Viel Müll in deutschen Städten : Weggeworfene Kippen und ausgespuckte Kaugummis: So hoch sind die Bußgelder

Wer Kaugummis achtlos wegwirft, kann in manchen Städten mit hohen Bußgeldern belegt werden. Foto: dpa/Peter Steffen
Wer Kaugummis achtlos wegwirft, kann in manchen Städten mit hohen Bußgeldern belegt werden. Foto: dpa/Peter Steffen

Umweltsünden sollen dieses Jahr vielerorts rasant teurer werden. Aber wer macht eigentlich den meisten Dreck?

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21. April 2019, 10:12 Uhr

Hannover/Mannheim | Höhere Bußgelder, mehr Kontrollen, größere Mülleimer, neue Mehrwegsysteme: Mit verschiedenen Strategien haben viele deutschen Städte in jüngster Zeit den Kampf gegen Müll auf den Straßen verschärft.

Hamburgs Waste-Watcher haben innerhalb eines Jahres rund 6000 Verwarn- und Bußgelder wegen illegaler Müllablagerung verhängt. Rund die Hälfte habe sich gegen Raucher gerichtet, die ihre Kippen einfach auf die Straße oder in die Natur geschnippt hätten, sagte der Sprecher der Stadtreinigung, Reinhard Fiedler. Seit Anfang vergangenen Jahres können in Hamburg für eine weggeworfene Kippe 20 Euro fällig werden, ebenso teuer kann ein auf den Gehweg gespucktes Kaugummi werden. Ein nicht entfernter Hundehaufen kann Herrchen oder Frauchen 40 Euro kosten.

Weiterlesen: Verkehr: Bußgelder im Ausland oft höher als in Deutschland

Anfangs hätten die 30 Waste-Watcher nur Gelbe Karten verteilt, sagte Fiedler. Seit Mai 2018 würden Müllsünder in Hamburg zur Kasse gebeten. Im vergangenen Jahr griffen die Müllwächter fast 4000 Mal mit Verwarn- und Bußgeldern ein, in diesem Jahr wurden schon knapp 2000 Knöllchen verteilt. "Es gibt kein Unrechtsbewusstsein", sagte Fiedler.

Abbau von Zigarettenfilter dauert fast zehn Jahre

Dass Kippen und Kaugummis in der Umwelt ein Problem sind, steht für die Stadtreinigung außer Frage. Zigarettenfilter enthielten Nikotin und viele andere Gifte. Es dauere fast zehn Jahre, bis sie sich in der Natur abbauten. Kaugummis machten Flecken auf dem Pflaster. Vor jedem Hamburger Kino könne man 150 bis 200 solcher Flecken pro Quadratmeter finden, sagte Fiedler. Viele Menschen hielten die Flecken für eine Musterung im Pflaster.

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So wird es in einigen Kommunen Baden-Württembergs künftig deutlich teurer, den Kaugummi auf den Boden zu spucken, die Zigarettenkippe achtlos wegzuwerfen oder den Hundekot einfach liegen zu lassen. Ein neuer Bußgeldkatalog des Landes sieht für solche Umweltsünden nunmehr einen Rahmen von bis zu 250 Euro vor. Bislang waren solche Vergehen nur mit 10 bis 20 Euro belangt worden.

Weggeworfene Kippe kostet in Mannheim 75 Euro Strafe

Mannheim hat die Bußgelder Anfang April zur Wiedereröffnung einer frisch renovierten Einkaufsmeile erhöht. Wer künftig in der Stadt eine Kippe wegwirft, dem drohen nun 75 Euro Strafe, das Wegwerfen eines Kaugummis kann sogar bis zu 250 Euro kosten. Für nicht aufgehobenen Hundekot verhängt die Kommune 100 bis 250 Euro Bußgeld.

Die bayerische Stadt Augsburg hat zuletzt im Juni 2018 erhöht. Sie bittet seither jeden, der Müll auf den Boden wirft und dabei ertappt wird, mit immerhin 40 Euro zur Kasse. Das habe Wirkung gezeigt. Die Lage bessere sich – auf Straßen und Plätze liege weniger Abfall herum als vor der Erhöhung.

