Gutachten zu Vorfall in Kleve : Zu Unrecht inhaftiert: Syrer legte tödliches Feuer in seiner Zelle selbst

An dem vergitterten Fenster der Gefängniszelle in der Klever Justizvollzugsanstalt sind Spuren des Brandes zu sehen.
An dem vergitterten Fenster der Gefängniszelle in der Klever Justizvollzugsanstalt sind Spuren des Brandes zu sehen.

Ein Gutachten offenbart neue Details zu einem Feuer in einer Gefängniszelle, durch das ein inhaftierter Syrer starb.

svz.de von
05. November 2018, 17:05 Uhr

Düsseldorf | Der wegen einer Verwechslung inhaftierte und nach einem Zellenbrand in Kleve gestorbene Syrer hat das Feuer einem externen Gutachten zufolge selbst gelegt. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Düsseldorfer Justizministeriums hervor. Demnach gehen die Ermittler von einer vorsätzlichen Brandstiftung "vermutlich mit suizidaler Absicht" aus. Das Motiv bleibe rätselhaft, sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Der über 60 Seiten starke Bericht soll am Mittwoch im Rechtsausschuss des Landtags erörtert werden.

15 Minuten lang im Feuer ausgeharrt

Unklar ist, ob frühere Hilfe in der Justizvollzugsanstalt Kleve möglich gewesen wäre. Laut Bericht hatte der Syrer mindestens 15 Minuten lang in dem Feuer ausgeharrt, bevor er über eine Gegensprechanlage versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Der Bedienstete am anderen Ende der Leitung habe ihm mitgeteilt, "dass er derzeit noch ein Telefonat zu führen habe und sich später melden würde". Danach habe der Gefangene "sich nicht weiter bemerkbar gemacht". Weitere Vernehmungen sollen ergeben, ob der Mann überhaupt angehört oder "weggedrückt" wurde.

Der 26-jährige Syrer war am 29. September – zwei Wochen nach dem Feuer in seiner Gefängniszelle – in einer Klinik gestorben. Er hatte bei dem Brand schwerste Verbrennungen erlitten. Wegen einer Verwechslung mit einem namensgleichen Dieb saß er mehr als zwei Monate zu Unrecht im Gefängnis. Tatsächlich warfen ihm aber mehrere Frauen sexuelle Belästigung und Nachstellungen vor – möglicherweise ein Grund, warum er sich nicht gegen die Haft gewehrt und auch keinen Anwalt verlangt habe, meinte Biesenbach.


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