Corona-Fälle in Italien : Zu viele Tote in Bergamo: Militärkonvoi muss Särge aus der Stadt fahren

Italien ist das am schwersten vom Coronavirus betroffene Land in Europa. Die Gesamtzahl der Toten liegt bei knapp 3000.
Italien ist das am schwersten vom Coronavirus betroffene Land in Europa. Die Gesamtzahl der Toten liegt bei knapp 3000.

Krankenhäuser vor dem Kollaps und immer mehr Covid-19-Tote: In Italien sollen die Ausgangssperren verlängert werden.

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19. März 2020, 14:41 Uhr

Rom | In Italien mehren sich angesichts steigender Covid-19-Todeszahlen die Forderungen nach noch schärferen Maßnahmen. Dabei wird diskutiert, die Arbeit in allen nicht zur Versorgung notwendigen Firmen und Büros zu stoppen. Die Ausgangssperre muss nach Einschätzung von Regierungschef Giuseppe Conte verlängert werden.

Bisher gilt in Italien zum Beispiel der Weg zur Arbeit als ein Ausnahmegrund bei der Ausgehsperre. Die hart betroffene Lombardei wolle das forcieren, sagte der für Gesundheit zuständige Regionalkommissar Giulio Gallera nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. Die Krankenhäuser in der Region stünden vor dem Kollaps, nun kämen immer mehr jüngere Patienten, die Beatmung brauchten: "Nicht nur ältere Menschen kommen, sondern auch Menschen um 50 und 40 Jahre alt."

Die Lombardei, in der die Metropole Mailand und die heftig von der Krankheit Covid-19 betroffenen Zone um Bergamo liegen, verzeichnet rund die Hälfte der über 30.000 offiziell erfassten Coronavirus-Fälle in Italien. Von einem überfüllten Friedhof in Bergamo mussten laut italienischen Medienberichten bereits sogar Särge mit Militärkonvois in andere Krematorien in der Region gebracht werden.

Ein Militärkonvoi in Bergamo transportiert 60 Särge von einem Friedhof in andere Krematorien in der Region.
AFP/Stringer
Ein Militärkonvoi in Bergamo transportiert 60 Särge von einem Friedhof in andere Krematorien in der Region.


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Zu viele Jogger und Spaziergänger

Es sei unvermeidbar, die verhängten Maßnahmen über ihre "ursprüngliche Frist" hinaus zu verlängern, sagte Conte der Zeitung "Il Corriere della Sera" vom Donnerstag. Er bezog sich unter anderem auf die Schließung von einem Großteil der Geschäfte, auf Schulschließungen sowie auf den Verzicht auf "individuelle Aktivitäten".

Die Politik werde in den kommenden Tagen entscheiden und sich nach dem Rat der Wissenschaft richten. Sogar wenn der Höhepunkt der Ansteckungswelle erreicht sein werde, könne das Land nicht schnell zur Normalität zurückkehren, sagte Conte.


Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte.
imago images/Insidefoto
Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte.


Es gebe zu viele Jogger und Spaziergänger, die sich nicht an die Verbote hielten, klagten andere Politiker. "Schließen wir alles, was nicht überlebenswichtig ist", forderte der Oppositionsführer Matteo Salvini von der rechten Lega mit Blick auf Fabriken, die weiter arbeiten. Wenn Schuhe und Parfüm einige Zeit nicht produziert würden, sei das verkraftbar.

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Drastische Beschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit

In Italien gelten landesweite drastische Beschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit. Bislang müssen die meisten Geschäfte bis zum 25. März schließen, auch öffentliche Versammlungen sind bis dahin verboten. Die Schulen bleiben bis zum 3. April geschlossen, auch große Sportveranstaltungen müssen bis dahin ohne Publikum stattfinden.

"Wir haben den Zusammenbruch des Systems verhindert, die restriktiven Maßnahmen wirken", sagte der Regierungschef. Wenn nun "hoffentlich in einigen Tagen" der Höhepunkt erreicht sei und die Zahl der Ansteckungen zurückgehe, "können wir nicht sofort zum vorherigen Leben" zurückkehren.

Neues Wirtschaftspaket mit Milliardenhilfen

Conte stellte ein weiteres Wirtschaftspaket mit hohen Milliardenhilfen in Aussicht. Die Regierung in Rom arbeite daran und wolle es in den nächsten zwei Wochen vorstellen, sagte der italienische Ministerpräsident der Zeitung "Corriere della Sera".

Seine Regierung mit Sozialdemokraten und der Fünf-Sterne-Bewegung arbeite an Investitionshilfen in selten da gewesenem Ausmaß. "Ich kann im Moment nicht sagen, ob es 50 oder 70 oder 100 Milliarden Euro sein werden, aber es wird sicherlich die größte Maßnahme der letzten Jahrzehnte sein", sagte Conte. Geld könne auch in die Infrastruktur fließen. Vor kurzen hatte die Regierung ein Hilfspaket von rund 25 Milliarden Euro verabschiedet.

Italien: Fast 3000 Covid-19-Todesfälle

Italien ist das am schwersten betroffene Land in Europa. Allein zwischen Dienstag und Mittwoch sind dort 475 Menschen im Zusammenhang mit der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Die Gesamtzahl der Toten liegt bei knapp 3000. In China, wo die Pandemie ihren Ausgang genommen hatte, starben bislang mehr als 3200 Menschen.

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