"Deutlicher Anstieg der Schadenszahlen" : "Pfusch am Bau" in Deutschland: Gewerbe fordert Meisterzwang zurück

Vor allem mit der Qualität von Fliesenlegern sind viele Verbraucher nicht zufrieden. (Symbolbild)
Vor allem mit der Qualität von Fliesenlegern sind viele Verbraucher nicht zufrieden. (Symbolbild)

Die Monopolkommission ist gegen diesen Vorschlag – Verbraucher sollen auch künftig selbst entscheiden können.

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29. Mai 2019, 13:43 Uhr

Hamburg | Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert eine Rückkehr zum Meisterzwang. Der vor 15 Jahren gelockerte Zugang zu vielen Handwerksberufen habe die Qualität der Leistungen verschlechtert und den Nachwuchsmangel verstärkt, heißt es. Nur eine Rückkehr zur Meisterpflicht könne diese Abwärtsspirale aufhalten.

Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes spricht sich für eine Wiedereinführung des Meisterzwangs aus. Durch die eingeführte Liberalisierung sei es "möglich, sich ohne Qualifikationsnnachweis selbstständig zu machen – mit verheerenden Folgen für die Bauqualität und einem deutlichen Anstieg der Schadenszahlen", sagt der Hauptgeschäftsführer des ZDB, Felix Pakleppa, der Süddeutsche Zeitung.

Existenzbedrohende Schadensummen

Vor allem für die mangelhafte Arbeit von Fliesenlegern hagele es häufig Kritik. Die durchschnittliche Schadenssumme aufgrund mangelnder Qualifikation sei laut Pakleppa seit 2004 im Schnitt von 9000 auf zirka 16.000 Euro gestiegen. Für Bauherren könne das, Rechtsstreitigkeiten inbegriffen, "existenzbedrohend werden".

Die rot-grüne Bundesregierung hatte 2004 insgesamt 53 von 94 Handwerksberufen vom Meisterzwang befreit, um die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Im Baugewerbe betrifft die Lockerung Fliesen-, Platten-, Mosaik- und Estrichleger. Die Anzahl der Fliesenlegerbetriebe nahm sprunghaft zu.

Monopolkommission gegen Meisterzwang

Die Monopolkommission warnt nun vor Plänen der großen Koalition, den gelockerten Zugang zu vielen Handwerksberufen wieder zu beschränken. Eine Ausweitung des Meisterzwangs sei aus wettbewerbspolitischer Sicht abzulehnen, da sie zusätzliche Hürden für den Markt- und Berufszugang errichte, schreiben die unabhängigen Berater der Bundesregierung in einer Analyse, die laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) an diesem Donnerstag veröffentlicht wird.

Verbraucher sollen selbst entscheiden

Zu befürchten sei ein deutlicher Rückgang der Betriebsgründungen in den betreffenden Gewerken, der den bestehenden Fachkräftemangel noch verschärfen dürfte, heißt es in dem "Policy Brief" der Wettbewerbshüter. Negative Folgen könnten sich auch für die Verbraucher ergeben, befürchtet der Ökonom Achim Wambach, der die fünfköpfige Kommission leitet. Die Kunden profitierten von der stärkeren qualitativen Differenzierung handwerklicher Leistungen. Sie könnten selbst entscheiden, für welche Arbeit sie einen teureren Meisterbetrieb engagierten und wo es ein günstigerer Anbieter sein könne.

"Für die Pflege meines Gartens nehme ich keinen Meister, aber vielleicht doch, wenn es um Arbeiten im Empfangsbereich oder Büro geht", sagte Wambach der Zeitung. Er verwies auch auf Mahnungen der EU an Deutschland, seinen Dienstleistungssektor stärker für den Wettbewerb zu öffnen.

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