haben Überlebende aus der überfluteten Region gerettet. Foto: AFP/ADRIEN BARBIER
Helfer der südafrikanischen Armee haben Überlebende aus der überfluteten Region gerettet. Foto: AFP/ADRIEN BARBIER

Beira ist derzeit nur noch aus der Luft zu erreichen. Ein Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen sollte dort am Dienstag eintreffen. Beim Welternährungsprogramm hieß es, die Lage sei "zum Verzweifeln". Die EU stellte 3,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Mosambik gehört einem UN-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich nun abzeichnenden humanitären Katastrophe überfordert sein.

Jetzt gehe es auch darum, die Infrastruktur schnell wieder herzustellen, erklärte Unicef. "Straßen in das Gebiet, das vom Zyklon getroffen wurde, sind komplett von umgestürzten Bäumen und Schutt blockiert", sagte der Landesdirektor der Hilfsorganisation Care, Marc Nosbach. "Die Infrastruktur ist komplett zerstört."

Im Osten Simbabwes sind die Sturmschäden ebenfalls erheblich. Foto: AFP/ Zinyange AUNTONY
Im Osten Simbabwes sind die Sturmschäden ebenfalls erheblich. Foto: AFP/ Zinyange AUNTONY

Kein Netz, Strom und Trinkwasser

In der Provinz Sofala und der Hafenstadt Beira gab es weiterhin keinen Strom, kein stabiles Kommunikationsnetz und keine reguläre Trinkwasserversorgung. Der Stromversorger EDM erklärte, es gebe keinen Kontakt zu den Teams vor Ort. Deswegen könne man auch nicht vorhersehen, bis wann die Versorgung wiederhergestellt werden könne.

Der Zyklon mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht zum Freitag mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean her nahe der Großstadt Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen.

Bereits seit Monatsbeginn leidet Mosambik unter schweren Regenfällen. Schon vor dem Durchzug von Zyklon "Idai" kamen dort mindestens 66 Menschen ums Leben. Im benachbarten Malawi starben wegen der Unwetter seit Monatsbeginn 56 Menschen, zehntausende wurden obdachlos. Wenigstens wurde Malawi von "Idai" verschont.

Mosambik, Malawi und Simbabwe gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Bereits seit mehreren Jahren wechseln sich vor allem in Mosambik und Malawi lange Trockenzeiten und schwere Regenfälle mit verheerenden Folgen ab.

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