Keine Hinweise auf giftige Substanzen : Zwei Todesfälle in Hermes-Versandzentrum – Polizei geht von Zufall aus

Zwei tote Hermes-Mitarbeiter und ein Schwerverletzter haben am Dienstagabend zu einem Großeinsatz der Feuerwehr in Haldensleben geführt.
Zwei tote Hermes-Mitarbeiter und ein Schwerverletzter haben am Dienstagabend zu einem Großeinsatz der Feuerwehr in Haldensleben geführt.

Beim Paketdienstleister in Haldensleben hat dies für einen Großeinsatz gesorgt.

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16. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Haldensleben | Nach zwei Todesfällen beim Paketdienstleister Hermes in Sachsen-Anhalt geht die Polizei von einer Verkettung unglücklicher Umstände aus. Die Ermittlungen hätten "keine Hinweise auf gesundheitsgefährdende Substanzen" erbracht, wie die Polizei Magdeburg am Mittwochabend mitteilte. Demnach ereigneten sich die beiden Todesfälle offenbar zufällig kurz hintereinander. Der Betrieb im Versandzentrum in Haldensleben wurde wieder aufgenommen werden.


Auf dem Gelände des Versandzentrums, in dem mehr als 3000 Menschen arbeiten, war in der Nacht zum Dienstag zunächst ein Toter entdeckt worden. Der 58-Jährige soll zusammengebrochen und vor Ort gestorben sein. Laut Hermes handelt es sich um einen Mitarbeiter aus der Betriebstechnik, der keinen Kontakt zu Paketen hatte. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot gefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Die Polizei ermittelt, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Todesfällen.

Arbeit soll wieder aufgenommen werden

Die Arbeit im Logistikzentrum, wo nach Unternehmensangaben täglich rund 300.000 Sendungen bearbeitet werden, stand seit Dienstagabend still. Laut Polizei sollte der Betrieb am Abend wieder aufgenommen werden. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Nachtschicht sei ab 22.00 Uhr mit 60 bis 70 Mitarbeitern besetzt. Von Donnerstag an werde dann der Stau bei den Paketsendungen aufgelöst.

Hermes-Geschäftsführer Andreas Stumpf sagte, es herrsche große Betroffenheit in der Belegschaft des Logistikzentrums. "Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Mitarbeiter aufzuklären, zu informieren, was letztendlich hier tatsächlich vorgefallen ist, so dass sie wieder an den Arbeitsplatz gehen können."

Zunächst war dazu von einem weiteren schwer verletzten Mitarbeiter die Rede gewesen. Dazu sagte Stumpf: "Der ist überhaupt nicht schwer verletzt. Der hatte einen epileptischen Anfall. Der Kollege hat eine Vorgeschichte. Das war nicht das erste Mal, dass er sowas hatte." Dem Mitarbeiter gehe es wieder gut.

Großeinsatz der Feuerwehr

Die ungewöhnliche Häufung der Unglücksfälle am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. 120 Kräfte waren im Einsatz. Zwischenzeitlich sorgte am Mittwoch der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket für Aufregung. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein. Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. "Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt", betonte der Polizeisprecher. Über die Menge des gefundenen Stoffes sagte er: "Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht."

Bei dem Großeinsatz der Feuerwehr waren 120 Kräfte im Einsatz. Foto: dpa/Tom Wunderlich
picture alliance/dpa
Bei dem Großeinsatz der Feuerwehr waren 120 Kräfte im Einsatz. Foto: dpa/Tom Wunderlich


Experten für chemische und toxische Stoffe aus Berlin suchten im Anschluss gemeinsam mit der Tatortgruppe des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt nach Hinweisen gesucht, wie die beiden Mitarbeiter ums Leben gekommen sein könnten. Sie sollten auch Gefahren für medizinisches Personal und weitere Mitarbeiter ausschließen.

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