"Abseits von Strafen treten die Städte generell dem Vermüllen und Verdrecken öffentlicher Flächen mit weiteren Instrumenten entgegen", berichtet die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages, Verena Göppert. "Dazu gehören zum Beispiel Aktionstage zum gemeinschaftlichen Aufräumen öffentlicher Räume und Sauberkeitskampagnen." Klar müsse aber auch sein: "Wer öffentliche Flächen mutwillig verschmutzt, muss auch dafür geradestehen."

Auch Stuttgart möchte sauberer werden. Denn Schmutz sei oft nicht nur ein Problem des Ästhetik, sagt Stadtsprecher Martin Thronberens – sondern oft auch für die Natur. Außerdem würden falsch entsorgte Kaugummis oft von Kleintieren und Vögeln gefressen, die daran sterben könnten.

Größere Mülleimer in Stuttgart

In Stuttgart steigen nicht nur die Bußgelder – beispielsweise für das Wegwerfen von Kippen oder Kaugummis auf rund 100 Euro. Es wurde auch die Kampagne "Sauberes Stuttgart" ins Leben gerufen – unter anderem mit größeren Mülleimern. Außerdem hat die Kommune neue Stellen im städtischen Vollzugsdienst geschaffen, um mehr Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen - erstmals sind Zivilstreifen unterwegs.

Denn viele deutsche Kommunen stehen vor einem gemeinsamen Problem: Umweltfrevler auch zu erwischen, obwohl die Personaldecke dünn ist. "Das Wegwerfen und Liegenlassen von Müll wird kaum kontrolliert", erläutert die Sprecherin der Stadt Lüneburg, Ann-Kristin Jenckel. Es gebe dafür zu wenige Außendienstmitarbeiter. Deren Priorität liege daher auf anderen Bußgeldverstößen innerhalb der Stadt.

In Hannover kostet das achtlose Ausspucken eines Kaugummis derzeit noch moderate 10 Euro. In Zukunft soll es teurer werden. "Dies wird ausdrücklich so von der Politik gefordert", weiß der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover zu berichten. Die Stadt mit 530.000 Einwohnern hat auch mit den geschätzt 20 Millionen Einwegbechern für To-Go-Getränke zu kämpfen, die jährlich verbraucht werden.

"Damit könnte man den über 6000 Quadratmeter großen Rathausvorplatz einen Meter hoch mit Einwegbechern bedecken", sagt Verbandssprecherin Helene Herich. "Eine enorme Vergeudung an wertvollen Ressourcen und damit eine erhebliche Umweltsünde." Deshalb habe die Stadtreinigung zusammen mit städtischen Dezernaten im Frühjahr 2017 beschlossen, ein eigenes Mehrwegbechersystem auf Pfandbasis in Hannover zu etablieren, wie es auch in mehreren anderen deutschen Städten im Aufbau ist.

Dresden: 33.000 Euro Bußgelder wegen weggeworfenen Mülls

Derweil zeigt die sächsische Stadt Dresden Härte. Dort ist die Zahl der verhängten Bußgelder wegen achtlos weggeworfenen Mülls in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Im Vorjahr gab es laut Ordnungsamt 1439 Verfahren wegen Müllablagerungen etwa von Kaugummis oder Pappbechern. Insgesamt wurden demzufolge Bußen in Höhe von etwa 33.000 Euro verhängt. 2017 waren es etwa 960 Verfahren gewesen, 2016 noch 770. In Dresden müsse jemand, der seinen Kaugummi auf den Boden spuckt, mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen, berichtete das Ordnungsamt. In Einzelfällen könne das aber auch höher ausfallen. Die Buße solle alle Bürger dazu anhalten, die gesetzte Ordnung zu achten.

Aber wer spuckt eigentlich am meisten? Eine Studie zum sogenannten Littering – dem unachtsamen Wegwerfen von Müll – ergab, dass die Hauptsünder junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren sind. Zum Littering gehört jedoch auch das Wegwerfen von Kaffeebechern und Zigarettenkippen. Die Studie, auf die auch das Umweltministerium verweist, wurde im vergangenen Jahr vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) herausgegeben. Die Ergebnisse beziehen sich auf einen Langzeitstudie von 2005 bis 2017. Als Gründe für das Littering machte die Studie Faulheit und mangelnde Erziehung aus.

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