Zwei Tage vor Wikileaks-Anhörung : Inhaftierte Whistleblowerin Manning nach Suizidversuch im Krankenhaus

Die US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning war 2018 in Berlin auf der Netzkonferenz re:publica.
Die US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning war 2018 in Berlin auf der Netzkonferenz re:publica.

Weil sie die Aussage verweigert, wurde die Informantin in Beugehaft gesteckt. Dort versuchte sie sich umzubringen.

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12. März 2020, 12:04 Uhr

Richmond | Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Manning sei am Mittwoch in ein Krankenhaus gebracht worden und erhole sich derzeit, teilten ihre Anwälte mit. Der Suizidversuch erfolgte demnach zwei Tage vor einer Gerichtsanhörung im US-Bundesstaat Virginia wegen Mannings Weigerung, zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange auszusagen.

"Sie bleibt standhaft in ihrer Weigerung, an einem geheimen Grand-Jury-Verfahren teilzunehmen, das sie für äußerst missbrauchsanfällig hält", erklärte ihre Unterstützergruppe "Sparrow Project". Manning habe bereits darauf hingewiesen, "dass sie nicht ihre Prinzipien verraten wird, selbst auf die Gefahr hin, dass es ihr ernsthaft schadet". Manning argumentiert, sie habe schon vor Jahren über ihre Beziehung zu Wikileaks ausgesagt.

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Aussage vor Grand Jury verweigert

Manning sitzt seit Mai 2019 wegen Missachtung des Gerichts in einem Gefängnis in Alexandria (US-Bundesstaat Virginia) in Beugehaft. Sie hatte sich geweigert, über den Gründer der Enthüllungs-Plattform Wikileaks, Julian Assange, auszusagen. Bei der für diese Woche geplanten Anhörung gehe es um eine mögliche Haftentlassung, die die Anwälte Mannings gefordert hatten. Es sei weiterhin geplant, dass die Whistleblowerin am Freitag zu einer Anhörung vor einem Bundesgericht erscheinen werde, hieß es.

Ihre Mandantin werde "ihre Prinzipien nicht verraten", teilten die Anwälte in ihrem Schreiben mit. "Ihr heutiges Handeln beweist die Stärke ihrer Überzeugungen und das tiefe Leid, das sie weiterhin erfährt", hieß es darin. Die Anwälte bezogen sich in ihrer Einschätzung auf UN-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, der die aktuelle Inhaftierung Mannings als Verstoß gegen internationales Recht gewertet habe. Der 32-Jährigen droht nach Angaben ihrer Anwälte auch eine hohe Geldstrafe. Laut "New York Times" hat Manning 2016 zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Zu 35 Jahren Haft verurteilt – von Obama begnadigt

Die Whistleblowerin - die vor ihrer geschlechtsangleichenden Operation als Mann lebte und mit Vornamen Bradley hieß – hatte Wikileaks 2010 Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze und Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan.

Sieben Jahre lang saß Manning bereits in US-Militärhaft. Sie war 2010 in Untersuchungshaft genommen worden. 2013 wurde sie bei einem Militärgerichtsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt. Manning kam 2017 frei, nachdem der damalige US-Präsident Barack Obama die vorzeitige Freilassung angeordnet hatte.

Assange soll Manning beim Leaken geholfen haben

Wikileaks-Gründer Assange wehrt sich vor einem Gericht in London gegen seine Auslieferung an die USA. Aus Angst davor hatte er sich 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Die US-Justiz wirft Assange vor, Manning geholfen zu haben, das geheime Material von US-Militäreinsätzen zu veröffentlichen. Dabei soll Washington zufolge insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen dem gebürtigen Australier bis zu 175 Jahre Haft. Assange bestreitet die Vorwürfe.

Weiterlesen: Mutiger Aufklärer oder krimineller Verräter? Der Fall Julian Assange

Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend Hilfe. Bei der Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner, auch anonym. Telefonnummern der Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Kontakt übers Internet (Chat- oder Mailberatung): www.telefonseelsorge.de

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