Schlimmer Verdacht gegen 83-Jährigen : Rentner sammelte Artikel über vermisste Kinder: Polizei gräbt Garten um

Ein Spürhund sucht nach dem Fund von Kinderpornografie und Zeitungsartikeln über vermisste Kinder dessen Garten ab.
Ein Spürhund sucht nach dem Fund von Kinderpornografie und Zeitungsartikeln über vermisste Kinder dessen Garten ab.

Der 83-Jährige hat ehrenamtlich Schüler bei deren Hausaufgaben betreut.

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28. Juni 2019, 22:26 Uhr

Wuppertal | Die tagelange Suche nach Kinderleichen im Garten eines 83-jährigen Wuppertalers ist beendet. "Die Grabungen sind abgeschlossen. Wir haben nichts mit Beweiswert gefunden", sagte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Dienstag. Es gebe keine Ermittlungen zu konkreten Vermisstenfällen gegen den Rentner. Ebenso wenig gebe es bislang Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch den Mann. Die offenkundig pädophile Neigung des Mannes und die Funde in seinem Haus hatten den Verdacht ausgelöst, es könnte sich um einen Kindermörder handeln. Dem war die Polizei mit großem Aufwand nachgegangen.

Die Polizei hatte mit Baggern fünf Tage lang seinen etwa 1000 Quadratmeter großen Privatgarten umgegraben. Der Bodenaushub wurde dabei von Leichenspürhunden untersucht, weil die Polizei den Verdacht hatte, dass dort Kinderleichen vergraben sein könnten. Im dazugehörigen Haus des 83 Jahre alten Mannes hatte die Polizei zuvor große Mengen Kinderpornografie und eine scharfe Kleinkaliberwaffe entdeckt. Außerdem stieß sie in einem Safe auf Zeitungsartikel über vermisste Kinder.

Keine Beweise gefunden

"Wir haben bislang keine Beweise, dass der Mann etwas mit dem Verschwinden der Kinder zu tun hat", hatte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert am Freitag betont. Der alte Mann habe den Besitz der Kinderpornografie zugegeben, beteuere aber, dass er keinem Kind etwas angetan habe.

Die offenkundig pädophile Neigung des Mannes und die Funde in seinem Haus ließen aber den Verdacht zu, es könne sich um einen Kindermörder handeln, sagte der Oberstaatsanwalt weiter. Dem müsse die Polizei nachgehen – auch wenn es vielleicht nur darum gehe, den Verdacht auszuschließen

Psychische Auffälligkeiten

Ein Haftbefehl gegen ihn wurde erlassen – wegen Besitz von Kinderpornografie und Verstoß gegen das Waffengesetz – aber gegen Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt. In Freiheit soll sich der Senior dennoch nicht befinden, sondern wegen psychischer Auffälligkeiten eingewiesen worden sein. Eine Sprecherin der Stadt wollte dies am Freitag mit Hinweis auf den Patientenschutz nicht bestätigen.

Ein Polizist bringt den Mann aus dem Haus, in dem Kinderpornografie gefunden wurde, zu einem Rettungswagen. Foto: David Young/dpa
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Ein Polizist bringt den Mann aus dem Haus, in dem Kinderpornografie gefunden wurde, zu einem Rettungswagen. Foto: David Young/dpa

50 Festplatten sichergestellt

Polizisten hatten in den vergangenen Tagen eine "gewaltige Datenmenge" an Kinderpornografie aus dem Haus getragen. 50 Festplatten, mehrere Laptops und Computer mit umfangreichem Bildmaterial im Haus sichergestellt. Eine erste Sichtung bestätigte den Verdacht, dass der Mann im Besitz von Kinderpornografie ist.

Außerdem fanden die Beamten neben dem scharfen Revolver Teile einer Panzerabwehrrakete ohne Sprengkopf. Deshalb musste zusätzlich bereits am Mittwoch der Kampfmittelräumdienst anrücken.

Ehrenamtlich Schüler betreut

Dann kam heraus: Der 83-Jährige hat ehrenamtlich Schüler bei deren Hausaufgaben betreut. Die Polizei nahm Kontakt zu den Einrichtungen auf und startete zusätzliche Ermittlungen. "Wir befragen in diesem Fall derzeit eine Vielzahl von Personen", sagte Baumert. Nach derzeitigem Stand gebe es aber keine Hinweise, dass der Beschuldigte sein Ehrenamt ausgenutzt hat, um Kinder sexuell zu missbrauchen.

Der 83-Jährige war aufgefallen, weil er – engagiert in der Flüchtlingshilfe – einer syrischen Familie einen USB-Stick gegeben hatte, auf dem für sie wichtige Formulare abgespeichert waren. Auf dem Stick waren aber nicht nur Formulare, sondern auch Kinderpornografie. Der Vater der Familie informierte daraufhin die Arbeiterwohlfahrt, diese schaltete die Polizei ein. Bereits einen Tag später war das Haus des Rentners durchsucht worden.

Ebenfalls ins Visier der Ermittler geriet vorübergehend der in Dortmund lebende 52-jährige Sohn, in dessen ehemaligem Kinderzimmer ebenfalls einschlägiges Bildmaterial gefunden wurde. Bei der Durchsuchung seiner Dortmunder Wohnung sei aber nichts Verdächtiges entdeckt worden.

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